Archivierter Artikel vom 15.01.2012, 13:22 Uhr
Mainz

Nach umstrittenem Urteil: Rheinland-Pfalz will Schüler besser schützen

Nach dem Freispruch eines Lehrers vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer Schülerin prüft das rheinland-pfälzische Kultusministerium eine Änderung des Schulrechts.

Freispruch vom    Vorwurf des  sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen: Lehrer, der mit einer 14-jährigen Schülerin    mehrfach  Geschlechtsverkehr hatte, war "nur" Vertretungslehrer. Somit bestand kein  Obhutsverhältnis.
Freispruch vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen: Lehrer, der mit einer 14-jährigen Schülerin mehrfach Geschlechtsverkehr hatte, war „nur“ Vertretungslehrer. Somit bestand kein Obhutsverhältnis.
Foto: DPA

Ministerin Doris Ahnen (SPD) wolle auch im Austausch mit den anderen Bundesländern erörtern, wie Schüler besser geschützt werden könnten, berichtete „Focus“ am Sonntag. Dem Nachrichtenmagazin zufolge kritisierte Ahnen das Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz: „Dass unterschieden wird, ob eine Lehrkraft eine Klasse dauerhaft oder nur vorübergehend betreut, lässt sich nur schwer nachvollziehen.“

Das Oberlandesgericht hatte den 32 Jahre alten Lehrer freigesprochen, weil er weder Klassen- noch Fachlehrer der 14 Jahre alten Schülerin war. Als Vertretungslehrer habe er auch keinen Einfluss auf die Notengebung gehabt, erklärten die Richter zur Begründung.

Kritik an dem Urteil äußerte auch der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Rheinland-Pfalz, Christian Zainhofer. „Diese Entscheidung des Oberlandesgerichts Koblenz geht völlig an der Realität von Schulen vorbei und beruht auf einer juristischen Spitzfindigkeit, die wir für falsch halten“, sagte er der „Rhein-Zeitung“. Er forderte eine Änderung des Strafgesetzbuches. Die Landesregierung in Mainz könne dafür über den Bundesrat aktiv werden.