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    Wierschen

    Die Burg Eltz ist ein wunderschönes Geschenk

    Er unterschreibt eine Nachricht höchst höflich wie uneitel knapp mit „Karl Eltz“. Sein voller Name – Dr. Karl Graf von und zu Eltz genannt Faust von der Stromberg – passt in keinen Pass. Seine Frau aus einem schlesischen Adelsgeschlecht – geborene Sophie Gräfin Schaffgotsch genannt Semperfrei von und zu Kynast und Greiffenstein – steht nicht nach.

    Karl Graf von und zu Eltz vor dem prachtvollen Himmelbett und der Eleganz der späten Gotik.
    Karl Graf von und zu Eltz vor dem prachtvollen Himmelbett und der Eleganz der späten Gotik.
    Foto: Thomas Frey

    Wierschen - Er unterschreibt eine Nachricht höchst höflich wie uneitel knapp mit „Karl Eltz“. Sein voller Name – Dr. Karl Graf von und zu Eltz genannt Faust von der Stromberg – passt in keinen Pass. Seine Frau aus einem schlesischen Adelsgeschlecht – geborene Sophie Gräfin Schaffgotsch genannt Semperfrei von und zu Kynast und Greiffenstein – steht nicht nach.

    Aber es ist das Erbe Eltz, das beide in 33. Generation fordert. Als wir das sympathisch unkomplizierte Paar auf der schönsten Ritterburg Deutschlands im Baustaub treffen, ist es erschöpft, aber glücklich. Das große Saubermachen steht noch an, aber es hat eine Jahrhundertaufgabe geschafft und staunt selbst: Die märchenhafte Sehnsuchtsburg der Romantiker zwischen Mosel und Maifeld ist generalsaniert, vom Fundament bis zum Dach.

    „Ohne das Wissen der Denkmalschützer wären wir gescheitert“, sagt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler (62). „Auch ohne die pragmatischen Beamten“, die historische Bauprobleme ohne DIN-Norm den Gesetzen von Denkmalschutz und Konjunkturprogramm anpassten, ergänzt seine zupackende Frau. Auch in Georg Peter Karn, Konservator der Generaldirektion Kulturelles Erbe, blitzt nach viel Mühe Stolz auf. Zufrieden hat er die besondere Baustelle abgenommen – in einem Denkmal von nationaler Bedeutung. Deshalb haben auch Bund, Land und Stiftung Denkmalschutz mit fast 4 Millionen Euro geholfen, damit die Burg auf dem Felskopf über dem Eltz-Tal wieder gesichert ist. Der Graf, der beim Baukrimi oft den Atem angehalten hat, dankt auch den Schutzengeln. Denn auf statisch kompliziert berechneten Gerüsten haben Dachdecker und Zimmerleute in alpiner Höhe Moselschiefer verlegt und morsche Balken ausgewechselt, „damit sie wieder 200 Jahre halten“. Er denkt lachend eben in anderen Zeiträumen als Häuslebauer.

    Seit seiner Pensionierung vor zwei Jahren pendelt der Graf ständig von seiner modernen Wohnung in Frankfurt zur Burg, in der es sicherheitstechnisch nach gut 850 Jahren kurz vor zwölf war: Die Mauern zeigten bedrohliche Risse, überall bröckelte und bröselte es, weil die Statik aus den Fugen geraten war, die Kempenicher Häuser aufs Rodendorf'sche drückten. Denn vor Jahrhunderten, als hier drei Familien derer von und zu Eltz wohnten, wurde ständig angebaut und aufgestockt. Nach etwa 600 Jahren rächten sich Sünden: Der Erker des wunderschönen Fahnensaals von etwa 1450 drohte ins Tal zu stürzen. Denn sein Halt, ein mächtiger Eichenbalken, war nur noch Staub. Fasziniert zeigt der Graf den Erfolg der Spezialisten in dem prächtig restaurierten Saal, der mit sechs Stahlankern fixiert ist. In einem höchst komplizierten wie auch heiklen Verfahren wurde das abgesackte gotische Netzgewölbe mit hydraulischen Minipressen „Millimeter für Millimeter so nach oben gedrückt, bis es wieder selbsttragend war“. 20 bis 30 Meter lange und nahezu armdicke Edelstahlanker halten nun die Rodendorfer und Kempenicher Häuser fest zusammen. Sie bremsen die Bewegung der Türme entlang der Baunähte.

    Alle lernten viel von Geschick wie Fehlern der Ahnen: Das mit Lehm gefüllte Fachwerk „auf Rübenach“ ist seit 650 Jahren in bestem Zustand. Wo aber Schwemmstein und Kalk verwendet wurden, war es brüchig. Jetzt erstrahlt es wieder im typischen Eltzer Rot – auch wiedererrichtet an der Front zur Mosel hin, wo es nach einem Brand 1920 „modern“ durch Steine ersetzt worden war. Zeitweise war die Burg so verhüllt, dass Verpackungskünstler Christo neidisch gewesen wäre. Und der wollte Burg Eltz tatsächlich einmal in rosa Tüll hüllen, aber der Vater des Grafen hatte es „mit moderner Kunst leider nicht so“. Das Grafenpaar von heute freut es, dass auch viele Handwerker immer von „unserer Burg“ sprechen, zumal die meisten aus der Region stammen. Wenn nun der 70 Meter hohe Kran verschwindet, werden Touristen die Geschichte(n) vieler Epochen wie neu erleben.

    Mit den Arbeiten fand sich auch Unbekanntes: ein bemalter romanischer Doppelbogen unter gotischem Dachgestühl, ein Verlies, aber kein Schatz. Dies wundert den Besitzer nicht, weil die Burg eigentlich immer schon etwas zu groß war und der sie umgebende Wald keinen Reichtum verheißt. „Die Familie bildete Kinder gut aus, damit sie Karriere machten, möglichst gut verdienten und zur Erhaltung der Stammburg beitragen konnten. Wenn es gut lief, war auch ein Kurfürst dabei.“ Oder eine reiche Frau, wie vor Generationen die letzte Fäustin von Stromberg. Ihr Vater nahm das Versprechen ab, den Namen zu erhalten. Das gilt bis heute.

    Die so in Ehren gehaltene Burg war schon kein Familienwohnsitz mehr, als sich einst Maler William Turner ansagte. Sie will Gästen das Leben von acht Jahrhunderten spiegeln, vom Herd bis zur „Madonna mit Kind und Traube“ von Lucas Cranach dem Älteren. Damit lehrt sie auch: Ohne den Adel gäbe es viele Museen nicht. Die 33. Generation sieht sich als Bewahrer eines „wunderbaren Geschenks“. Dessen Erhalt fordert das Paar aber trotz Touristenscharen finanziell derart stark, dass es selbst gar nichts Besonderes sammelt. Trotzdem macht die Burg in intakter Natur und (frühmorgens) in vollkommener Stille den Grafen glücklich – auch als Abwechslung zur laut-kühlen Großstadt. „Ich verbinde nur schöne Momente mit ihr“, schwärmt er jungenhaft-fröhlich. Am liebsten würde er seine Eltz nach all dem Stress wohl umarmen.

    Von unser Redakteurin Ursula Samary

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