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Rund um Albstadt zum Traufgänger werden: Gleich sieben Premiumwege laden zu Rundgängen ein

Markus Müller

Um den Gipfel jagen Nebelschwaden, nur ab und zu hat die fast schon untergehende Sonne die Chance, ein magisch wirkendes Licht auf die Burg Hohenzollern zu werfen. Der Stammsitz des Hochadelgeschlechtes bei Hechingen wirkt, als sei er gerade aus einem Serienteil Harry Potters entsprungen. Sogar ein paar Raben fliegen jetzt um das gar nicht so alte Gemäuer, das erst vor ziemlich genau 150 Jahren fertiggestellt wurde. Wir stehen an der Traufkante der Schwäbischen Alb und haben einen Panoramablick auf den Burgberg gegenüber – wenn es Nebel, Wolken und Nieselregen zulassen.

Direkt von den schroff abfallenden Felsen an der Traufkante der Schwäbischen Alb schweift der Blick am Traufgang „Zollernburg-Panorama“ hinüber zur Burg Hohenzollern.
Direkt von den schroff abfallenden Felsen an der Traufkante der Schwäbischen Alb schweift der Blick am Traufgang „Zollernburg-Panorama“ hinüber zur Burg Hohenzollern.
Foto: Markus Müller
Eigentlich sind wir ja nur die wenigen Hundert Meter vom Berghotel Zollersteighof auf dem Traufgang „Zollernburg-Panorama“ gewandert, um eben noch schnell am Abend vom 913 Meter hohen Zeller Horn aus die wohl beste Postkartenperspektive auf die scheinbar schwebende Stammburg der Hohenzollern zu erhaschen. Wenigstens das mit dem Schweben funktioniert bei dem Nebel.

Hoffentlich wird das Wetter am nächsten Tag besser, denn wir wollen ja auf den Traufgängen wandern. Ach ja, wir wussten es zuvor auch allesamt nicht: Traufgänge sind sieben Premiumwanderwege rund um Albstadt, die alle an die Abbruchkante der Schwäbischen Alb, dem sogenannten Albtrauf, entlangführen und allein deshalb schon aufgrund ihrer Lage neben dem Hohenzollernblick noch jede Menge weitere spektakuläre Aussichten bieten. Aber jetzt wird zum Abschluss des Abends erst mal zünftig schwäbisch geschmaust.

Am nächsten Morgen fast ein kleines Wunder: Die Sonne strahlt, fast kein Wölkchen ist mehr am Himmel. Also auf, die Wanderschuhe geschnürt und zum Traufgänger werden. Vom Zollersteighof geht es schnell in den herrlichen Buchenwald, in dem die Bäume wie Säulen stehen und die Blätter ein grünes Dach bilden. Mittendurch schlängelt sich der Traufgang. Die letzten Nebelreste lichten sich mit jedem Höhenmeter. Schließlich kratzen die Traufberge an der 1000-Meter-Marke und bilden das sprichwörtliche „Penthouse der Schwaben“. Historische Grenzsteine am Wegesrand laden mit ihren Abkürzungen zur Spekulation ein, wem das Land hier ursprünglich gehört hat. Bald öffnet sich der Blick weg von der Traufkante hin zur anderen Seite: Auf grünen Matten grast eine Schafherde, etwas weiter weg ist ein alter Bauernhof und ein moderner Schafstall zu erkennen. Perfekte Markierungen führen uns weiter.

Und schon wechselt die Landschaft grundlegend ihr Aussehen. Wir sind in einem Naturschutzgebiet, das von Wacholderbüschen geprägt wird. „Das ist aber keine pure Natur, sondern eine vom Menschen beziehungsweise vom Vieh geschaffene Kulturlandschaft“, klärt Martin Roscher, Chef des Albstadt-Tourismus, auf. Als wir näher kommen, erkennen wir den Pflegeaufwand: Nur durch gezieltes Abschneiden der mächtigsten Wacholderbüsche wird diese prägende Landschaft erhalten.

Aber jetzt kürzen wir den 16 Kilometer langen und mittelschweren Traufgang „Zollernburg-Panorama“ etwas ab, denn wir wollen an einen weiteren mittelschweren – allerdings steileren, dafür aber nur sieben Kilometer kurzen – Traufgang testen: die „Hossinger Leiter“. Puh, dieser Aufstieg hat es in sich. Die eisernen Stufen der Leiter, die sich an den kalten, weißgrauen Jurafels schmiegen, bringen den Wanderer nicht nur ins Schwitzen, sondern auch zum Staunen. Noch vor 100 Jahren war der Weg über die Leitern der einzige Zugang vom Albdörfchen Hossingen zur Talgemeinde Lautlingen, der kürzeste Weg zu Eisenbahn und Arbeitsplatz.

Die Traufgänge führen die Wanderer durch die Bilderbuchlandschaften der Alb. Dazu zählen natürlich die charakteristischen Wacholderheiden.
Die Traufgänge führen die Wanderer durch die Bilderbuchlandschaften der Alb. Dazu zählen natürlich die charakteristischen Wacholderheiden.
Foto: Markus Müller
Aber es wird noch interessanter: Bald tauchen seitlich des Weges Höhlen im Kalkgestein auf, die zur Erkundung einladen. Dort am Gräbelesberg künden zudem vier Meter hohe und bis zu 100 Meter lange Wehranlagen, die sogenannten Schanzen, von Auseinandersetzungen in früheren Zeiten. An einer Überfülle an seltener Felsflora – wie Orchideen, Küchenschelle, Gelber Enzian oder dem blutroten Storchschnabel – geht es steil hinab zum Ausgangspunkt.

Ach ja, und mit den sieben Sommer-Traufgängen ist noch lange nicht Schluss. Für den Winter warten da noch zwei Premium-Winterwanderwege auf Besucher: „Wintermärchen“ und „Schneewalzer“. Na, diese beiden Strecken von je fünf Kilometern müssen wir im Winter doch mal testen, oder?

Mehr Infos gibt es unter www.albstadt-tourismus.de und unter www.traufgaenge.de

Von unserem Redakteur Markus Müller
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