Naziopfer in Irmtraut 
Gedenktafel erinnert an Herbert Lamboy
Eine Gedenktafel erinnert in Irmtraut an Herbert Lamboy, der 1943 von den Nazis ermordet wurde. Die offizielle Einweihung soll noch erfolgen.
Markus Müller

Projekt von Oberstufenschüler am Mons-Tabor-Gymnasium ist realisiert und dient der Erinnerung an Opfer des NS-Unrechtsstaates in Irmtraut. Die offizielle Einweihung soll im Frühjahr erfolgen. 

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Der nach damaligen Recht noch minderjährige Herbert Lamboy zählt zu den Opfern des NS-Unrechtstaates. Mit seinem Schicksal haben sich Oberstufenschüler am Mons-Tabor-Gymnasium Montabaur im Rahmen eines Gedenkprojektes im Grundkurs Geschichte von Markus Müller beschäftigt. Wie der promovierte Historiker mitteilt, entwarfen die Jugendlichen ein Erinnerungsobjekt, das an Lamboy in dessen Geburtsort Irmtraut erinnert. Die Ortsgemeinde hat nun die erstellte Gedenktafel realisiert, die von den Schülern Sanjay Sivakumar und Daniel Schneider erarbeitet wurde. Irmtrauts Altbürgermeister Alfons Giebeler und Steinmetz Müller haben sie gesponsert. Die Tafel hängt schon an der Friedhofshalle und soll im Frühjahr bei besserer Witterung eingeweiht werden.

Markus Müller hat das Leben von Herbert Lamboy erforscht, der am 17. April 1943 in Stuttgart als Deserteur hingerichtet wurde, er starb unter dem Fallbeil. Der mit 20 Jahren noch minderjährige Soldat musste wegen Fahnenflucht sein Leben lassen.

Zu seinem Schicksal hat der in Nister wohnende Lehrer Markus Müller intensiv geforscht. Herbert Lamboy wurde am 27. Mai 1922 geboren. Der Sohn des Maurers Gustav Lamboy aus Westernohe und der Hausfrau Wilhelmine, geborene Duchscherer, aus Limburg wuchs die ersten Jahre mit zwei Brüdern in Irmtraut auf. Er besuchte die Dorfschule, später die Volksschule in Limburg, wohin die Familie im Oktober 1933 gezogen war. Trotz markanter katholischer Prägung gehörte Herbert 1934 bis 1939 auch der Hitler-Jugend an. In der „Einfachstschule“ der Deutschen Arbeitsfront, die er 1936/37 besuchte, weil keine Lehrstelle in Aussicht war, wurde er auch ideologisch geprägt.

Immer wieder kam Lamboy mit dem Gesetz in Konflikt und wurde wegen Diebstahls und Unterschlagungen verurteilt. Freiwillig meldete er sich zum Westwall.

Die Erinnerungstafel hängt schon an der Friedhofshalle Irmtraut und soll im Frühjahr bei besserer Witterung eingeweiht werden.
Markus Müller

Wie Müller weiter berichtet, erfolgte am 3. Oktober 1941 der Einzug zur Wehrmacht, zu einem Infanterie-Ersatz-Bataillon nach Verdun. Am 25. Februar 1942 verurteilte ihn das Gericht seiner Dienststelle zu vier Monaten Gefängnis wegen militärischen Diebstahls. Womöglich sollte sich Lamboy mit seiner anschließenden Versetzung zu einem Infanterie-Regiment nach Russland „unter härtesten Lebens- und Arbeitsbedingungen […] im Kampfgebiet der Ostfront unter Feindeinwirkungen“ bewähren. In Russland erlitt Lamboy am 2. August 1942 einen Durchschuss am linken Oberarm. Wieder kriegsverwendungsfähig, kam er zunächst zu einem Infanterie-Ersatz-Bataillon nach Arlon in Belgien und schließlich zur 4. Kompanie des Panzer-Grenadier-Ausbildungs-Bataillons 104 nach Landau/Pfalz.

„Nach Kenntnis der NSDAP Kreisamtsleitung Limburg-Unterlahn war Lamboy für den aussichtslosen Einsatz in Afrika vorgesehen, was ihn schließlich zur Desertation bewogen haben mag“, meint Müller. Das Todesurteil bezöge sich dann gemäß den „Richtlinien des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht für die Strafzumessung bei Fahnenflucht“ (1940) auf die „Furcht vor persönlicher Gefahr“.

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