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Diez

Grundmauern zerstörter Synagoge freigelegt: Dem Gedenken an Juden in Diez neuen Raum geben

Hans Georg Egenolf

Sie sind eine offene Wunde im Geschichtsbewusstsein der Stadt: Die freigelegten Grundmauern der Diezer Synagoge schlagen ein Kapitel der Stadthistorie auf, das diejenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Abriss des denkmalwürdigen Gebäudes vorantrieben und nicht verhinderten, am liebsten wohl für immer zugeklappt gesehen hätten.

Seit Wochen sind Archäologen der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz dabei, zu dokumentieren, was nach dem Brand in der Pogromnacht 1938 und nach dem Abriss des Gotteshauses im Jahr 1951 übrig geblieben ist. Tatsächlich scheint das nicht viel zu sein, die Bauarbeiter haben seinerzeit nach Kriegsende ganze Arbeit geleistet. Und doch legen die restlichen Grundsteine, die die Lage und Ausmaße des Gebäudes in Ansätzen nachvollziehbar machen, ein beeindruckendes und für manchen Betrachter auch bewegendes Zeugnis ab.

Was dort jetzt noch zu sehen ist, liegt nach Angaben von Dr. Cliff A. Jost, stellvertretender Leiter der Direktion Landesarchäologie (Außenstelle Koblenz) mindestens 1,50 Meter unter Fußbodenniveau. Mit zweieinhalb Geschossen stellte die Synagoge nach seiner Einschätzung ein stattliches Gebäude dar, dessen neuromanischer Stil sich an den von Kirchengebäuden anlehnte. Für Jost ein Indiz dafür, dass die Juden zur Zeit der Erbauung im Jahr 1863 „gesetzlich und gesellschaftlich gut integriert waren“. Noch zu erkennen in den Grundmauern sind Säulen, auf denen wohl eine Empore ruhte, und eine Thora-Nische, die sich an der Rückseite des Gebäudes befand. Leider gibt es keine Innenaufnahmen von der Synagoge. Gefunden haben die Archäologen auch eine Wasserzufuhr und zisternenartige Becken. Aus welcher Zeit sie stammen und welche Funktion sie für die Synagoge hatten, lässt sich nicht mehr ohne Weiteres nachvollziehen. Weitergegraben wird dort aber nicht mehr. „Eine archäologische Grabung ist immer auch eine Zerstörung“, begründet Dr. Jost die Zurückhaltung. Er geht davon aus, dass es in 20, 30 Jahren ganz andere technische Möglichkeiten für unterirdische Untersuchungen geben wird. Die Arbeit der Archäologen ist jetzt ohnehin erst einmal abgeschlossen.

Es stellt sich nun die Frage, wie die Diezer mit den Erkenntnissen umgehen und welche Form der Erinnerung an die einst lebendige jüdische Gemeinde in Diez gefunden werden soll. Stadtbürgermeister Frank Dobra ist dafür, zusammen mit der Gedenkinitiative und dem Museums- und Geschichtsverein ein Konzept zu entwickeln, das das gesamte jüdische Leben in Diez berücksichtigt. „Wir nehmen uns die Zeit und tauschen uns aus“, sagte Dobra bei einer Besichtigung der Grabungsstätte, an der auch der Beigeordnete Edgar Groß und Bürgermeister Michael Schnatz (Verbandsgemeinde Diez) teilnahmen. Mit dabei waren auch Vertreter der Gedenkinitiative Diez/Limburg, auf deren Drängen die Grabungsarbeiten und die damit verbundene Dokumentation der Gebäudereste überhaupt erst zustande gekommen sind. Helke Wuth, Mitglied der Initiative aus Diez, ist zufrieden mit der aktuellen Entwicklung. Jetzt gehe es darum, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, in welcher Form und an welchen Orten der jüdischen Mitbürger in Diez gedacht werden soll.

Von unserem Redaktionsleiter
Hans Georg Egenolf

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