In den Tagen nach dem Brandunglück in Krefeld ist die Anteilnahme ungebrochen - Die Verantwortlichen stellen sich und sind selbst tief betroffen
Verantwortliche stellen sich und sind tief betroffen: Das ungewollte Affen-Drama
Zwei der wahrscheinlich 30 Opfer des Feuers im Krefelder Zoo: Orang-Utan-Dame Lea und ihre Tochter Suria .
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Der verheerende Brand im Krefelder Zoo ist für die Polizei so gut wie aufgeklärt. Drei Frauen haben sich den Ermittlern gestellt. Sie hatten Himmelslaternen in der Silvesternacht aufsteigen lassen. Ihnen gegenüber forderte die Polizei Respekt. Der Leiter der Ermittlungskommission, Gerd Hoppmann, sagte über sie: „Sie wollten zu der Tat stehen, was ich hochanständig finde.“ Bei dem Brand waren etwa 30 Affen ums Leben gekommen.

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Zwei der wahrscheinlich 30 Opfer des Feuers im Krefelder Zoo: Orang-Utan-Dame Lea und ihre Tochter Suria .
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Die 60-Jährige aus Krefeld und ihre beiden erwachsenen Töchter sollen das Feuer ausgelöst haben. Nachdem die Polizei Himmelslaternen als wahrscheinlichen Auslöser genannt hatte, hatten sich die Frauen selbst bei den Ermittlern gemeldet. Dass es zu diesem tragischen Unglück gekommen sei, hätten sie nicht geahnt und nicht gewollt, sagte Hoppmann.

Als die Medien über den wahrscheinlichen Auslöser berichteten, muss bei den Frauen der schreckliche Gedanke aufgekommen sein, dass sie das Unglück verursacht haben könnten. Sie hatten fünf Himmelslaternen mit handschriftlichen Wünschen aufsteigen lassen. „Sie dachten, dass es zu Silvester erlaubt sei“, berichtete Hoppmann aus der Vernehmung, bei der viele Tränen geflossen sind. Die Frauen hätte die Laternen im Internet bestellt, auf den Verpackungen sollen keine Verbotshinweise gestanden haben. In den sozialen Netzwerken gab es bereits Drohungen gegen die Frauen.

Fünf Laternen hätten die Frauen gestartet. Vier der Lampen wurden entdeckt, die fünfte soll den Brand im Affenhaus ausgelöst haben. Davon ist wegen der örtlichen und zeitlichen Zusammenhänge auszugehen, erklärte Hoppmann. „Für uns ist damit diese Tat weitgehend geklärt.“ Ermittelt wird wegen fahrlässiger Brandstiftung. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Senior-Gorilla: Publikumsliebling Massa wurde 48 Jahre alt.
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2009 war in Siegen ein zehn Jahre alter Junge gestorben, weil ein Haus durch eine Himmelslaterne in Brand geraten war. Der Prozess gegen einen 23 Jahre alten Mann wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung wurde gegen Auflagen eingestellt. Damals waren die Laternen noch nicht verboten. Seither ist das in fast ganz Deutschland so – oder eine benötigte Genehmigung wird grundsätzlich nicht erteilt. Das ist in Bayern und Berlin der Fall. Verkauft werden dürfen die Laternen allerdings weiterhin.

Polizei und Feuerwehr sind gleichermaßen überrascht darüber, wie schnell sich der Brand in dem Affenhaus in Krefeld ausbreitete. Demnach brach das Feuer an der nordöstlichen Ecke des Daches aus. „Die Dachhaut ist nach einem Hagelschauer vor einigen Jahren mit Plexiglas erneuert worden“, sagte Hoppmann der „Rheinischen Post“. Außerdem fanden Sachverständige große Mengen Laub am Unglücksort. Ob beides für die Brandentwicklung eine Rolle gespielt hat, ist noch nicht bekannt. Eine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage hatte das Affenhaus nicht, dies sei zum Zeitpunkt des Baus 1975 aber auch nicht vorgeschrieben gewesen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Gebäude und Gehege des Tierparks werden regelmäßig einer Brandschutzüberprüfung unterzogen, ergänzte die Zoosprecherin Petra Schwinn. „Das Affenhaus selbst wurde erst vor wenigen Monaten von der Feuerwehr überprüft. Es gab keine Beanstandungen.“

Vor dem Krefelder Zoo versammelten sich am Donnerstag Menschen und trauerten um die gestorbenen Affen, darunter fünf Orang-Utans, zwei ältere Flachlandgorillas und ein Schimpanse. Zwischen einem stetig wachsenden Meer von Kerzen, Blumen und Stofftieren legten viele Kinder Botschaften nieder. Vor allem der 48 Jahre alte Gorilla Massa war sehr beliebt bei Besuchern. „Ich werde Massa und seine Freunde sehr, sehr vermissen“, schrieb ein Junge. „Ich hoffe, sie sind im Affenhimmel und sehr glücklich“.

Das Drama von oben: Das Affenhaus im Krefelder Zoo ist nahezu komplett abgebrannt und muss abgerissen werden. Foto: dpa
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Ein Mädchen, das an diesem Ferientag mit seiner Mutter vor den geschlossenen Zoo gekommen war, sprach wie im Gebet: „Ich möchte, dass die Affen einen Platz im Himmel haben.“ Einige Erwachsene weinten auch. Eine Frau, die aus den nahen Niederlanden gekommen war, legte rund 70 langstielige Rosen nieder – obwohl sie nie in dem Zoo gewesen ist. „Sie sind so klug, und wir schließen sie ein“, sagte sie über die Affen.

Zuspruch und E-Mails an den Zoo trafen derweil aus ganz Deutschland ein. Sie hätte nicht erwartet, dass für tote Menschenaffen Kerzen aufgestellt werden, sagte Zoosprecherin Schwinn. „Die Anteilnahme ist sehr, sehr groß.“ Der Zoo erhoffe sich auch, dass der tägliche Tod der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen dadurch ins Bewusstsein rücke.

„Die Spendenbereitschaft ist enorm. Bis Mittwochabend sind bei uns bereits weit mehr als 4000 Geldspenden von unterschiedlichen Menschen eingegangen“, berichtete der Vorsitzende der Krefelder Zoofreunde, Friedrich Berlemann, der „Rheinischen Post“ in Krefeld.

Eine Beerdigung wird es für die durch den Brand umgekommenen Menschenaffen wohl nicht geben. Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei dies nicht erlaubt, erläuterte Schwinn. Die Tiere wurden dem Veterinäruntersuchungsamt übergeben. Für die Mitarbeiter des Zoos soll es aber eine Trauerfeier geben.

Einige der Pfleger sind traumatisiert. „Sie haben die toten Affen hinterher noch identifiziert“, sagte die Sprecherin des Tierparks. Der Zoo soll am heutigen Freitag wieder für Besucher geöffnet werden. „Wir wollen aber einen Katastrophentourismus und Gafferfotos verhindern. Die Einsicht auf das zerstörte Haus soll so gering wie möglich sein. Das versuchen wir mit Absperrungen zu unterbinden.“ Ulrike Hofsähs/

Christian Schwerdtfeger

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