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    Der Zauber der bleichen Berge

    Das Grödner Tal in Südtirol bietet Radtouren als Alternative zum traditionellen Wintersporturlaub an. Unsere Reporterin hat sich vor Ort umgesehen.

    Ob man mit einem Fatbike die Pisten hinunterdüst oder den Berg wandernd erklimmt: In Südtirol kommt man auch abseits des herkömmlichen Wintersports auf seine Kosten. Foto: Nina Kugler
    Ob man mit einem Fatbike die Pisten hinunterdüst oder den Berg wandernd erklimmt: In Südtirol kommt man auch abseits des herkömmlichen Wintersports auf seine Kosten.
    Foto: Nina Kugler

    Von unserer Reporterin Nina Kugler

    „Das Hinterrad mit der Bremse komplett blockieren, mit der vorderen Bremse die Geschwindigkeit regulieren.“ Diese sehr kurze Einweisung in die hohe Kunst des Fatbikefahrens muss unserer Gruppe genügen, denn schon rast unser Fahrradführer los, die steile Skipiste hinab. Fatbikes sind mountainbikeähnliche Fahrräder mit besonders fetten Rädern, die im Schnee guten Halt finden sollen. Etwas verloren blickt unsere Gruppe unserem Führer hinterher. Keiner von uns ist vorher schon einmal mit einem Fatbike eine Skipiste hinuntergefahren. Ich für meinen Teil stand noch nicht einmal auf Skiern, wie soll ich da ein Fahrrad im Schnee kontrollieren können? Diese und ähnliche Fragen stelle ich mir, während ich die steile Piste hinabblicke. Mein leicht verstörtes Gesicht muss auch unserem Führer aufgefallen sein – er kommt zurückgeradelt. Es folgt eine zweite, jedoch nicht viel ausführlichere Einweisung: Das Fatbike unbedingt gerade halten und ja nicht ins Schleudern geraten, sonst rutscht man auf dem halb gefrorenen Schnee weg. Aha, klingt nicht gerade ungefährlich, denke ich mir. Aber bevor ich erste Zweifel äußern kann, ist der Mann, der sein Fatbike vollkommen unter Kontrolle zu haben scheint, auch schon wieder davongefahren.

    Links und rechts wagen sich meine mutigeren Mitfahrer auf ihre Räder, die Piste hinab. Ich spüre: Will ich nicht einsam und ängstlich am Gipfel zurückbleiben, muss ich ihnen folgen. Vorsichtig lasse ich mein Fatbike anrollen und fahre den ersten steilen Abhang der Skipiste hinab. Krampfhaft blockiere ich mit der Bremse mein Hinterrad, mit der vorderen reguliere ich die Geschwindigkeit – wie es uns gelehrt wurde.

    Gefühlte Geschwindigkeit meiner Fahrt: zehn Kilometer pro Stunde. Trotzdem kommt es mir vor, als ob ich den Berg geradezu hinabfliegen würde. Dass es aber so anstrengend wird, hätte ich nicht erwartet: Meine Hände schmerzen schon nach kurzer Zeit, nicht nur von der alles durchdringenden Eiseskälte, sondern auch von dem anstrengenden, andauernden Bremsen. Hoch konzentriert passe ich auf, dass mein Fatbike nicht ins Schlittern gerät. Doch entgegen all meiner Befürchtungen, nachdem wir die ersten steilen und schweißtreibenden Abhänge hinter uns gelassen haben und in flacheres Gelände kommen, macht das Fatbikefahren sogar Spaß. Das Fahrrad findet in dem rutschigen Schnee tatsächlich guten Halt, und wir kommen alle, zwar durchgefroren, aber dennoch wohlbehalten, im Grödner Tal an.

    Wir haben nun endlich Zeit, die schroffen Berge der Südtiroler Dolomiten in Ruhe zu bewundern. Und das Grödner Tal umgeben besonders viele dieser faszinierend schönen Berge. Seit 2009 gehören die Dolomiten zum Unesco-Weltnaturerbe. Inmitten dieses Gebiets liegt das Grödner Tal, das nur etwa 25 Kilometer lang ist. Es liegt im Schatten des kantigen Bergmassivs der Langkofelgruppe, deren höchste Erhebung der namensgebende Langkofel mit einer Höhe von 3181 Metern ist. Die Einwohner der drei Talortschaften – Sankt Ulrich, Sankt Christina und Wolkenstein – sprechen neben Deutsch und Italienisch auch die taltypische Sprache Ladinisch.

    Nach der ungewöhnlichen Talabfahrt mit Fatbikes ist nun Zeit für ein wenig Wellness, Entspannung und gutes Essen. Die meisten der Vier- und Fünf-Sternehotels im Tal haben mittlerweile eigene Wellness- und Saunabereiche, in denen man sich von den sportlichen Betätigungen erholen kann. So auch das Hotel Interski in Sankt Christina, in dem wir während unserer Reise untergebracht sind. Neben einem Innen- wie einen Außenpool besitzt es auch eine Sauna mit einem großen Panoramafenster mit Blick auf die Langkofelgruppe. Und so kann ich, während ich drinnen in der Sauna schwitze, die Skifahrer bei ihren eisigen Abfahrten auf der gegenüberliegenden Piste genüsslich beobachten.

    Im kleinen Grödner Tal gibt es außerdem zwei Sternerestaurants: das Alpenroyal Gourmet in Wolkenstein sowie die Anna Stuben in Sankt Ulrich. Ein besonderer Höhepunkt in den rustikalen Anna Stuben ist der hauseigene Sommelier Franz Lageder, der 2014 als bester Sommelier Südtirols ausgezeichnet wurde. Mehrere Hundert verschiedene Weine lagern in dem Keller unter dem Haus – Franz Lageder hat sie alle verkostet, aber nicht getrunken. Denn seit 1997 hat er, wie er uns erzählt, keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Nach einer Verkostung spuckt er den Wein wieder aus. „Aber wenn ich jeden Wein trinken würde, den wir hier anbieten, dann wäre ich nicht mehr hier“, erzählt er, während wir aus dem Fenster den Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Berge genießen.

    Die Südtiroler Dolomiten bestehen größtenteils aus magnesiumhaltigem Kalkstein. Dazwischen findet man Lagen aus versteinerten Korallenriffen – denn vor mehreren Millionen Jahren war das Gebiet der heutigen Alpen von einem Urozean überflutet. Als dieser absank, erwuchsen die Dolomiten mit ihren einzigartigen Formen: Weiß, schroff und bizarr – „bleiche Berge“, wie sie genannt wurden, ehe der französische Geologe Déodat de Dolomieu (1750–1801) ihr Namensgeber wurde.

    In den Dolomiten kann man natürlich auch wandern. Oberhalb der Baumgrenze, auf etwa 2150 Metern, scheint die Luft besonders klar und die Sicht außergewöhnlich weit zu sein. Die hellrosa schimmernden Dolomiten auf der gegenüberliegenden Talseite scheinen mir zum Greifen nah. Den Berg runter geht es anschließend nicht etwa zu Fuß – und dieses Mal auch nicht auf dem Fatbike –, sondern auf einem Schlitten. Genauer gesagt: auf der mit sechs Kilometern längsten Rodelbahn der Dolomiten. Auch bei dieser Abfahrt lasse ich lieber Vorsicht walten und nehme die scharfen Kurven mit Bedacht. Dennoch: Man muss eben nicht unbedingt Ski- oder Snowboard fahren, um den Winter in den Dolomiten genießen zu können.

    Wissenswertes für Reisende:

    Anreise: Mit dem Zug von Koblenz nach Brixen, Umsteigemöglichkeiten in Mannheim und München. Austrian Airlines fliegt von Frankfurt aus nach Innsbruck mit Zwischenstopp in Wien.

    Zielgruppe: Das Grödner Tal ist geeignet für stilvolle Aktivurlauber, die neben wintersportlichen Betätigungen auch Wert legen auf gutes Essen und Wellness. 

Beste Reisezeit: Wer Schnee und Wintersport haben will, sollte im Winter reisen. Die Skisaison dauert von Dezember bis April.

    Unsere Ausflugstipps:
    6 Kilometer lange Rodelbahn von der Bergstation der Standseilbahn Raschötz bis ins Tal nach Sankt Ulrich
    Schnee- und Winterwanderungen
    Fatbikefahrten
    Sonnenaufgang über den Dolomiten von der Bergstation Dantercepies beobachten
    Die Aussicht über die Seceda Alm auf 2410 Meter Höhe genießen in der Sofiehütte
    Gourmetrestaurant Anna Stuben in Sankt Ulrich

    Unsere Autorin ist gereist mit der Deutschen Bahn und hat übernachtet im Hotel Interski in Sankt Christina.
    Diese Reise wurde unterstützt von Val Gardena Marketing.

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