Daaden/München. Wenn am Samstag um 15.30 Uhr das Bundesligaspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Bayern München angepfiffen wird, geht für den 22-jährigen Thomas Kraft ein Traum in Erfüllung. Bayern-Trainer Louis van Gaal („Er hat ein großes Talent, deswegen müssen wir ihn auch ein bisschen ausbilden, dass er unter Druck spielen kann“) plant mit dem Westerwälder als Stammkeeper.
„Ich hoffe, dass er wirklich spielt“, sagt Andreas Hähner, Jugendtrainer beim Oberligisten SG 06 Betzdorf, über Kraft, der offenbar Münchens Stammkeeper Hans-Jörg Butt verdrängt. Hähner hatte Kraft einst im Westerwald unter seinen Fittichen.
„Der ist heiß wie Fritten-Fett“, berichtet Hähner über die Zeit vor sieben Jahren, als Kraft bei der SG 06 Betzdorf gespielt hatte. Über die Spfr Daaden und den VfB Wissen war er 2002 nach Betzdorf gekommen und hätte dort eigentlich bei den B-Junioren spielen sollen. Aber sein Talent war frühzeitig erkannt worden, der Wechsel zu Bayern München im Jahr 2004 schon unter Dach und Fach, und auf Anraten der Bayern spielte Kraft fortan mehr bei den A-Junioren und trainierte auch bei den Senioren.
Hähner erinnert sich, dass Kraft sein Ziel Bundesliga mit „unheimlich viel Energie verfolgt hat. Und es war früh zu sehen, dass er ein Großer wird. Er hat ja im Prinzip jeden Tag trainiert und war zu der Zeit schon oft bei Bernd Dreher in München.“ Auch Trainerkollege Stefan Hoffmann beschreibt Kraft als „absolut Fußballverrückten im äußerst positiven Sinne“. Einst war Hoffmann mit einem Team auf dem Weg zu einem Hallenturnier durch das verschneite Daadetal gefahren. Auf dem örtlichen Bolzplatz sah der Tross dann Thomas Kraft und seinen Freund Sebastian Land „bei der Arbeit“.
„Ja, die Geschichte stimmt, wir haben damals eigentlich täglich irgendwo gespielt“, bestätigt Land, der auch heute noch bei der SG 06 Betzdorf in der Defensive des Oberligateams kickt. „Gerade die Ferien waren immer ein einziges Fußballcamp. Da haben wir täglich zweimal trainiert, oder wir waren Laufen oder Rad fahren“, so Land. „Und die Entwicklung gibt Thomas ja recht. Die Mühe und der Aufwand haben sich offenbar ausgezahlt, er hat's geschafft“, sagt Land, der zudem Kraft bescheinigt, dass „er ein richtig guter Fußballer ist. Er könnte auch im Feld spielen. Auch das zeichnet ihn aus.“
Ganz engen Kontakt zu Kraft hat auch heute noch Sascha Kill. Der aktuelle Torwarttrainer des VfB Wissen kennt Kraft seit seinen Anfängen als Fußballer und Torwart – und der Kontakt ist nie abgerissen. „Sein Ziel war es immer, Profi zu werden, dafür hat er gelebt und alles getan. Und man konnte ganz früh erkennen, dass er ein ganz Großer wird. Diese Bewegungsabläufe, die Thomas schon im frühen Jugendalter hatte, das sieht man nur ganz selten“, blickt Kill zurück. „Und das Engagement bei Bayern München ist natürlich das i-Tüpfelchen. Er war von Beginn an der ideale Torwart“, ergänzt Kill.
Von unserem Mitarbeiter Jürgen Vohl

