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    Wo silberne Perlen zwischen Bergen schillern

    Herrliche Aussichten für Wanderer gibt es im Lake District zuhauf. Rings um die Seen erheben sich die Berge bis auf alpine Höhen. Im Norden zeigt sich England von seiner schönsten Seite.

    Herrliche Aussichten für Wanderer gibt es im Lake District zuhauf. Rings um die Seen erheben sich die Berge bis auf alpine Höhen. Im Norden zeigt sich England von seiner schönsten Seite.
    Herrliche Aussichten für Wanderer gibt es im Lake District zuhauf. Rings um die Seen erheben sich die Berge bis auf alpine Höhen. Im Norden zeigt sich England von seiner schönsten Seite.
    Foto: Ralf Grün

    Von unserem Redakteur Ralf Grün

    Claire Spedding lächelt. Sie hat Besuch. Der steht auf dem Hof ihres Anwesens, dessen Ausmaße und überaus idyllische Lage am Bassenthwaite Lake mitten im nordwestenglischen Nationalpark Lake District der morgendliche Nebel noch geheim hält. Die wachen Augen der blaublütigen Gastgeberin hinter den goldgefassten Brillengläsern wandern von einem Mitglied der Besuchergruppe zum nächsten. Allesamt bedenkt sie mit einer Portion höflichen Wohlwollens. Als Gast fühlt man sich auf den ersten Blick bei ihr an eine sympathische Mischung aus Professor Minerva McGonagall und Maggie Thatcher erinnert. Mit einer einladenden, aber vornehm zurückhaltenden Geste des Willkommens bittet sie den Besuch hinein ins Mirehouse. Letzteres ist ein Paradebeispiel für ein englisches Herrenhaus. Dem Namen nach haben es die Altvorderen der angesehenen Familien auf morastigem Untergrund errichtet.

    Da es dem Landadel heute mitunter nicht viel anders als anderen englischen Familien ergeht, verdient er sich in der Touristensaison Geld dazu. Wie? Ganz einfach, Familien wie die Speddings öffnen ihre Häuser in der Saison für Touristen. Dabei erfährt der interessierte Gast eine Menge Geschichtsträchtiges und bekommt so manches kulturhistorische Kleinod zu sehen.

    Das Mirehouse steht auch in dieser Beziehung anderen Häusern in nichts nach: Herrenzimmer, Bibliothek ("Wow!"), Esszimmer, der frühere Trakt für die Bediensteten mit mehr als 20 Klingeln unter der Decke, die die zahlreichen Angestellten am Klang auseinanderhalten konnten und somit wussten, wer gerade gefragt war, und natürlich das mondäne "Wohnzimmer" mit Flügel, Goldlüster und Flachbild-TV im XXL-Format - ja, auch der Landadel im Norden des Landes geht mit der Zeit. Claire Spedding führt die Gäste geduldig durch die altehrwürdigen Räume, erzählt bereitwillig die eine oder andere Anekdote, beschreibt familiäre Verknüpfungen bis hin zum englischen Königshaus und lächelt auch dann noch, als Fragen der neugierigen Deutschen auf sie einprasseln.

    Herrenhäuser finden sich selbstredend in ganz England verstreut. Doch so lieblich in atemberaubend schöne Natur eingebettet wohl nur im Lake District, mitten in Cumbria zwischen Atlantikküste und schottischer Grenze. Kulturlandschaften wie Kulissen für englische Literaturverfilmungen à la Jane Eyre finden sich zuhauf. Da stehen mächtige Eichen auf saftigen Wiesen mit grasenden Schafen, andere prächtige Gehölze säumen Seen, die in der Sonne wie Perlen zwischen Bergen liegen, die man lieber jetzt als gleich erklimmen möchte, um die Szenerie aus der Vogelperspektive überblicken zu können. Dazwischen tauchen immer wieder Herrenhäuser auf, die nicht mit Protz die Blicke auf sich ziehen, sondern mit stilvollem Understatement. Geschmackvolle Gärten, ja Parks säumen die historischen Gebäude, in denen sich oftmals botanische Kostbarkeiten zu voller Pracht entfalten dürfen. Wer sich vornehmlich als Wanderer in diesem Umfeld bewegt, der geht nicht, der wandelt, staunt und genießt. Ganz scheint es so, als sei die Landschaft von einem Mozart mit grünem Daumen bis ins kleinste Detail durchkomponiert.

    Einen solchen Park samt träumerisch-romantischem Wandelgang, der einst Künstler wie Motten das Licht anzog, lässt auch Claire Spedding von ihrem Gärtner in Ordnung halten. Sie führt ihren Besuch hinaus in die Sonne, die den Nebel wie durch Zauberhand aufgeleckt zu haben scheint. Nun wird die ganze Pracht der Natur deutlich: Auf den Weiden nahe am Haus pulsiert das Leben. Hundertfach ertönt wie auf Bestellung ein in Wolle verpacktes "Määh". Ein geschwungener Weg windet sich leicht bergab zum silbrig glänzenden See. Ringsherum erheben sich Bergriesen mit baumlosen Kuppen, die - von großen Meistern gemalt - nicht schöner sein könnten. Die Besucher von Mirehouse staunen, die Augen von Claire Spedding ruhen unverändert wohlwollend auf ihnen, begleitet von einem wissenden Lächeln.

    Claire Spedding führt Besucher durch das Mirehouse. Die staunen nicht nur im Salon der adeligen Familie.
    Claire Spedding führt Besucher durch das Mirehouse. Die staunen nicht nur im Salon der adeligen Familie.
    Foto: Ralf Grün

    Müßig zu erwähnen, dass vor allem Wanderurlauber voll auf ihre Kosten kommen. Vom alpinen Gelände bis zur Seenumrundung beinahe auf Meeresniveau bietet der Nationalpark Abwechslung pur. Streckenlängen von 1,5 bis weit über 20 Kilometer stehen zur Wahl, und genauso vielfältig sind die Möglichkeiten für eine stilvoll englische Einkehr.

    Dass die Region mit den zentralen Ortschaften Coniston, Keswick und Windermere sich so als wahrlich beeindruckende Kulturlandschaft und Erholungsgebiet für Briten und zahlreiche Ausländer präsentieren darf, ist nur dem Engagement einzelner Aktivisten zu verdanken. Eine dieser Persönlichkeiten ist Beatrix Potter (1866-1934). Sie hat etwa mit Landkäufen verhindert, dass sich Industrielle mit ehrgeizigen Plänen zuungunsten der traumhaft schönen Natur diese unter den Nagel reißen konnten. Potter ist auch als Kinderbuchautorin in die englische Geschichte eingegangen. In ihrem Anwesen Hill Top vorbeizuschauen, läst nachempfinden, was so viele Künstlerseelen "in den Lakes" suchten und immer noch suchen: Inspiration in Natur pur, fernab allzu sehr touristisch und industriell erschlossener Gebiete.

    Wer gern auf den Spuren englischer Literaten wandelt, sollte sich unbedingt ein wenig Zeit nehmen und Dove Cottage, dem Haus von William Wordsworth in Grasmere einen Besuch abstatten. Nicht nur die Briten sehen in ihm einen der "weltbesten Poeten". Sein Haus ist inzwischen das Prunkstück eines gut besuchten Museums. Eine kleine Zeitreise in das oft beschwerliche Leben von damals lässt auch mal einen gelegentlichen Regenschauer im Norden Englands vergessen.

    Der National Trust, eine staatliche Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Kulturgüter in England weitgehend ursprünglich zu erhalten, sie aber gleichzeitig interessierten Besuchern zugängig zu machen, ist nicht nur im Lake District allgegenwärtig. In einigen Herrenhäusern laufen Hotelbetriebe, die Gruppen oder Einzelreisenden als Geschichte atmende Urlaubsdomizile dienen.

    Während Claire Spedding auch nach zwei Stunden Führung ihr Lächeln nicht verloren hat, zieht es die Besucher weiter in Richtung Yorkshire Dales. Die landschaftlich weniger liebliche, für Wanderer dennoch reizvolle Berglandschaft weiter östlich ist nur eine Autostunde entfernt. Mittelalterlich anmutende Dörfer, Wälder und Flüsschen prägen die Gegend, die sich auch mit ihren zahlreichen Minibrauereien einen Namen gemacht hat. Ein klein wenig nördlich lässt sich sogar noch ohne viel Aufwand auf römischen Spuren wandeln. Der legendäre Hadrian's Wall, der einst die zivilisierte Welt vor den "wilden Schotten" schützte, lässt grüßen ...

    Wissenswertes für Reisende

    Anreise: Lufthansa fliegt nonstop von Frankfurt nach Manchester, von Düsseldorf fliegen Eurowings und Flybe nonstop.

    Zielgruppe: Ein Aktivurlaub mit Wandern, Strand & Co. im Norden Englands bietet Jung und Alt genügend Kurzweil. So gesehen ist eine klassische Zielgruppe nur schwer auszumachen.
    
Beste Reisezeit: Klassische Reisezeit für Nordengland ist von Frühjahr bis Herbst.

    Unsere fünf Ausflugstipps:

    • Monk Coniston Farm (exotische Baumpflanzungen)
    • Grasmer, Dove Cottage, legendäres Gingerbread
    • Sedbergh (Yorkshire Dales) mit vielen Antiquariaten
    • Römerkastell Vindolanda
    • Hadrian's Wall

    Unser Autor ist gereist mit Lufthansa und hat meist in ehemaligen, zu Hotels umgebauten Herrenhäusern übernachtet.
    Organisator der Reise war das Unternehmen Boundless Reisen, das in Nordengland vornehmlich Rundreisen für Gruppen anbietet.

    Diese Reise wurde unterstützt von Visit Britain.

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