Rheinland-Pfalz

Existenzängste im Einzelhandel: Händler vermissen im Lockdown Perspektiven für die Zukunft

Der Handelsverband Rheinland-Pfalz hat die Verlängerung der Corona-Maßnahmen scharf kritisiert. „Das ist ein Schlag gerade für den innerstädtischen Handel, eine Katastrophe“, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Scherer der Deutschen Presse-Agentur. „Die innerstädtischen Lagen, besonders im Textilhandel, sind verzweifelt. Die Existenzängste sind riesengroß.“

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Einzelhandel
Ein Passant fährt auf seinem Skateboard an einem geschlossenen Ladengeschäft vorbei.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Scherer wirft den Verantwortlichen in Bund und Ländern vor, dem Einzelhandel bei der am Montag beschlossenen Verschärfung des Lockdowns keine Perspektiven für eine mögliche Öffnung beispielsweise mit geänderten Hygienemaßnahmen aufgezeigt zu haben. „Die Politik lässt den innerstädtischen Handel vorsätzlich an die Wand fahren“, sagte er. Es stimme zwar, dass Lebensmittel- oder Möbelgeschäfte recht gut durch die Pandemie gekommen seien, doch dafür mache beispielsweise der Textilhandel „riesige Umsatzverluste“. Die Einzelhändler brauchten für die Zeit der Schließung „wirksame finanzielle Hilfen, die auch zeitnah ausgezahlt werden“, sagte Scherer. Es dürfe also nicht sein, dass Hilfen durch lange Verwaltungswege erst nach vier oder fünf Monaten bezahlt werden. „Es müssen Unterstützungsleistungen kommen, die auch tatsächlich eine Unterstützung sind“, forderte er.

So bringe beispielsweise die Erstattung von Fixkosten denjenigen Händlern keine wirkliche Hilfe, die ihren Sitz in ihrer eigenen Immobilie haben und daher keine oder kaum Miete zahlen. Auch weitere Überbrückungskredite brächten keine Entlastung, „denn die müssen irgendwann auch zurückgezahlt werden“, sagte er. „Doch wie soll man das machen, wenn die Lager voll sind, man die Ware aber nicht verkaufen kann?“ Ähnliche Kritik kommt auch vom Städtetag Rheinland-Pfalz, der ebenfalls bemängelt, dass eine längerfristige Perspektive für Händler fehlt. Der Vorsitzende des Städtetags, der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), sagte: „Wir Städte sind auf die Mitwirkung und Solidarität der Bewohnerinnen und Bewohner zur Eindämmung der Pandemie angewiesen“, sagte Ebling. Die Menschen vermissten in der jetzigen Situation eine Perspektive. Und was nicht verstanden werde, werde nicht akzeptiert. Ebling bemängelt: „Die jetzige Beschlusslage ist perspektivlos.“