Passend zu den winterlichen Temperaturen weht auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt ein eisiger Wind. Wie in den Vorjahren steigt die Zahl der Erwerbslosen im Kreis Neuwied im Januar deutlich an. Die aktuelle Statistik der Agentur für Arbeit Neuwied weist 5854 Betroffene aus. Das sind 407 Personen mehr als vor einem Monat und 210 mehr als vor einem Jahr. Die Quote ist im Januar um 0,4 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent gestiegen. Im Vorjahr lag sie bei 5,5 Prozent.
„In der kalten Jahreszeit gibt es außerdem weniger Außenjobs, etwa im Baugewerbe oder der Landwirtschaft.“
Elmar Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Rhein-Wied-Westerwald
„Der saisonal bedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresauftakt ist jedes Jahr zu beobachten“, sagt Elmar Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Rhein-Wied-Westerwald: „Zum Jahresende stellen Unternehmen erfahrungsgemäß weniger neue Beschäftigte ein. In der kalten Jahreszeit gibt es außerdem weniger Außenjobs, etwa im Baugewerbe oder der Landwirtschaft. Hinzu kommen die Auswirkungen von vermehrten Befristungen und Kündigungsterminen zum 31. Dezember.“
Gleichzeitig verdeutlichen die weiterhin hohen Werte der vergangenen Monate sowie der erneute Anstieg gegenüber dem Vorjahr, dass auch die konjunkturelle Schwäche die Lage zusätzlich belastet. „Die Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Phase zwischen anhaltender Krise, Rezession und einer sehr langsamen Stabilisierung“, so Wagner. Umso erfreulicher sei es, dass sich der regionale Stellenmarkt nach wie vor vergleichsweise stabil zeige.
Chancen bleiben oft ungenutzt
Im Monatsverlauf wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Jobcentern und Arbeitsagentur für den Kreis Neuwied 236 neue Stellen gemeldet. Das sind 37 weniger als im Vormonat, zugleich aber 17 mehr als im Januar 2025. Der Bestand bleibt laut Agentur mit 1455 Jobangeboten „auf einem guten Niveau und unterstreicht die grundsätzliche Einstellungsbereitschaft der regionalen Betriebe“.
Und doch bleiben diese Chancen oft ungenutzt, weil Angebot und Nachfrage nicht zueinanderpassen, so die Agentur. Die Qualifikationen vieler Arbeitssuchender entsprechen zunehmend nicht den Anforderungen der Arbeitgeber. Dies spiegelt sich auch in der steigenden Zahl jener, die länger als ein Jahr arbeitslos sind und daher als langzeitarbeitslos gelten, wider. „Die Erkenntnis, dass eine fundierte Berufsausbildung vor Arbeitslosigkeit schützt und die Möglichkeiten für eine schnelle Rückkehr in die Beschäftigung signifikant verbessert, ist nicht neu“, sagt Elmar Wagner. Die Agentur unterstütze daher Betroffene dabei, Qualifizierungsbedarfe zu erkennen und Weiterbildungen zu absolvieren.

Neuwieder Arbeitsmarkt zeigt Spuren der Konjunkturkrise
Der Monat Dezember brachte für den heimischen Arbeitsmarkt eine minimale Entlastung. Das wird anhand der Zahlen der fusionierten Agentur für Arbeit, die nun vier Landkreise betreut, deutlich.
Wer an Qualifizierung und Förderung teilnimmt, wird laut Gesetz nicht als Arbeitsloser gezählt. Um hier Transparenz zu schaffen, publiziert die Bundesagentur jeden Monat die Unterbeschäftigungsquote. Sie bezieht all jene ohne reguläres Beschäftigungsverhältnis ein, die zur Erhöhung ihrer Integrationschancen arbeitsmarktpolitisch gefördert werden. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde.


