Archivierter Artikel vom 28.04.2014, 17:01 Uhr

San Joaquin: HELFT UNS LEBEN baut auf den Philippinen eine Schule wieder auf

San Joaquin/Philippinen – San Joaquin ist ein kleiner Ort. Es ist nicht lange her, da wohnten hier etwas mehr als 2500 Menschen. Und unter ihnen waren – auf den mit Kinderreichtum gesegneten Philippinen nicht unüblich – knapp 500 zwischen sechs und zwölf Jahre alt, die die örtliche Central School besuchten.

Trauer und Leid in San Joaquin: Der Sturm im November des vergangenen Jahres hat die Stadt zerstört. Nun helfen Leser unserer Zeitung mit ihren Spenden beim Wiederaufbau.
Trauer und Leid in San Joaquin: Der Sturm im November des vergangenen Jahres hat die Stadt zerstört. Nun helfen Leser unserer Zeitung mit ihren Spenden beim Wiederaufbau.

Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

Dann kam der 7. November 2013: Mit einer Geschwindigkeit von rund 300 Kilometern pro Stunde drosch Taifun „Haiyan“ über die Insel Leyte und zog eine Schneise der Verwüstung. Und in dieser lag nicht nur Tacloban, das in den Nachrichten so oft als Zentrum der Katastrophe zu sehen war, sondern auch San Joaquin. In dem nur etwas mehr als zehn Kilometer südlich gelegenen Dorf starben fast 15 Prozent der Bevölkerung: 370 Menschen.

Im Hintergrund ist die zerstörte Schule zu sehen.
Im Hintergrund ist die zerstörte Schule zu sehen.

Als wäre das nicht schlimm genug, zerstörte der Sturm die örtliche Infrastruktur fast vollständig. Ein Beispiel ist die San Joaquin Central School. Taifun „Haiyan“ zerlegte drei der sechs Schulgebäude komplett und machte zwei weitere unbenutzbar. Lediglich das Lehrergebäude behielt sein Dach und kann heute – auch wenn Zwischendecken, Innenwände, Fenster und Türen zerstört sind – als Klassenraum genutzt werden.

Ansonsten werden die 429 (von ehemals 496) Kinder in Notbehelfen unterrichtet. Eine buddhistische Hilfsorganisation aus Taiwan stellte Zelte zur Verfügung, die örtliche Regionalverwaltung ließ Hütten aus Sperrholz zimmern und mit Segeltuchdächern decken: Provisorien, mit denen Schulleiter Liberato G. Cobacha klarkommt, aber nicht auf Dauer leben will. Er und seine Lehrerkollegen wollen den Kindern vernünftige Bedingungen bieten. Denn er hat festgestellt, dass sie trotz der großen anderen Probleme unbedingt weiter zur Schule gehen wollen: „Sie sind sehr lernbegierig“, versichert er.

Kinder in der Schule.
Kinder in der Schule.

Darauf zu warten, bis die eigene Regierung genug Mittel für den Wiederaufbau bereitstellen kann, würde aber dauern. Das Ausmaß der Zerstörung ist so groß, dass trotz der durchaus stark vorhandenen Spendenbereitschaft der Philippiner von den nicht betroffenen Inseln für lange Zeit nichts in Sicht wäre. Und so sah sich der Schulleiter nach Sponsoren um und fand sie in aller Welt – vor allem im Rheinland.

HELFT UNS LEBEN, die Leserinitiative unserer Zeitung, wird zusammen mit dem Verein Helping Hands aus Neuhäusel (Westerwaldkreis) das Herzstück der Schule wieder aufbauen. Für veranschlagte 53.000 Euro soll ein zweistöckiges Gebäude entstehen, das vier Klassenräume, eine Bibliothek, einen Computerraum sowie Toiletten enthält und zusätzlich in einem neuerlichen Katastrophenfall als Evakuierungszentrum dienen kann.

Hilfe für Hilfsbedürftige

„Die Leute sind sich sicher, dass mit einem solchen Raum viele Opfer hätten verhindert werden können“, fasst die Helping-Hands-Vorsitzende Manuela Ufer ihre Gespräche vor Ort zusammen. Die gebürtige Philippinerin, die selbst von der Insel Leyte stammt, hatte mit ihren Vereinskollegen sofort nach der Katastrophe Hilfsaktionen ins Leben gerufen und war wenig später auf eigene Kosten in die alte Heimat geflogen: Dort verteilte sie per Schiff auf den Weg gebrachte Lebensmittel- und Kleiderspenden und sah sich gleichzeitig im Katastrophengebiet nach sinnvollen Projekten um, die möglicherweise mit finanzieller Unterstützung durch HELFT UNS LEBEN realisiert werden könnten.

Denn die Leser unserer Zeitung hatten sich nach dem verheerenden Taifun äußerst großzügig gezeigt und mehr als 300.000 Euro gespendet. Viel Geld, das die Spendeninitiative verantwortungsvoll in langfristig wirkende Projekte für Kinder investieren will. Da solche angesichts der nach wie vor chaotischen Situation auf der Insel nicht einfach zu finden sind, kam die Zusammenarbeit mit dem deutsch-philippinischen Hilfsverein aus dem Westerwald gerade richtig. Vor allem die Vorsitzende Ufer überzeugte HELFT UNS LEBEN, da sie mit viel Energie und genauso viel Verantwortungsgefühl auf die Suche ging, sich mehrere Projekte ansah und schließlich überzeugt war, mit Schulleiter Cobacha einen vertrauenswürdigen Partner gefunden zu haben, der ihr auch eine konkrete Kostenaufstellung vorlegte.

Ufer wird den von HELFT UNS LEBEN finanzierten Wiederaufbau des Schulgebäudes auch koordinieren, regelmäßig kontrollieren und Bindeglied zwischen Koblenz und San Joaquin sein. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen.

Mehr Informationen zum deutsch-philippinischen Hilfsverein aus dem Westerwald unter www.helpinghandsev.com