Neustadt an der Weinstraße

Duo übernimmt: Rheinland-pfälzische Linke tauscht Landesvorstand aus

Nach enttäuschenden Ergebnissen bei der Landtags- und der Bundestagswahl hat die Linke Rheinland-Pfalz einen neuen Vorstand gewählt.

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Ein Parteitag bestimmte am Samstag in Neustadt an der Weinstraße Melanie Wery-Sims aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich und Stefan Glander aus Kaiserslautern als neues Führungsduo.

Die 38-jährige Wery-Sims, Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl im März, erhielt 71 von 107 Stimmen, der 54-jährige Glander wurde mit 78 Stimmen gewählt. Beide kündigten eine frühzeitige Vorbereitung auf die Kommunalwahlen 2024 an. Die beiden neuen Vorsitzenden treten die Nachfolge an von Katrin Werner aus Trier, die bei der Wahl am 26. September ihr Bundestagsmandat verlor, und von Jochen Bülow aus Neuwied.

In der Aussprache zur Arbeit des bisherigen Landesvorstands gab es viel Kritik. Ein Vertreter des Jugendverbands Linksjugend Solid sagte: „Wenn wir einfach nur weiterhin die billige Kopie der SPD sind, können wir nichts gewinnen – da wählen die Leute lieber das Original.“ Ein Delegierter bekannte, er ringe darum, weiter Mitglied zu bleiben – „weil mir das einfach zu unsolidarisch ist, was da passiert“. Der bisherige Landesvorsitzende Bülow wies Kritik an mangelnden Impulsen mit dem Satz zurück, der Landesvorstand sei „nicht der große Vorturner für alles und jedes“.

Melanie Wery-Sims übernimmt zusammen mit Stefan Glander den Vorsitz der Linken in Rheinland-Pfalz.
Melanie Wery-Sims übernimmt zusammen mit Stefan Glander den Vorsitz der Linken in Rheinland-Pfalz.
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Zuvor hatte die Bundesvorsitzende Janine Wissler die eigene Partei zu einem freundlicheren Umgang miteinander aufgerufen. Es sei nicht glaubwürdig, wenn eine Partei „immer sagt, wir sind die Partei der Solidarität, aber dann gar nicht so solidarisch miteinander umgeht“.

Das Ergebnis der Bundestagswahl vom 26. September – „ein schwarzer Tag, ein einschneidender Tag“ – müsse „in aller Ruhe, in aller Nachdenklichkeit, aber auch in allen Konsequenzen“ aufgearbeitet werden, mahnte Wissler. Das beste Erststimmenergebnis im Westen, 12,4 Prozent für den als parteilos angetretenen Sozialmediziner Gerhard Trabert in Mainz, zeige den richtigen Weg, um neue Wählergruppen zu erreichen. Mit Verbindungen in Gewerkschaften, Umwelt-, Friedens- und feministische Bewegungen sei die Linke eine vielfältige Partei und sollte diese Stärken besser nutzen. „Die Niederlage ist erst eine Niederlage, wenn man nicht wieder aufsteht“, sagte Wissler.