Archivierter Artikel vom 19.11.2012, 13:44 Uhr
Koblenz

Mit Freunden aus Rotterdam: Heeresmusikkorps und Marinekapelle spielen für HELFT UNS LEBEN

Wenn Deutsche und Niederländer im Fußball gegeneinander antreten, ist meistens Rivalität mit im Spiel. Bei den Musikern der Königlichen Marinekapelle Rotterdam und dem Heeresmusikkorps 300, die in der Rhein-Mosel-Halle zugunsten der RZ-Aktion HELFT UNS LEBEN spielten, ist das anders.

Heeresmusikkorps
Foto: Winfried Scholz

Wenn Deutsche und Niederländer im Fußball gegeneinander antreten, ist meistens Rivalität mit im Spiel. Bei den Musikern der Königlichen Marinekapelle Rotterdam und dem Heeresmusikkorps 300, die in der Rhein-Mosel-Halle zugunsten der RZ-Aktion HELFT UNS LEBEN spielten, ist das anders. „Wir sind seit langem sehr gute Kameraden und haben schon zahlreiche gemeinsame Konzerte hinter uns,“ betonte Oberstleutnant Robert Kuckertz, der die „300er“ dirigiert. Zum Schluss umarmten sich die Musiker freundschaftlich.

Heeresmusikkorps
Foto: Winfried scholz

Das zur gleichen Zeit in Amsterdam stattfindende Länderspiel endete mit einem müden 0:0. Beim RZ-Konzert gab es hingegen nur Gewinner: Zunächst die knapp 1400 Zuhörer, denen ein vorzügliches Musikerlebnis geboten wurde, die Musiker, die verdientermaßen eine Menge Applaus bekamen, und vor allem in Not geratene Kinder. „In den 33 Jahren, seitdem es HELFT UNS LEBEN gibt, wurden über 25 Millionen Euro gespendet,“ erklärte Peter Burger, Mitglied der RZ-Chefredaktion. Bei Konzerten mit dem Heeresmusikkorps kamen mehr als 50 000 Euro zusammen. Der Vorsitzende des Vereins HELFT UNS LEBEN Prof. Dr. Thomas Eisenhauer hob hervor, dass jeder Cent bei den Bedürftigen ankommt. Ein Teil des Erlöses ist für „Nachbarn in Not“ bestimmt. Es sei bedrückend, so Prof. Eisenhauer, wenn Eltern nicht in der Lage seien, ihren Kindern neue Winterkleidung oder ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Weiterhin soll eine Krankenstation mit Kinderheim in Tansania unterstützt werden.

Musikalisch gab es eine Rollenverteilung. Die dunkelblau mit roten Hosenstreifen uniformierten Holländer spielten unter der Leitung von Major Harmen Cnossen Stücke der Romantik, darunter die L’Arlésienne-Suite von Georges Bizet. In dem für sinfonisches Blasorchester arrangierten „Bolero“ von Maurice Ravel gelang es den Musikern vorzüglich, die Intention des Komponisten umzusetzen. Durch Wiederholung des Themas mit verschiedenen Instrumenten erzeugten sie eine anwachsende Spannung, die sich in einem ekstatischem Crescendo entlud.

Mit vorzüglich interpretierten modernen Stücken bewies das Heeresmusikkorps seine künstlerische Vielfalt, etwa mit „Transcendant journey“ des Filmmusik-Komponisten Rossana Galante. Spontanen Beifall gab es für „Babsi’s Freilach“ von Helmut Eisel, dem ein jüdisches Volkslied zugrunde liegt, oder den mit großer Spielfreude dargebotenen Swing-Titel „Splanki“ von Neal Hefti. Hierbei brillierten verschiedene Musiker als Solisten. Dass Heeresmusiker auch gut singen können, bewies ein A-cappella-Nonett mit „Männer“ von Herbert Grönemeyer. Robert Kuckertz verhehlte als unterhaltsamer Moderator nicht seine Herkunft: „Kölsch ist der einzige Dialekt, den man auch trinken kann.“

Der Koblenzer Region wurde musikalisch Ehre zuteil mit dem blumig-lieblichen „Mosel-Marsch“ und dem Klassiker „Am wunderschönen Rhein“. Letzteren Titel intonierten beide Orchester gemeinsam, ebenso wie das berühmte „When the saints“. Zugaben waren der Helenenmarsch und „Tulpen aus Amsterdam“, zunächst im Walzertakt, danach im Swing-Rhythmus. Damit konnten sich die Besucher schon einmal auf den nächsten Frühling freuen, bevor sie in der nebligen Novembernacht den Heimweg antraten.

(Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz)