Die Studienreise wurde von der Initiative 55 plus-minus unter der Leitung ihres Sprechers, Dieter Zorbach, und des Initiative-Projektbetreuers und Ortsbürgermeisters von Dessighofen, Wilfried Ilgauds, durchgeführt. Die Initiative 55 plus-minus wurde mit ihren mittlerweile etwa 3000 Teilnehmern von Dieter Zorbach vor mehr als 15 Jahren ins Leben gerufen. Ihr Aktionsmittelpunkt lag ursprünglich in den Verbandsgemeinden Loreley und Nastätten, ihr Aktionsradius reicht jedoch dank Telekommunikation beliebig weit. Sie widmet sich insbesondere Menschen in der zweiten Lebenshälfte unter dem Motto „Gemeinsam aktiv werden“.
Ein ähnliches Leitbild verfolgten die Gründer des sozialen Leuchtturmprojektes „Alt werden in Vrees“. In diesem Projekt sollten Bedingungen geschaffen werden, die es den Bewohnern ermöglichen, bis zum Lebensende zu Hause in ihrem Dorf zu wohnen, weitgehend selbstbestimmt und dabei rundum versorgt zu sein.
Menschen sollen in eigenen Wohnungen bleiben können
Konkretere Ziele waren im Wesentlichen: Verbleib der Bewohner in der Dorfgemeinschaft in den eigenen vier Wänden – auch im Pflegefall –, Entlastung der Pflegenden durch Tagesbetreuung, Gesundheitsförderung durch Prävention, gemeinschaftliches, kommunikatives Wohnen: die Förderung von Kontakten und Begegnungen im Bewohnerleben, etwa durch vielfältige Beteiligungen wie an wichtigen Wohn-Entscheidungen, an kulturellen Veranstaltungen, bei der Küchenarbeit (Kochen) oder der Gartenarbeit.
Zentral gelegene Wohnanlagen mit relativ offener, kommunikationsfördernder Bauweise, mit barrierefreien Wohnungen für das Leben im Alter und mit einer digitalen Plattform für eine „gut vernetzte Kommunikation über die eigenen vier Wände hinaus“. Die installierte digitale Informationstechnik ist bereits jetzt sehr benutzerorientiert, ganz einfach zu bedienen und vereint zahlreiche Nutzungen wie Videotelefonie mit Angehörigen und Freunden, auch mit dem Arzt, Medikamentenbestellung, Einkaufen, Notrufsystem, Sturzsensor oder Inaktivitätssensor für jeden Bewohner. Sie wird ständig weiterentwickelt und um neue Funktionen ergänzt.
Die Wohnanlage sollte von einem Gesundheitszentrum, einem ambulanten Pflegehaus, einem Bürgerhaus mit Räumen für Vereine und Gruppen, einer Turnhalle mit Gymnastikraum für Senioren, einem Outdoor-Sportpark, einem Lebensmittelladen, einer Bibliothek und einem Dorfteich umgeben sein. Auch dieses ist bereits weitgehend verwirklicht.
Neben einem lokal installierten Pflegedienst sollte es einen zentralen Ansprechpartner für alle Fragen, Anliegen und Ideen zum Wohnalltag, das heißt einen „Kümmerer“ geben.
Projekt wurde vielfach ausgezeichnet
Die Umsetzung der Idee „Zu Hause alt werden“ hat den Vreesern neben Fördergeldern von vielen Institutionen auch eine Reihe von nationalen und internationalen Auszeichnungen eingebracht. Hervorzuheben sind die Goldmedaillen bei den Wettbewerben „Unser Dorf hat Zukunft“ im Jahre 2017 auf Bundesebene und im Jahre 2018 auf Europaebene. Für die Energieversorgung setzt Vrees ganz auf regenerierbar: Windkraftanlagen, Solartechnik, Hackschnitzelheizung und Biogasanlagen sind größtenteils realisiert. red

