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    Bei den Mönchsgeiern im Tramuntana-Gebirge

    Wer Geduld hat und ein gutes Fernrohr mitbringt, der kann sie sehen: die Geier im Tramuntana-Gebirge. Das Gebiet im Norden der beliebten Insel Mallorca ist vom Tourismus noch weitgehend unberührt – ideal für die Aufzucht der seltenen Mönchsgeier.

    Wer Geduld hat und ein gutes Fernrohr mitbringt, der kann sie sehen: die Geier im Tramuntana-Gebirge. Das Gebiet im Norden der beliebten Insel Mallorca ist vom Tourismus noch weitgehend unberührt – ideal für die Aufzucht der seltenen Mönchsgeier (rechts).
    Wer Geduld hat und ein gutes Fernrohr mitbringt, der kann sie sehen: die Geier im Tramuntana-Gebirge. Das Gebiet im Norden der beliebten Insel Mallorca ist vom Tourismus noch weitgehend unberührt – ideal für die Aufzucht der seltenen Mönchsgeier (rechts).
    Foto: Linda Thier/dpa

    Von unserer Mitarbeiterin Linda Thier

    "Falls noch wichtige Anrufe getätigt werden müssen, dann bitte jetzt. Gleich gibt es hier kein Handysignal mehr", warnt Juan José Sánchez seine Gäste schon einmal vor, während er das Auto die kurvige Straße vom Städtchen Pollença durch die Berge des nördlichen Tramuntana-Gebirges immer weiter hinaufmanövriert.Kein Problem für die Reisenden - der Ausblick aus dem Fenster ist ohnehin interessanter als der Blick aufs Handy. Zwischen den wolkenbehangenen Bergformationen und saftig grünen Wiesen im Tal glitzert das tiefblaue Mittelmeer hervor. Trotz der grauen Nebelschwaden, die an diesem Morgen noch im Gebirge hängen, verspricht der Anblick schon das, was einen auch oben erwartet: Erholung pur und vollkommene Ruhe an einem idyllischer Ort inmitten der Berge.

    Ziel der holprigen Fahrt ist ein ehemaliger Bauernhof, der sich weit oben gut vor all den Touristen der beliebten Urlaubsinsel versteckt. Juan parkt sein Auto vor dem Anwesen, seine Frau Evelyn begrüßt die Gäste. Die kleine Reisegruppe kommt vom Jumeriah Port Sóller Hotel & Spa, das eine Partnerschaft mit Juan und seiner Frau unterhält.

    Der Turm, der das Herzstück des Hofes darstellt, ist ein mittelalterliches Gebäude, dessen Geschichte auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Da das darunter liegende Tal zu dieser Zeit von Piraten überfallen wurde, hatte die Bevölkerung einen Turm gebaut, um sich besser auf die Überfälle vorbereiten zu können. Später entstand ein Bauernhof, dessen Gebäude noch heute erhalten ist. In der Mitte des Wohnzimmers lodert ein kleines Feuer. Um die Feuerstelle herum stehen mit Tierfellen bezogene Holzstühle und Bänke. An den Wänden hängen alte Gemälde, Töpfe und Pfannen.

    Population gerettet

    "Hier haben sich die Bauern früher getroffen und nach der Arbeit abends zum Essen zusammengesessen und sich unterhalten", erzählt Evelyn. Vor 45 Jahren wurde die Finca, auf der der Hof liegt, von einem Ehepaar aufgekauft, das hier weiterhin ökologische Landwirtschaft betrieb und einen weitläufigen botanischen Garten anlegte. Mittlerweile kümmern sich Juan und Evelyn um Land und Hof, den sie liebevoll restauriert haben. Das alte Steinhaus steht heute unter Denkmalschutz, und die Inneneinrichtung ist zum größten Teil noch original. Der gebürtige Bolivier und die Österreicherin kamen 1987 nach Mallorca, um sich gemeinsam einer wertvollen Aufgabe anzunehmen: Der Rettung der Mönchsgeier auf Mallorca - genauer gesagt der letzten 19 Individuen in Europa. Evelyn Tewes, studierte Biologin, machte dabei den ersten Schritt zum Wiederaufbau der europäischen Population, die zu diesem Zeitpunkt fast ausgestorben war.

    Was als Teil ihrer Doktorarbeit begann, ist heute ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt der Stiftung Black Vulture Conservation Foundation. Damals wurden Geierküken von Tierparks aus ganz Europa nach Mallorca gebracht. In ihrem ersten Versuch baute Evelyn gemeinsam mit einem Geiermännchen aus Österreich einen Horst im ruhigen Tramuntana-Gebirge und schaffte es, ihm ein Küken unterzujubeln, um welches sich der frisch ernannte Geierpapa bereits nach kurzer Zeit allein kümmerte. Da sich bei den Mönchsgeiern Männchen und Weibchen gleichermaßen um die Aufzucht der Jungen kümmern, funktionierte diese Methode. Andere Küken wurden im Alter von drei Monaten in künstlichen Horsten in einem einsamen Tal gemeinsam unterbracht und an ihr neues Zuhause und die Umwelt auf Mallorca gewöhnt.

    Die Geierpopulation Mallorcas liegt heute wieder bei 150 Tieren, davon mehr als 20 Brutpaare. "Die Bedingungen zum Brüten sind für die Geier optimal, da wir uns in einem abgelegenen Gebiet befinden", erklärt Evelyn. Trotzdem muss das Bewusstsein bei den Urlaubern noch gestärkt werden. Gerade in der Brutzeit zwischen Januar und August müssen die Rückzugsorte der Tiere von den Menschen respektiert werden. "Die Geier sind sehr sensibel und fühlen sich schon von kleinsten Unruhen durch Wanderer gestört. Dann verlassen sie ihren Horst und lassen Ei und Junges allein zurück." Da Mönchsgeier nur einmal im Jahr ein Ei legen, ist dies ein besonders großer Verlust.

    Foto: picture-alliance

    Mittlerweile finden keine neuen Aussetzungen mehr auf der Insel statt. Die Stiftung ist nun lediglich für die Beobachtung der Population zuständig. Was für eine schöne Aufgabe das sein kann, zeigt sich, als wie gerufen einer der Geier am Himmel erscheint und sich auf der grauen Bergspitze niederlässt. "Dort drüben ist noch ein zweiter", ruft Juan begeistert und holt gleich ein großes Fernglas aus dem Haus hervor. Er ist stolzer Direktor und Manager der Stiftung, und es ist ihm anzumerken, dass er sein ganzes Herzblut in das Projekt hineinsteckt. Mit bloßem Auge ist nur ein kleiner schwarzer Fleck zu erkennen. Ein Blick durch das Vergrößerungsglas lässt jedoch erahnen, mit welch majestätischen Tieren man es hier zu tun hat. Mit einer Flügelspannweite von knapp drei Metern und einem Körpergewicht von bis zu zwölf Kilogramm gilt der Mönchsgeier als größter fliegender Vogel Europas.

    "Manchmal kann man die Geier sogar am Strand fliegen sehen", erzählt Evelyn, "und kürzlich haben wir 40 Geier auf einmal auf der Finca gesehen, als wir ihnen ein totes Schaf hingelegt hatten." Die Mönchsgeier sind in der Regel reine Aasfresser und werden auch als Gesundheitspolizei bezeichnet. Sie bilden eine Art Lebensgemeinschaft mit den übrigen Tieren auf dem Gelände und "reinigen" die Überbleibsel, falls ein Schaf oder eine Ziege einmal tot umfällt.

    Deutschsprachige Führungen

    "Auf der Finca Son Pons bei Campanet, die ebenfalls zu unserer Stiftung gehört, können Schulklassen regelmäßig zur Fütterung kommen und Geier aus nächster Nähe beobachten", erzählt Evelyn beim gemeinsamen Mittagessen. Dort beherbergt die Stiftung die zentrale Station für Geierschutz auf Mallorca und in Europa, über die Geier für Freilassungsprojekte vermittelt werden. Eine erfolgreiche Ansiedlung ist so auch schon in Frankreich und den Balkanstaaten geglückt. Mit den (auch deutschsprachigen) Führungen durch die 18 Hektar große Finca sollen Besucher informiert und das Bewusstsein in der Bevölkerung gestärkt werden.

    Evelyn wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Campanet und kommt etwa dreimal die Woche auf die Finca, wo sie den Garten und den Turm betreut. Der Rundgang führt vorbei an munter grasenden Schafen, und nach der Durchquerung des Tals gelangt man in den botanischen Garten, der laut Evelyn unter Botanikern weltberühmt ist. Olivenbäume rahmen den Weg durch die bunte Pflanzenvielfalt. "Ursprünglich wurde der Garten einfach angelegt, um zu schauen, ob man mit ausschließlich mediterranen Pflanzen einen Garten anlegen kann, der im Sommer kein Wasser braucht", erklärt Evelyn. Der Versuch ist geglückt. Heute blüht der Garten das ganze Jahr über und ist aufgrund seiner Vielfalt in vier verschiedene Zonen aufgeteilt - je nach Herkunft der Pflanzenart. Während der Lavendel lila blüht, vermischt sich sein Duft mit dem Duft der weißen Blüten der Klebsamen. Zwei Gärtner sind hier dauerhaft beschäftigt, und auch Evelyn arbeitet ständig an der Weiterentwicklung. "Wir haben gerade begonnen, eigene Bienenstöcke aufzubauen. Arbeit gibt es in jedem Fall genug."

    Beim gemeinsamen Mittagessen im Garten des alten Bauernhofes herrscht vollkommene Ruhe. "Dieser Ort ist das perfekte Beispiel, dass man auch ohne Elektrizität und Internet gut auskommen kann. Und es einem damit sogar besser geht", sagt Danny, einer der Besucher. Und beim Ausblick auf den unendlich erscheinenden Garten, die grünen Hänge und die Felsen, hinter denen sich der Steilhang zum Mittelmeer befindet, stimmen ihm alle Gäste nickend zu.

    Wissenswertes für Reisende

    Anreise: Ab Köln/Bonn fliegen Eurowings, Air Berlin, Condor und Ryanair direkt nach Palma. Lufthansa, Air Berlin, Condor und TuiFly fliegen Palma außerdem von Frankfurt aus an. Vom Flughafen Hahn bietet Ryanair Direktflüge nach Palma. Von dort aus sind es etwa 30 bis 40 Minuten Fahrt nach Sóller oder Campanet.

    Unsere Ausflugstipps:

    • Besuch einer der zahlreichen Orangenplantagen im Tal von Sóller. Das Besucherzentrum der „Centre Capvespre“ befindet sich auf dem Gelände der Kooperative Sant Bartomeu und bringt das Thema Orangen- und Olivenanbau mit kulturellen Führungen, interessanten Ausstellungen und Videos näher
    • zum samstäglichen Wochenmarkt
    • eine Fahrt mit der historischen Straßenbahnlinie zwischen Sóller und Port de Sóller
    • Erkundung der Landschaft bei einer Wanderung durch einen der zahlreichen Wanderwege durch das Tramuntana-Gebirge


    Unsere Autorin ist gereist mit Eurowings und Air Berlin und übernachtete im Jumeriah Port Sóller Hotel & Spa.

    Diese Reise wurde unterstützt von Jumeriah Port Sóller & Spa.

     

     

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