
„Wir gehen den Synodalen Weg mit, kommen aber mehr und mehr zu der Überzeugung, dass er in den bisher gefahrenen Gleisen nicht ans Ziel führen kann“, schreibt Voderholzer jetzt auf dieser Internetseite. „Die Zusammensetzung der Foren der Synode und ihre Diskussionskultur erschweren einen angemessenen Dialog“, heißt es in einer Mitteilung, die sein Bistum dazu veröffentlichte.
Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die den Synodalen Weg gemeinsam mit dem Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) initiiert hat, kommentiert den Voderholzer-Vorstoß nicht. „Wir haben das zur Kenntnis genommen“, sagt DBK-Sprecher Matthias Kopp knapp. Die Sprecherin des ZdK, Britta Baas, sagt: „Mitglieder der Synodalversammlung – und Herr Voderholzer ist ja ein solches – können sich gemäß der Satzung und der Geschäftsordnung des Synodalen Weges einbringen. Wenn Mitglieder diesen Weg nicht wählen, nehmen wir das zur Kenntnis, kommentieren das aber nicht.“
Affront gegen Reformer?
Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ wird gewohnt deutlicher und wirft dem Regensburger Bischof „einen gezielten Affront gegen den Synodalen Weg“ und „hinterhältige Kritik“ vor. Sein Vorgehen sei darüber hinaus auch „ein starker Affront gegen die anderen deutschen Bischöfe“, sagt Sprecher Christian Weisner. Bischof Voderholzer und die anderen Leute, die hinter der Internetseite stehen und Beiträge dafür verfassten, hätten „immer noch nicht den Ernst der dramatischen Lage erkannt, die durch sexualisierte Gewalt und geistlichen Missbrauch sowie deren jahrzehntelange Vertuschung entstanden ist“.
Lange Zeit standen die Bewahrer innerhalb der katholischen Kirche gleichsam mit dem Rücken zur Wand. Papst Franziskus sprach von echten Reformen, und die deutsche katholische Kirche nahm dies sowie die Ergebnisse der Missbrauchsstudie ernst und startete einen tiefgehenden Reformprozess, den ...
Kommentar zum Vorstoß von Bischof Voderholzer: Schaden für die Kirche könnte immens sein
„Eine solche Verquickung der Interessen dient nicht dem ernsten Anliegen, mit dem der Synodale Weg begonnen wurde, und bringt die Gefahr neuer Entzweiungen mit sich, innerhalb der deutschen Kirche ebenso wie in ihrem Verhältnis zum Vatikan und zur Weltkirche.“ Ihr Gegenvorschlag: „Die Kirche als Institution, ihr Klerus und alle einzelnen Getauften in ihr müssen sich von Gottes Wort auf einen Weg der echten Umkehr und geistlichen Erneuerung führen lassen.“ Angesichts dramatischer Zahlen von Kirchenaustritten sprechen sie sich zwar klar für „strukturelle Erneuerung angesichts sichtbarer Mängel“ aus, aber ebenso klar gegen eine Demokratisierung: „Gewaltenteilung im modernen Sinn“ sei mit der „Kirchenleitung nicht zu vereinbaren“.
Starke Verbündete in Rom
Dass dieser Vorstoß in einer Diskussion, in der Voderholzer und seine Mitstreiter klar in der Minderheit sind, mehr ist als nur ein Zwischenruf von rechts, liegt daran, dass sie starke Verbündete haben – und zwar in Rom. „Wir wissen uns im Einklang mit den römischen Stellungnahmen“, schreibt Voderholzer. Bestätigt wird er beispielsweise durch das höchst umstrittene Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Partnerschaften.
Britta Schultejans