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    Urlaub machen, wo der Pfeffer wächst

    Sri Lanka, die Insel bei Indien, ist für ihre Gewürze berühmt. Dazu gibt's Traumstrände und jede Menge Exotik sowie koloniales Flair in Galle.

    Eisenbahnromantik pur: Jede Fahrt mit den altertümlichen Zügen wird in Sri Lanka zum Erlebnis. Schöner kann man die üppig-tropische Landschaft kaum genießen.
    Eisenbahnromantik pur: Jede Fahrt mit den altertümlichen Zügen wird in Sri Lanka zum Erlebnis. Schöner kann man die üppig-tropische Landschaft kaum genießen.

    Von unserem Redakteur Dirk Eberz

    Träge ruht die Boa auf den schmalen Schultern des Schlangenbeschwörers. Und auch die Kobra will sich nicht so recht von den hypnotischen Tönen der Flöte aus ihrem Versteck locken lassen. Erst als der hagere Mann gegen den Korb tritt, hebt sie ihren markanten, flachen Kopf und schraubt sich nach oben, um sich scheinbar im Rhythmus der Melodie zu wiegen. Dabei erträgt sie die Musik nur, weil sie so gut wie taub ist.

    Unterdessen schenkt der Schlangenbeschwörer den Touristen in Galle, an der Südspitze von Sri Lanka, ein weitgehend zahnloses Lächeln. Winkt sie herbei. "Foto mit Boa?" Nun ja, für einen Schnappschuss. Das Tier ist immerhin nicht glitschig, dafür erstaunlich schwer. Jetzt kommt Leben in das Reptil. Immer wieder züngelt es neugierig vor meinem Kopf herum. Ihr Besitzer macht eine Geste, die wohl so viel bedeuten soll wie: Die beißt nicht! Klar, Boas erwürgen ihre Opfer. Ein schwacher Trost. Und die Muskeln ihres oberschenkeldicken Körpers lassen erahnen, wie viel Kraft in ihr steckt. Aber heute scheint sie satt zu sein.

    Oder sie ist noch traumatisiert von der Nacht, in der die Menschen von einem gewaltigen Donnerschlag aus dem Schlaf gerissen werden. Ein greller Blitz teilt den ansonsten pechschwarzen Himmel in zwei Hälften, bevor er ins brodelnde Meer eintaucht. Immer wieder leuchten gespenstisch Palmen auf, die sich im Wind biegen. Dann schüttet es wie aus Eimern. Weltuntergang mit Logenplatz. Die Vorboten des Monsuns.

    Jetzt dampft in Galle die Erde unter der tropischen Sonne, als wolle sie den Rausch der Nacht ausschwitzen. Die Wellen werfen sich an die Festungsmauern, die wie eine Faust aus dem Meer ragen. Für ein paar Rupien stürzen sich Jungs über die Brüstung ins Wasser. Einst kontrollierten Portugiesen, Niederländer und Briten nacheinander von hier den lukrativen Gewürzhandel der Insel. Dutzende Kanonen wachten damals über die Bucht. Im tropisch-schwülen Klima Sri Lankas hat das am besten erhaltene Kolonialensemble des Landes zwar reichlich Patina angesetzt. Die engen Gassen der quirligen Hafenstadt mit der niederländischen und der anglikanischen Kirche lohnen aber auf jeden Fall einen Besuch. Die gut 250 Jahre alten Mauern hielten 2004 sogar dem Tsunami stand, der ganze Straßenzüge mit sich gerissen hat. Hunderte sind allein in Galle gestorben.

    Der Bahnhof ist längst wieder aufgebaut. Nur wenige Euro kostet die Fahrt zweiter Klasse in die Hauptstadt Colombo. An den Gleisen herrscht Gedränge. Der Zug ist überraschend pünktlich. Schon beginnt der Wettlauf um die Sitzplätze. Leider verloren. Es bleibt nur ein Stehplatz zwischen den Türen. Die bleiben auch offen, als der uralte Zug aus dem Bahnhof schnauft und schwarze Rauchwolken in den blauen Himmel bläst. Nostalgie pur. Vor der herannahenden Lok trabt ein Mann mit seiner Kuh gelassen über die Gleise. Beide dürfen nicht mit Rücksicht rechnen. Aber das wissen sie schon.

    In den Waggons schnattern Schulkinder in ihren weißen Uniformen durcheinander. Familien packen ihr Mittagsessen aus, das einen würzigen Currygeruch verströmt. Von den Wänden blättert die blaue Farbe, beleuchtet vom flackernden Licht der Glühbirnen. An der Decke führen die Ventilatoren einen aussichtslosen Kampf gegen die stickige Luft. Nur die offenen Türen sorgen für eine frische Brise. Die alte Frau auf der Abdeckung über der Kupplung wirft es alle paar Sekunden ein paar Zentimeter in die Luft. Der Rest wird kräftig durchgeschüttelt – von wegen Neigetechnik.

    Draußen vor der Tür hängt eine Traube von Kindern, die sich nur an einem Griff festhalten. "Das machen hier alle", sagt Dinesh, der als Reiseführer für die Avani-Hotels in Bentota und Kalutara arbeitet. Was sieht wohl der Bußgeld-Katalog der Deutschen Bahn dafür vor? Egal. Denn es lohnt sich durchaus, den Kopf nach draußen in den Wind zu stecken und die faszinierende Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen. Palmenhaine mit einsamen, weißen Stränden zur Linken, Reisfelder mit Wasserbüffeln zur Rechten. Dazwischen wechseln sich Zimt-, Pfeffer- und Teeplantagen ab. "Wir sind in Sri Lanka gesegnet", sagt Dinesh. "Hier wächst einfach alles." Bis es 2004 zur Katastrophe kommt. "Da wurde dieser Zug hier von einer Tsunamiwelle aus den Gleisen gehoben und ins Meer gespült.

    Auch Manoj Perera kann sich noch gut an diesen verhängnisvollen 26. Dezember erinnern. "Das Hotel war komplett überflutet", sagt der Manager des neu aufgebauten Avani-Hotels in Bentota – südlich von Colombo. Schwer vorstellbar, wenn man den paradiesischen Bilderbuchstrand vor Augen hat. "Als sich das Meer zurückzog, haben wir sofort evakuiert." 20 Minuten bleiben damals. Genug Zeit, um alle Hotelgäste zu retten. Jetzt gibt es ein Frühwarnsystem und ausgefeilte Rettungspläne. "Deshalb wissen wir fünf Stunden vorher, wenn es einen Tsunami gibt."

    Einige Kilometer südlich in Kosgada findet ein anderer Wettlauf gegen den Tod statt. Immer dann, wenn Chandrasiri Abrew seine kleinen Schützlinge in die Freiheit entlässt. Ein Seeadler bringt sich schon in Position, als die winzigen Schildkröten aufs Meer zu krabbeln. Dort warten die nächsten Fressfeinde. "Nur eine von 1000 wird es bis zur Geschlechtsreife schaffen", sagt Abrew. Ganz schlechte Karten hat ein Tier, das orientierungslos in die falsche Richtung kriecht. Auf dem Weg sind es 200 Kilometer bis ins Meer.

    Kaum sind die Kleinen abgetaucht, schlüpfen auf Abrews Schildkrötenfarm schon die nächsten. Zunächst ist es nur ein kleines Loch. Danach wuseln erst Dutzende, dann Hunderte Schildkröten aus den Gelegen. Drei Tage kommen sie in ein Becken, bevor sie entlassen werden. Nur behinderte Tiere dürfen bleiben. "Die haben in der freien Natur keine Chance", sagt Abrew. Rosy etwa. Die Albinoschildkröte war Abrews ganzer Stolz. Bis sie von Schulkindern mit Kaugummi gefüttert wurde – und erstickte. Abrew lässt sich davon nicht entmutigen. "Seit 1978 haben wir 3,5 Millionen Tiere freigelassen", sagt er. Viele davon sind als erwachsene Tiere zurückgekehrt, um Eier zu legen. Der Kreislauf hat sich geschlossen.

    Mehr Infos zu Sri Lanka gibt's unter www.srilanka.travel und www.avanihotels.com

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