Der Tag startete nicht so gut für Doris Moritz-Zander. Das persönliche Wohlbefinden war an diesem Tag zu Hause geblieben, und, sich mit einem für sie selbst zufriedenstellenden Outfit auszustatten, hatte sich bis dahin keine Gelegenheit geboten. Der Umstand des leeren Benzintanks zwang die 69-Jährige, am Nachmittag zu einer Tankstelle nahe der Autobahnzufahrt in Höhr-Grenzhausen zu fahren. „Ich war krank und irgendwie völlig daneben“ berichtet die Autofahrerin entschuldigend. Aber es habe eben sein müssen.
Sie nahm, wie gewöhnlich, den Zapfhahn aus der Halterung und tankte. „Während des Tankens überkamen mich Zweifel, ob ich überhaupt meine Scheckkarte mitgenommen habe“ erzählt die Höhr-Grenzhäuserin weiter. Daraufhin stoppte sie sogleich den Tankvorgang und schaute nach: „Kein Geld, keine Scheckkarte!“ Nur das Smartphone habe sie beim Verlassen des Hauses gegriffen.
„Der Angestellte erklärte mir, ich müsse mein Auto stehenlassen.“
Doris Moritz-Zander hatte Ihre Geldbörse daheim vergessen.
Gedanken schossen der 69-Jährigen durch den Kopf – die eingekaufte Ware, in diesem Falle das Benzin, könne auch nicht bis zur Zahlung vor Ort liegen bleiben, das Auto könne sie nicht stehenlassen, um Geld zu holen. An der Kasse der Tankstelle versuchte sie Ihr Problem zu erklären: „Ich bot an, meine Scheckkarte zu holen und als Sicherheit mein Smartphone zu hinterlassen. Der Angestellte erklärte mir jedoch, ich müsse mein Auto stehenlassen.“
Der Zapfhahn steckte auch noch im Tank des Autos und bevor Doris Moritz-Zander einen klaren Gedanken fassen konnte, hörte sie neben sich die Stimme eines jungen Mannes, der sagte: „Ich zahle das!“, unwissend wie hoch der Betrag ist. Er reichte dem Kassierer seine Scheckkarte.
Mann wollte das Geld nicht zurück
Ein bisschen wie vom Himmel gefallen schien der Mann – auch in seinem Erscheinungsbild, wie die in diesem Augenblick etwas verzweifelte und sich an diesem Tag derangiert fühlende Frau selbst beschreibt. „Ich konnte es nicht glauben. Als ich ihm signalisierte, das könne ich nicht annehmen, wiederholte er lediglich, er zahle das.“ Auch auf ihre Nachfrage, wie sie ihn erreichen könne, um das ausgelegte Geld zurückzugeben, erwiderte er nur kurz, das sei schon in Ordnung. „Er spielte sich weder als großer Wohltäter auf, noch erwartete er offenbar riesige Dankbarkeitsszenarien. Er tat es einfach und verschwand.“
Da der Mann anschließend nicht etwa, wie vielleicht vermutet, in ein großes teures Auto, sondern in ein kleines Firmenauto zu seinem Kollegen stieg, wie Doris Moritz-Zander beobachte, schien es sich auch nicht um einen „Super-Reichen“ zu handeln.
„Er tat es einfach und verschwand.“
Doris Moritz-Zander konnte nicht herausfinden, wie sie das Geld zurückgeben kann.
Die Geschichte sei gar nicht so spektakulär, sagt die 69-Jährige, doch „ich glaube, das passiert nicht alle Tage“ ergänzt sie. Es sei eine Geste, die „sehr außergewöhnlich ist“, weshalb sich Doris Moritz-Zander an unsere Zeitung gewandt hat. „Ich danke diesem Menschen neben seiner Hilfe und Großzügigkeit insbesondere auch dafür, mein von vielen Negativ-Berichterstattungen geprägtes Gesellschaftsbild aufgewertet zu haben, und ich schöpfe für nachfolgende Generationen wieder Hoffnung“, schließt die Westerwälderin.

