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    Rheinland-PfalzAkademiker-Auszug: Verliert Land Millionen?

    Der sich anbahnende Fachkräftemangel gehört zu den größten Herausforderungen der Landespolitik. Da sind sich ausnahmsweise alle Landtagsfraktionen einig.

    Laut einer Studie wollen viele Studenten nach ihrem Abschluss das Land verlassen. Foto: dpa
    Laut einer Studie wollen viele Studenten nach ihrem Abschluss das Land verlassen.
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Die Geister scheiden sich an den politischen Rezepten gegen die Misere. Hier sieht die CDU die Landesregierung auf dem Holzweg, während Rot-Grün die eigenen Anstrengungen betont. Eine vor der Opposition initiierte Debatte führte zu einem munteren Schlagabtausch.

    Der neue CDU-Wirtschaftssprecher Martin Brandl hatte einen politischen Kronzeugen im Gepäck: eine Studie der Universität Maastricht in Kooperation mit der Zeitarbeitsfirma Studitemps. Im Zuge der Expertise "Fachkraft 2020" wurden 19.000 Studierende befragt. Alarmierendes Ergebnis für Rheinland-Pfalz: Hochschulabsolventen wollen das Bundesland in Scharen verlassen. 54 Prozent planen laut Studie den beruflichen Einstieg in einem anderen Bundesland. Fachkräfte, die hierzulande fehlen. Die Autoren der Expertise weiter: Rheinland-Pfalz investiert pro Kopf 7300 Euro (Zahlenbasis 2010) in die Ausbildung seiner Studierenden. Das ist Platz sieben im Länderranking. Wandern anschließend mehr als die Hälfte der Absolventen ab, errechnet sich daraus ein jährlicher Verlust in Höhe von fast 500 Millionen Euro. Laut der Expertise "Fachkraft 2020" verzeichnet "kein anderes Bundesland ein höheres Minus".

    CDU-Wirtschaftssprecher Brandl meinte zu dem angeblichen Ausfall von 500 Millionen Euro: "Selbst wenn man die Höhe dieses Beitrags anzweifelt, wäre selbst die Hälfte dieses Beitrags ein Desaster für die Fachkräftepolitik dieser Landesregierung." Der Christdemokrat sieht durch die Abwanderungstendenzen der Akademiker harte Folgen für die rheinland-pfälzische Wirtschaft. "Bei 120.000 Studenten sind das 60.000 Nachwuchskräfte. Darunter viele Informatiker, Ingenieure, Physiker oder Chemiker - alles Berufe mit hoher Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft, die uns schmerzlich fehlen werden", bemängelte Brandl.

    SPD (Barbara Schleicher-Rothmund) und Grüne (Gunther Heinisch) stellten erst einmal die Seriosität der Studie infrage, die sie für nicht repräsentativ halten. Heinisch bezeichnete die CDU-Attacken auf Rot-Grün als in der Sache wenig erhellend. Für ihn wird hier nach dem Motto verfahren: "Wenn das Wetter schlecht ist, ist die Landesregierung schuld. Wenn das Wetter gut ist, liegt es daran, dass die Opposition so viel Druck gemacht hat." Und SPD-Politikerin Schleicher-Rothmund nannte Mobilität im Hochschulbereich "erwünscht", zumal die Universitäten internationaler würden. Szenenapplaus erhielt die Sozialdemokratin, als sie gleich eine Reihe von CDU-Abgeordneten aufzählte, die auswärts studiert haben, aber jetzt im rheinland-pfälzischen Landtag ihre Brötchen verdienen.

    Schließlich steig auch noch die Wissenschaftsstaatssekretärin Vera Reiß (SPD) in den Ring. Für sie ist es wenig verwunderlich, dass die meisten Studenten erst einmal die Topadressen unter den großen Städten als Wunscharbeitsplatz nennen. Hamburg entwickelt laut der Studie "Fachkraft 2020" die meiste Zugkraft für junge Akademiker. Reiß verwies auf die Gründungsbüros an den Hochschulstandorten der vier Oberzentren Kaiserslautern, Koblenz, Mainz und Trier, die Akademiker an Rheinland-Pfalz binden sollen. So sind zum Beispiel die Mainzer Biotechunternehmen Ganymed und BioN-Tech entstanden, die zusammen rund 330 Mitarbeiter beschäftigen.

    Brandl mahnte "eine Gesamtstrategie gegen den Fachkräftemangel" an. Für ihn mischen zu viele Ministerien mit: "Keiner weiß, wer den Hut aufhat." Koordinieren müsste seiner Ansicht nach allein das Wirtschaftsministerium. Ressortchefin Eveline Lemke (Grüne) konterte: "Die Ministerpräsidentin hat den Hut auf, weil alle Ressorts betroffen sind." Und Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler spottete: "Ihre Hosentaschenbeweisführung zur Kompetenzverteilung der Landesregierung hat nicht einmal Drei-Fragezeichen-Niveau."

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