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Das Kiachl unterm Goldenen Dachl mundet

Olaf Paare

Es ist ein Moment für alle Weihnachtssinne. Die Nase atmet den Duft von Glühwein und frischem Gebäck ein. Die Ohren erfreuen sich an den anspruchsvollen Melodien der Turmbläser, und die Augen genießen den Blick über die Lichter des Christkindlmarkts hinauf zum Goldenen Dachl. Das Wahrzeichen Innsbrucks erstrahlt zum Advent in besonderem Glanz.

Das Goldene Dachl glänzt in der Weihnachtszeit besonders. Am Fuße des Wahrzeichens ist der stimmungsvollste der Innsbrucker Christkindlmärkte beheimatet. Vom Balkon spielen täglich die Turmbläser.
Das Goldene Dachl glänzt in der Weihnachtszeit besonders. Am Fuße des Wahrzeichens ist der stimmungsvollste der Innsbrucker Christkindlmärkte beheimatet. Vom Balkon spielen täglich die Turmbläser.
Foto: Olaf Paare

Insgesamt sechs Christkindlmärkte prägen das Bild der Alpenmetropole von Mitte November an. Drei von ihnen liegen in der Innenstadt nur wenige Meter auseinander und lassen sich bei einem Spaziergang erkunden. „Den Reiz unserer Christkindlmärkte macht die Vielfalt aus. Egal, ob Jeans oder Dirndl – es ist für jeden Geschmack etwas dabei“, sagt Monika Unterholzner, die als Stadtführerin die Besucher durch Innsbruck begleitet. Der Christkindlmarkt am Innufer ist von Weitem bereits gut zu erkennen. Der 14 Meter hohe Swarovski-Kristallbaum überstrahlt den Marktplatz. Dort treffen sich die Besucher nicht wie sonst üblich zum Glühwein am Baum, sondern unter dem Baum. Das Kunstwerk ist auf einem Holzgestell angebracht, das zahlreiche Stände beherbergt. Vor allem die Kinder kommen auf ihre Kosten. Karussells und ein Kasperltheater gehören zum Angebot.

Auf dem Marktplatz von Innsbruck thront der Swarovski-Kristallbaum.
Auf dem Marktplatz von Innsbruck thront der Swarovski-Kristallbaum.
Foto: Olaf Paare

Die Glitzerwelt von Swarovski ist in Innsbruck allgegenwärtig. Auch auf dem Christkindlmarkt in der Maria-Theresien-Straße funkeln einem die Steine entgegen. Die Bäume sind prächtig illuminiert, und die Stände verfügen über Lichteraufbauten, die Kristalle symbolisieren. Die Straßen und Geschäfte in der Innsbrucker Innenstadt sind ebenfalls kunstvoll beleuchtet und laden zum urbanen Einkaufsvergnügen. Nach der Shoppingtour kommt ein Heißgetränk auf dem modernsten der Innsbrucker Christkindlmärkte gerade recht. Zum klassischen Glühwein gibt es zahlreiche Alternativen. Der Holunder-Orangen-Punsch ist genauso lecker wie ein Wildpreiselbeerpunsch oder eine Feuerzangenbowle. Ohne Alkohol wird der Waldbeerenpunsch mit Fruchtstücken ausgeschenkt. Für den kleinen Hunger zwischendurch ist ein Kiachl genau das Richtige. Der gebackene Hefeteig wird entweder süß (mit Preiselbeeren) oder herzhaft (mit Sauerkraut) aufgepeppt.

Von der Maria-Theresien-Straße aus ist das Goldene Dachl bereits zu erkennen. Die wenigen Meter zum Christkindlmarkt in der Altstadt, der rund um das Wahrzeichen beheimatet ist, sind gesäumt von signifikanter Architektur. Die Häuser haben Steinfundamente und Holzaufbauten. Ein Besuch der ersten Etage des McDonald's-Restaurants lohnt sich. Dort wurde eine Original-Holzdecke aus dem 12. Jahrhundert freigelegt.

Doch schnell geht es wieder ins Freie, um das Markttreiben zu genießen. Direkt unter dem (Natur-)Tannenbaum am Dachl gibt es ein Rondell mit hochwertigen Waren. Baumschmuck, Wollprodukte, Glaskunst, Filzhandwerk, Kosmetik aus den Alpen und vieles mehr sind dort zu bestaunen, zu fühlen und zu riechen. In den Gassen rund um das Dachl schlängelt sich das gemütliche Treiben weiter. Auf einer Märchenbühne werden täglich Stücke für Kinder aufgeführt. Die Riesengasse beeindruckt mit gigantischen Figuren. Doch pünktlich um 17.30 Uhr ist wieder das Dachl der Anziehungspunkt aller. Wenn die Turmbläser vom Balkon unter den 2675 goldenen Schindeln traditionelle Weihnachtslieder erklingen lassen, entsteht eine einmalige Atmosphäre.

Die Innsbrucker selbst entfliehen dem Strom an Christkindlmarkt-Besuchern das eine oder andere Mal und setzen sich in ihre Nordkettenbahn. Die erste von drei Stationen endet im Stadtteil Hungerburg. Direkt an der Station gibt es einen weiteren Christkindlmarkt – klein, aber fein. Er lebt von seinem Ausblick. Bei Einbruch der Dämmerung lässt sich mit einem Honigpunsch in der Hand beobachten, wie die 130 000-Einwohner-Stadt in einem Lichtermeer versinkt. Den Honigpunsch hat Burgi Kriegl zubereitet. „Früher habe ich auf dem Weihnachtsmarkt in Seefeld gestanden. Aber der ist sehr überlaufen. Hier oben auf der Hungerburg kann ich in die Berge schauen und mir Zeit nehmen für die Kunden. Das ist wie Urlaub“, sagt sie und bietet einen Zirbenschnaps zum Kosten an. Zirben sind eine Kiefernart und eine Innsbrucker Spezialität. Burgi ist die Frau von Kurt Kriegl. Dem vom Land beauftragten Hofimker bereitet vor allem das Kerzenziehen große Freude. Jeden Sonntag nimmt er sich an der Hungerburg die Zeit, mit Kindern auf diese Art individuelle Wachskunstwerke zu erschaffen.

In Innsbruck pulsiert das Leben aber nicht nur rund um die Christkindlmärkte. Der Stubaier Gletscher ist nur 45 Minuten entfernt. Er garantiert von Mitte September bis Ende Juni optimale Pistenverhältnisse. Weitere Skigebiete liegen in unmittelbarer Umgebung. Auch der Besuch der Hofburg und des Doms machen einen Innsbruck-Besuch aus. Sehenswert sind die gusseisernen historischen Figuren in der Hofkirche. Bei guter Aussicht geht es von der Hungerburg weiter die Nordkette hinauf auf die Seegrube. Dort ist ein kleines Skigebiet zu entdecken. Vor allem der Snowboard-Park, der von den „Freaks“ der Szene selbst gestaltet wird, erfreut sich großer Beliebtheit. Zum Wahrzeichen ist das Mega-Iglu geworden. In den eisigen Klub mit Bar und Tanzfläche passen bis zu 300 Personen. Die Freitagsfeten sind Kult bei den Innsbruckern. Dort steigt auch die angesagteste Silvesterparty der Stadt. In Innsbruck selbst ist das private Abbrennen von Feuerwerkskörpern verboten. Dafür erhellt ein zentrales Feuerwerk, abgeschossen von der Innbrücke, das komplette Tal.

Information im Internet: www. christkindlmarkt.cc/de und www.innsbruck.info

Von unserem Redakteur Olaf Paare

Wissenswertes für Reisende

Anreise: Mehrere Fluggesellschaften wie Lufthansa und Austria Airlines fliegen täglich von Düsseldorf und Frankfurt aus nach Innsbruck. Flugzeit: eine Stunde. Auch mit der Bahn und dem Auto ist die Anreise möglich.

Zielgruppe: Innsbruck ist geeignet für alle Alters- und Interessensgruppen. Beste Reisezeit: ganzjährig, die (meisten) Christkindlmärkte sind 2017 vom 15. November bis 6. Januar geöffnet.

Unsere Ausflugstipps:

  • Swarovskis Kristallwelten in Wattens liegen eine halbe Stunde entfernt. Von Innsbruck aus fährt ein Shuttlebus mehrmals täglich in die Glitzermetropole.
  • Der Stubaier Gletscher garantiert von Mitte September bis Ende Juni Schneevergnügen.
  • Goethe-Wanderweg auf 3200 Metern Höhe – mit der Nordkettenbahn ist der Ausgangspunkt in 35 Minuten zu erreichen.
  • Eine Fahrt mit der Straßenbahn ins Örtchen Fulpmes bietet tolle landschaftliche Ausblicke.
  • Bergisel-Sprungschanze mit Führung und Zitterbalken.

Unser Autor hat übernachtet im Hotel Adlers in Innsbruck. Diese Reise wurde unterstützt von der Tirol Werbung.

RZ-Reisejournal
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