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    Après-Ski und Winterzauber: Unfassbar laut und unglaublich leise

    Am Après-Ski kommt in Mayrhofen kein Skihase vorbei – Wer doch mal den Ausstieg sucht, findet ihn im zauberhaften Zillergrund. Unsere Reporterin Marta Fröhlich hat beides ausprobiert.

    Unberührte Natur hält der Tiroler Zillergrund für Wanderer bereit, während ein paar Kilometer weiter in Mayrhofen der Après-Ski-Wahnsinn hochkocht.
    Unberührte Natur hält der Tiroler Zillergrund für Wanderer bereit, während ein paar Kilometer weiter in Mayrhofen der Après-Ski-Wahnsinn hochkocht.
    Foto: Marta Fröhlich

    Der Eisbär auf der Theke gibt alles. „Sweeeet Caroline“, grölt er mit DJ Ötzi aus der Konserve im Duett, und die Menge antwortet gefällig: „Oh, oh, oh!“ Rappelvoll ist es in der Ice Bar in Mayrhofen, und das schon um 18 Uhr.

    Im Februar und März herrscht in dem 4000-Seelen-Ort im österreichischen Zillertal Hochbetrieb, es ist Hauptsaison für den Skitourismus. Die Region rund um Mayrhofen zählt dann etwa eine Million Übernachtungen. Riesenhotels und Großraumdiskotheken sucht man in Mayrhofen jedoch noch vergebens. Familiengeführte Herbergen und kleinere Partylokale bestimmen das Straßenbild – wie die Ice Bar, deren karge Kulisse in einem eisigen, engen Wintergarten Platz findet.

    Dutzende Menschen drängen sich dort an der Theke, brüllen dem Barkeeper ihre Bestellungen entgegen, bemüht, lauter zu sein als der Eisbär und sein Chor. Après-Ski ist nichts für Feinsinnige – und nichts für Menschen mit Berührungsängsten. Kaum schlüpfe ich an den streng dreinschauenden Türstehern in Schrankgröße vorbei in die Ice Bar, nehmen meine Mitfeiernden ungeniert Kontakt auf. „Bist du allein hier?“ „Woher kommst du?“ „Willst du was trinken?“, auf Deutsch, Englisch, Niederländisch. 20 Minuten später trinke ich mit Rob, einem launigen Engländer, Brüderschaft – serviert wird Meisterwurz, ein harmlos klar daherkommender Zillertaler Traditionsschnaps mit schlappen knapp 50 Umdrehungen, der wie Hustensaft schmeckt und wie heißer Ingwertee mit Honig die Kehle runtersickert. Das meterhohe Kraut wächst am liebsten auf 1400 Metern und höher, aus seiner dicken Wurzel wird dann der kräftige Schnaps gebrannt, der den ausgekühlten Körper wieder auf Temperatur bringt. Mit heißen Wangen begleiten meine neuen britischen Freunde im Kauderwelschdeutsch Wolfgang Petry, Helene Fischer und Co., prosten mir mit einem österreichischen „G'sundheit“ zu und locken mit vollem Körpereinsatz auf die Tanzfläche, wo im Scheinwerferlicht kunterbunte Bommelmützen auf und ab wippen.

    Doch gegen 22 Uhr lichten sich die Reihen. „Ik muss tommorow morning um neun auf die Piste sein“, erklärt Rob, schnappt sich vor der Tür seine Skier und stakst ins Dunkel von Mayrhofen. Wenn der Penken lockt, dann herrscht bei den Skifahrern Disziplin. Anders als sein kleiner Bruder, der Ahornberg, der entspanntes Familienskivergnügen und ausgedehnte Panoramawanderungen verspricht, bietet der Actionberg Penken auf bis zu 2000 Metern vor allem Freestylern und Adrenalinjunkies alles, was das Skifahrerherz begehrt. Abfahrten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bis hin zur Harakiri-Piste, der steilsten Abfahrt Österreichs, fordern Kondition und Können. Nicht selten scheint der Meisterwurz die Sinne vernebelt und die Selbsteinschätzung wachsen gelassen zu haben. Dann stürzen sich auch schon mal blutige Anfänger den steilen Hang hinunter.

    „Runter kommen sie alle irgendwie“, schmunzelt Elisabeth. Die geborene Mayrhofnerin ist auf den Brett'ln groß geworden und wedelt am liebsten früh morgens, wenn die Pisten noch frisch und leer sind, die Berge ihrer Heimat hinunter. Heute jedoch lassen wir die Skihasen allein auf den Berg gondeln und fahren in den Zillergrund.

    Das 25 Kilometer lange Seitental der Ferienregion Mayrhofen-Hippach hält vor allem eines bereit: Ruhe. Beim Klauserhof stellen wir das Auto ab, von hier aus geht es zu Fuß weiter. Die engen Straßen, die den Zillergrund durchziehen, werden hauptsächlich von Wanderern genutzt, „im Winter muss man Glück haben, um anderen Menschen zu begegnen“, versichert Elisabeth. Allein die Talbewohner und die ansässigen Bauern dürfen die Wege befahren. Das Knirschen des frischen Schnees unter den Wanderschuhen, das atemberaubende Panorama des Zillertals vor Augen, verhallt mit jedem Schritt DJ Ötzis „Caroline“-Ohrwurm immer mehr, mit jedem Atemzug in der kalten Bergluft schalten Körper und Geist einen Gang zurück.

    Auf den folgenden drei Kilometern ohne nennenswerte Steigungen fällt der Blick auf eingeschneite Jagdhütten, eingefrorene Wasserfälle. Bäume und Sträucher tragen bei knackigen minus 16 Grad im Bergschatten ein Kleid aus feinen, weißen Härchen, als hätte die Eiskönigin persönlich sie mit ihrem eisigen Atem überzogen. Eben jener Märchenfigur hat der Künstler Rudolf Rössl am Ende unseres Weges ein Denkmal gesetzt. In ein begehbares Iglu hat Rössl eine tonnenschwere Eisskulptur gebaut. Diese lässt sich jetzt im Rahmen des Erlebnisprojekts „Winterzauber Zillergrund“ bewundern. Funkelnd und leuchtend steht die Eiskönigin da, direkt neben einem großen Spielareal mit Megaeiswürfeln und Rodelrampe für Kinder und der Kapelle „Maria Schnee“, die Rössl zu seiner eisigen Arbeit inspiriert hat.

    „Die Legende der Maria Schnee geht auf das Jahr 358 zurück“, erklärt Elisabeth. „Einem römischen Kaufmann und seiner Frau soll die Muttergottes im Traum erschienen sein und ihnen einen Sohn versprochen haben, wenn ihr zu Ehren eine Kirche an der Stelle errichtet wird, wo am nächsten Morgen Schnee liegt.“ Laut der Legende begab sich das Ehepaar zu Papst Liberius, der denselben Traum gehabt hatte. Am Morgen des 5. August sei die höchste Erhebung des Esquilinhügels in Rom weiß von Schnee gewesen. Dort steht heute die Basilika Santa Maria Maggiore. Und eben jener heiligen Maria ad Nives (Maria Schnee) wurde im Jahr 1848 die Kapelle „Maria Schnee“ in Häusling im Zillergrund gewidmet.

    Während wir noch einen Blick in die kleine Kapelle werfen, kocht Wirt Hannes Rahm nebenan in der Häusling-Alm Teewasser auf und stellt dampfenden Apfelstrudel bereit. Eine Rast in der guten Stube der Alm lässt die kribbelnden Beine wieder auftauen. Für die nötige Wärme im Bauch sorgt zuverlässig ein alter Bekannter, an dem im Zillertal kein Weg vorbeiführt: der Meisterwurz. G'sundheit!

    Wissenswertes für Reisende:

    Anreise: Austrian Airlines und Lufthansa fliegen Innsbruck von Frankfurt und Düsseldorf an, Air Berlin fliegt von Düsseldorf aus.

    Zielgruppe: Die Ferienregion Mayrhofen-Hippach ist geeignet für Skifahrer auf jedem Niveau, aber auch für Familien und Wanderer. 

Beste Reisezeit: Die Skisaison beginnt Ende Januar und reicht bis in den April.

    Unsere Ausflugstipps:
    Nach dem Pistenspaß lockt das Brückenstadl mit zünftigem Après-Ski im Alpenambiente.
    Bei schlechtem Wetter bietet das Erlebnisbad Mayrhofen Erholung.
    Das schönste Bergpanorama inklusive Hintertuxer Gletscher hat man bei einer Wanderung auf dem Ahornberg. Unbedingt mit der größten Gondelbahn Österreichs auf den Berg fahren – atemberaubender Blick.
    Ein Spaziergang auf der Promenade entlang des Ziller führt in pittoreske kleine Bergörtchen in der Umgebung.
    Mehr über die Landwirtschaft der Region lernen Besucher in der Erlebnissennerei in Mayrhofen.

    Unsere Autorin ist mit Austrian Airlines gereist und hat im Alpenhotel Kramerwirt übernachtet. Diese Reise wurde unterstützt von Tirol Werbung.

    Von unserer Reporterin Marta Fröhlich

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