Westerwald

Unionspolitiker reagieren auf FDP-Papier: Jenny Groß und Janick Pape sind gegen Schließung kleiner Kliniken

In einem Bericht unserer Zeitung hatten sich die FDP und ihr Landtagskandidat Dr. Jens Schwietring (Wahlkreis 8 Koblenz/Lahnstein) dafür ausgesprochen, dass es künftig nur noch zwei Krankenhäuser im Westerwald geben sollte. Darauf reagieren nun die beiden Westerwälder CDU-Landtagskandidaten MdL Jenny Groß und Janick Pape mit deutlichem Widerspruch.

Lesezeit: 3 Minuten

Altenkirchen ist eine von noch acht Kliniken im Westerwald. Foto: Lindlein
Altenkirchen ist eine von noch acht Kliniken im Westerwald.
Foto: Lindlein
„Wir sind fassungslos über die Äußerungen, dass es, wenn es als Fazit der Covid-Pandemie nach dem Willen und der festen Überzeugung der FDP und ihrem Kandidaten Dr. Jens Schwietring geht, künftig im Westerwald nur noch zwei Krankenhäuser geben soll, Montabaur und das noch nicht gebaute Krankenhaus in Müschenbach“, so die Landtagsabgeordnete Jenny Groß und Landtagskandidat Janick Pape.

In einer Situation, in der das deutsche Krankenhauswesen weltweit für seine herausragende Leistungsfähigkeit und flächendeckende Versorgungssicherheit anerkannt werde, seien solche aktuellen Äußerungen wie von Prof. Dr. Helmut Wieler und Schwietring geradezu grob fahrlässig, so die CDU-Politiker.

Papier sorgt für Erstaunen

Mit dem FDP-Strategiepapier „Qualität und Professionalität statt nur um die Ecke“ hätten drei Ärzte für Erstaunen in der politischen wie medizinischen Landschaft des Westerwaldes gesorgt, schreiben Groß und Pape. „Mit ihrer Forderung, künftig nur noch zwei Krankenhäuser im Westerwald mit unwesentlich mehr Betten zu betreiben, ziehen sie sich berechtigt den Unmut sämtlicher über 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der nach Ansicht ,nicht wichtigen Standorte' auf sich. Sie müssen sich aufgrund dieser Idee für die Krankenhauslandschaft begründet Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen – und das in einer Zeit, in der wir alle mehr als dankbar sein müssen, dass wir Personal haben und dieses seit Monaten am Limit arbeitet, um die Pandemie zu bewältigen. Familien werden ohne Not ins Überlegen gebracht, ob die Gesundheitsversorgung in unserem Westerwald für ihr familiäres Umfeld und ihr Alter noch existent ist“, so die CDU-Kandidaten.

Zudem, und das sei genauso prekär, diskreditierten die „visionären Ärzte“ und FDP-Politiker in der Region damit eine wohnortnahe ambulante wie stationäre und qualitativ hochwertige Versorgung. „Dagegen wehren wir uns und stehen auf der Seite aller unserer Krankenhausstandorte im Westerwald und den umliegenden Kreisen“, machen Groß und Pape deutlich. In Italien habe es zu wenig Kapazitäten gegeben. Deswegen seien dort aufgrund der Pandemie mehr Menschen gestorben. Dies sei im deutschen Gesundheitssystem zum Glück anders.

Daher sind für die Landtagsabgeordnete Groß und Landtagskandidat Pape die Äußerungen geradezu irreführend und falsch, die Corona-Pandemie als Grund zur Schließung kleiner Häuser zu nennen. Es sei nachvollziehbar andersherum. „Die Krankenhäuser haben selbstverständlich während der ersten und zweiten Welle der Pandemie Covid-19-Patienten behandelt, Eingriffe verschoben und mit strukturierten Plänen die Pandemie in den Klinikalltag integriert. Natürlich haben die Krankenhäuser auch Notfälle und Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheiten versorgt. Alle Standorte haben bis heute dazu beigetragen, dass wir der gravierenden gesundheitlichen Lage professionell begegnen. Ihnen allen in einer solchen Ausnahmesituation eine solche Meldung zu geben, ist ein fatales und völlig verfehltes Signal“, sagen die Christdemokraten Jenny Groß und Janick Pape.

Wer glaube, dass die Patienten im Westerwaldkreis nach Müschenbach oder nach Montabaur fahren würden, wenn es die jetzt etablierten Standorte nicht mehr gebe, der irre. Oftmals sei es ein wesentlicher Bestandteil des Heilungserfolges, die Besuchsmöglichkeiten von Verwandten sowie die heimelige Atmosphäre eines kleinen Krankenhauses mit persönlichen Kontakten zu den Ärzten und sämtlichem Pflegepersonal vorzufinden.

„Geht nicht um ein Kräftemessen“

„Unser erklärtes Ziel ist es, dass wir alle Krankenhausstandorte halten, diese sind notwendig, um die Versorgung in der Fläche zu halten. Wir sehen zum Beispiel am Standort Dierdorf/Selters, dass die Aufteilung der Disziplinen bestens funktioniert und das Haus wirtschaftlich gut dasteht. Auch die Krankenhäuser in Montabaur und Dernbach haben eine sehr positive Entwicklung genommen und sind für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Diese müssen wir politisch weiter stärken und ihnen ausreichend liquide Landesmittel zur Verfügung stellen, damit endlich der jahrzehntelange Investitionsstau in den Krankenhäusern beseitigt wird“, machen die beiden Christdemokraten ihre Position unmissverständlich klar.

Es gehe nicht um ein Kräftemessen, wie es in dem Artikel dargestellt werde, sondern es sei das Sicherstellen von medizinisch notwendigen Anlaufstellen für Patienten. „Alle Akteure im Gesundheitswesen haben ein gemeinsames Interesse, die Pandemie zu bewältigen, und dabei steht die Patientenversorgung im Vordergrund“, so Jenny Groß MdL. Zum Abschluss erklären die beiden Politiker der CDU in Anlehnung an den Titel von Wieler, Schwietring und deren Kollegen: „Das Papier muss heißen: Qualität und Professionalität – und das sogar um die Ecke! Wir sind für eine flächendeckende medizinische Grundversorgung auf dem Land und setzen uns mit aller Kraft für diese ein!“