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Lahnstein

Lahnsteins Kultur lässt kaum Wünsche offen

Menschen zieht es in die großen Städte. Dort ist etwas los, dort gibt es Treffpunkte und eine breite Palette kultureller Veranstaltungen von Musik jeder Stilrichtung bis hin zu Theater und Musical.

Kultur für jeden Geschmack bietet die Stadt am Rhein-Lahn-Eck: Farbrausch-Festival am Lahnufer, Burgspiele, Kulturfest Lahneck Live, hier mit Laith Al Deen, Ausstellungen im Nassau-Sporkenburger Hof, klassische Chormusik mit dem Männerchor Frohsinn, Lesungen wie hier im Hof der Burg Lahneck und der Karneval mit seinen vielen Facetten (von oben links im Uhrzeigersinn) sind nur einige Beispiele für Veranstaltungen.
Kultur für jeden Geschmack bietet die Stadt am Rhein-Lahn-Eck: Farbrausch-Festival am Lahnufer, Burgspiele, Kulturfest Lahneck Live, hier mit Laith Al Deen, Ausstellungen im Nassau-Sporkenburger Hof, klassische Chormusik mit dem Männerchor Frohsinn, Lesungen wie hier im Hof der Burg Lahneck und der Karneval mit seinen vielen Facetten (von oben links im Uhrzeigersinn) sind nur einige Beispiele für Veranstaltungen.
Foto: Karin Kring

Von Karin Kring und Tobias Lui

In Lahnstein mag es zwar nur noch eine kleine Kneipenkultur geben, keine Diskothek – kulturell aber hat die kleine Stadt jede Menge zu bieten, vieles was man in Städten vergleichbarer Größe vergebens sucht, vieles, das auch Besucher aus den großen Städten nach Lahnstein zieht. Besonders bemerkenswert ist, dass eine große Zahl dieser kulturellen Highlights seit vielen Jahren ehrenamtlich von Privatpersonen, Gruppen und Vereinen auf die Beine gestellt werden, die eine Riesenportion Idealismus einbringen, dies alles für die Menschen, die hier leben, tun und damit für ihre Stadt.

Die Lahnsteiner Musikszene zum Beispiel mit ihrem Festival Lahneck Live (dieses Jahr war es das 27. Mal) und dem Bluesfestival, das, als der SWR sich als Veranstalter zurückzog, seither von der Musikszene weitergeführt wird. Musikfans aus ganz Deutschland reisen jeden Herbst an, um hier die Größen des Blues zu erleben. Nicht zu vergessen, die oft hochrangig besetzten Events beim Stormy Monday in Jugendkulturzentrum.

Oder Vereine, wie der Altertumsverein mit spannenden Vorträgen und Fahrten, der Männerchor Frohsinn, der jedes Jahr zu seinem Konzert bekannte Solisten (teils Weltstars) einlädt, die Serenade der Chorgemeinschaft und viele andere Chorkonzerte. Förderkreise kümmern sich um den Erhalt von Stadtmauerhäuschen oder Hospitalkapelle, richten dort Veranstaltungen oder Lesungen aus. Die Städtische Bühne und die Burgspiele, die jedes Jahr nicht nur eine schauspielerische, sondern auch eine logistische Meisterleistung darstellen, und die ohne die genannte Riesenportion Idealismus ebenfalls nicht zu bewerkstelligen wäre. Darüber hinaus finden immer wieder Kunstausstellungen im Sporkenburger Hof statt. Es gibt die Lehner Kirmes und die Oberlahnsteiner Kirmes, die der Kur- und Verkehrsverein hier, die Gesellschaftliche Vereinigung der "24er" dort, organisieren, und die ohne zusätzliches Mittun von Helfern, Feuerwehr, THW, DRK ebenfalls nicht möglich wären. Gleiches gilt für Rhein in Flammen, wenn Tausende Besucher ans Rhein-Lahn-Eck strömen.

Die Geschichte von Lahnstein wird in vier verschiedenen Themenmuseen, die sich auf insgesamt sechs historische Ausstellungen verteilen, dokumentiert. Bergbaumuseum, Stadtmauerhäuschen, Fastnachtsmuseum, Hexenturm. Auch hier sind Vereine und Ehrenamtler bei der Arbeit. In zwei Büchereien, der Städtischen und der Katholischen (ehrenamtlich) gibt es nicht nur Lesestoff, sondern auch Programm für Kinder, Ferienaktionen, Lesenächte.

Noch gar nicht genannt: Der Karneval, zweifellos eine Säule der Kultur in der Stadt, Brauchtum vom Feinsten, bei dem Tausende Aktive jedes Jahr mitwirken: Das CCO, der NCV, die Funken, die Garden, die Tanzgruppen, inzwischen – auch schon Tradition – der Zores. Und dann noch: das Farbrausch-Festival, das in diesem Sommer zum zweiten Mal von der Jugend am Rheinufer Niederlahnstein gefeiert wurde, die katholische Erwachsenenbildung, die zum Beispiel Papstkenner Andreas Englisch nach Lahnstein holte, die Konzerte und Veranstaltungen in der Stadthalle.

Sicherlich haben wir nicht alles genannt in dieser Auflistung, aber deshalb nicht vergessen. Mit Blick auf unsere Stadtentwicklungsserie "Lahnstein 2030: Heute für morgen planen" können wir selbstbewusst festhalten: Lahnstein hat schon heute ein großes Kulturangebot, das Vergleiche mit anderen Kommunen dieser Größe nicht scheuen muss, und auch nur wenige Wünsche offen lassen dürfte.

Die Stadt, wenngleich hoch verschuldet, unterstützt die Kultur auf den verschiedensten Ebenen. Zum einen durch Zuschüsse (die sich allerdings eher auf einem niedrigem Niveau bewegen), aber auch durch Nachlässe sowie materielle- und personelle Hilfe bei Veranstaltungen. Kein Wunder, dass Winfried Ries, der Büroleiter der Verwaltung, ein Stück weit stolz auf das Angebot am Rhein-Lahn-Eck ist. "Die Stadt Lahnstein ist weit über die Region hinaus für ihr großes kulturelles Angebot bekannt", kann auch Ries im Gespräch mit unserer Zeitung nur bestätigen. Der Theaterbetrieb, Lahneck Live, Burgspiele oder Bluesfestival hätten vor drei Jahren dazu geführt, dass man den Zuschlag für die Durchführung der Eröffnungsveranstaltung für den Kultursommer Rheinland-Pfalz erhalten habe, erklärt Ries. "In dem Jahr waren wir die Kulturhauptstadt von Rheinland-Pfalz."

Dieses hohe Ansehen trage als "weicher" Standortfaktor dazu bei, dass sich die Menschen in Lahnstein wohlfühlen und gern hier leben. "Außerdem sorgt ein attraktives kulturelles Angebot auch für überregionale Aufmerksamkeit und für Umsätze in der Hotellerie und Gastronomie sowie entsprechende Rückfluss-Effekte", zeigt sich Ries überzeugt – ein Ansatz, den Lahnsteiner Hoteliers durchaus selbst häufig ins Feld führen.

Robert Hamm: „Mit dem kulturellen Angebot in Lahnstein bin ich zufrieden, da gibt es nichts auszusetzen. Vielleicht ein bisschen mehr Livemusik wäre schön.“

Die Frage, wie viel Geld die Stadt jährlich für die Kultur in Lahnstein aufwendet, ist gar nicht mal so einfach zu beantworten, fährt der Büroleiter fort. "Wenn man ermitteln will, welchen Betrag wir jährlich für die kulturellen Leistungen ausgeben, muss zunächst definiert werden, was der Betrachter unter Kultur versteht", so Ries. "Auch Angebote wie die Stadtbücherei, das Heimatmuseum im Hexenturm, das Stadtarchiv oder Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit dem Karneval sind im weitesten Sinne unter den Begriff Kultur zu fassen." Gleiches gelte für finanzielle Leistungen an die kulturtreibenden Vereine in der Stadt.

Blickt man in den aktuellen Haushalt der Stadt, gehören die Produkte "nicht-wissenschaftliche Museen, Sammlungen, Theater, Musikpflege, Bücherei sowie Heimat- und Kulturpflege" zum Bereich Kultur. Hierfür werden in diesem Jahr laut Plan insgesamt 626 869 Euro aufgebracht. "Allerdings gilt zu beachten, dass in diesen Beträgen auch Personal- sowie Unterhaltungs- und Bewirtschaftungskosten für die Gebäude enthalten sind, in denen die jeweiligen Einrichtungen untergebracht sind", sagt Ries. Nicht enthalten in dieser Auflistung sind Vergünstigungen für ortsansässige Vereine, die in der Stadthalle kulturelle Veranstaltungen durchführen und hierfür Mietnachlässe in Anspruch nehmen. Zum Beispiel die Karnevalisten oder Chöre.

Abschließend verweist Ries auf eine Aussage des ehemaligen Kulturstaatssekretärs Walter Schumacher, der beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt und des Kur- und Verkehrsvereins Lahnstein am 6. Januar 2013 darauf hingewiesen habe, nicht zuerst zu fragen, was Kultur kostet, sondern was Kultur bewirkt, im täglichen Leben, im Umgang miteinander. Die Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" habe 2007 wie folgt formuliert: "Kultur ist kein Ornament, sie ist das Fundament, auf dem unsere Gesellschaft ruht und auf das sie baut. Es ist Aufgabe der Politik, dieses zu sichern und zu stärken."

Ein deutliches Plädoyer des Büroleiters für die Erhaltung des breiten Kulturprogramms in Lahnstein. Auch in Zeiten immer knapper werdender Mittel, Rekordschulden und eines immer größer werdenden Aufgabenpakets für die Kommunen.

Lahnstein 2030: Tourismus
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