Archivierter Artikel vom 05.01.2012, 18:24 Uhr
München

Social Media wie gemalt: Twitterer wählen Inhalt fürs #BuloBuch

Um ein Buch zu machen, gibt es sicher einfachere Wege als den des Karrikaturisten Bulo: viele Zeichnungen zu Papier bringen, die dann immer scannen und ins Netz twittern. Sie dort vom Schwarm sieben lassen – und schließlich die Auswahl zum Druck geben. So entstand „Das #BuloBuch“ mit den 50 beliebtesten Cartoons der Twitterer.

München – Um ein Buch zu machen, gibt es sicher einfachere Wege als den des Karrikaturisten Bulo: viele Zeichnungen zu Papier bringen, die dann immer scannen und ins Netz twittern. Sie dort vom Schwarm sieben lassen – und schließlich die Auswahl zum Druck geben. So entstand „Das #BuloBuch“ mit den 50 beliebtesten Cartoons der Twitterer.

Bulo öffnet die Hintergründe zur Erklärung mancher Phänomene.

Die (arrivierten) Politiker und ihr Verständnis vom Netz: Der Comic bringt auf den Punkt, was das Netz darüber denkt.

Und noch mal in die gleiche Kerbe: Bulo greift das oft verbreitete Meinung auf, das Internet sei ja so gefährlich.

Liebe wiegt schwerer als Hass- und Bulo ist nicht nur bissig: Diese optimistische Zeichnung zählt er auch zu den fünf liebsten in seienm Buch.

Es muss nicht immer politisch sein. Am Wletfrauentag am 8. März twitterte@DerBulo diese Zeichnung.

Diese und 45 weitere Cartoons sind in dem #BuloBuch erschienen. Auf dem Cover ist das Avatarbild von Bulos Twitteraccount, der...

... selbst so aussieht. Das Pseudonym Bulo hat er sich gegeben, weil seine Mutter unter eines der Werke des kleinen Peters „Bulo“ geschrieben hatte. Er hatte das wohl selbst so betitelt.

Twitter, das ist das schnelle Medium, heißt es. Irgendwie nicht greifbar, flüchtig, heißt es. Peter Böhling liebt den Dienst, auf dem er als @DerBulo unterwegs ist. Wer von sich sagt, als Zeichner nur Passgeber für den Betrachter zu sein, muss es lieben, dem Ball dann beim Rollen zuzuschauen. Twitter bietet ihm das.

Böhling, früherer Redakteur bei einer Fachzeitschrift, sagt aber auch, dass er vom Print kommt und an Print glaubt – er ist auch Herausgeber des Clap-Magazins. Da hat es ihn noch mehr gereizt, beides zu verbinden. Aus Twitter ein Buch entstehen zu lassen – „irgendwie ein Anachronismus“. Er hat sich aber von seinen Followern den Ball zurückspielen lassen: Sie sollten 50 seiner Zeichnungen für ein Buch auswählen, für das #BuloBuch.

Twitter

Fragen wir doch mal die Crowd: Welche Cartoons müssten unbedingt in ein #BuloBuch?

— Bulo (@DerBulo) November 19, 2011

Böhling ist bei Weitem nicht der einzige Zeichner auf der Plattform. @joschasauer („NICHTLUSTIG“) und @GUNGACartoons haben viel mehr Follower – aber Bulo ist dort der verlässlichste und der fleißigste. „Ich versuche, jeden Tag eine Zeichnung zu machen und zu twittern.“ Es gibt auch Tage, an denen er sich daran nicht hält. Manchmal sind das Tage, an denen er zwei twittert – oder noch mehr, wie aktuell zu Wulff. Da ist einiges zusammengekommen, seit er im Mai 2009 bei Twitter eingestiegen ist. Und der Gedanke, das vielleicht mal zusammenzustellen und herauszubringen, hatte ihn schon länger beschäftigt. „Aber du fragst dich schon, ob die Leute im Netz dann auch hingehen und das kaufen.“ Jens Bolm, Inhaber eines kleinen Verlags, muss die Frage für sich mit Ja beantwortet haben: Als Bulo mal im Scherz zu einer Zeichnung schrieb, er müsste eigentlich ein Kinderbuch damit machen, twitterte Bolm:

Bolm hat gerade erst mit „Roundhousekick“ ein Buch mit 500 Fakten zu Chuck Norris herausgebracht. Und er ist Fan von Bulo: „Weil es jemand retweetet hatte, war ich mal auf einen Comic gestoßen und bin ihm dann gleich gefolgt.“ Bulo kam auf das Angebot zurück...

... und das Projekt ins Rollen. Zunächst war die Idee, die Zeichnungen mit passenden Schlagzeilen aus Spiegel Online zu ergänzen. Doch das war schnell verworfen zugunsten der Idee, Twitter abstimmen zu lassen. Böhling und Bolm wissen beide auch, wie PR funktioniert ...

Fünf Wochen nach dem ersten Tweet war das Buch fertig – 104 Seiten, 9,95 Euro. Es war nicht das erste Buch Böhlings, der auch seine beiden Figuren „Herr Scheffe“ und „CreativeMan“ zwischen Deckel gepresst hat – beide nicht mehr vorrätig. „Aber es ist ganz klar mein liebstes, weil es zeigt, dass der Transfer aus dem Digitalen zu etwas zum Anfassen funktioniert.“

Das erste Buch, das via Twitter entstanden ist, ist es allerdings nicht. Der Pons-Verlag hat bereits zwei Sammlungen mit Tweets herausgebracht: „Das Leben in 140 Zeichen“ und „Ich kann auch ohne Dich unglücklich sein“. Und auch vom @haekelschwein, das auch auf zahllosen Fotos eine große Karriere macht, gibt es ein Buch mit Tweets. Florian Meimberg, mit seinem Account @tiny_tales Gewinner des Grimme Online Awards, hat aus seinen Kurzgeschichten in 140 Zeichen das Buch „Auf die Länge kommt es an“ zusammengestellt.

Nach dem Katastrophenbeben in Japan war zudem ein Buch mit einer bis dahin einzigartigen Entstehungsgeschichte erschienen: Für das #Quakebook hatte ein Englischlehrer in Japan über Twitter aufgerufen, „Geschichten von Schock, Überleben und Hoffnung“ einzuschicken. Es fanden sich nicht nur Texte, sondern auch Mitstreiter.

Lars Wienand