40.000
  • Startseite
  • » Heimatgeschichte
  • » Der Erste Weltkrieg
  • » Erster Weltkrieg: Ulan hatte Anrecht auf 11,40 Mark Sold
  • Aus unserem Archiv
    Langenlonsheim

    Erster Weltkrieg: Ulan hatte Anrecht auf 11,40 Mark Sold

    Das Soldbuch des jungen Preußen beweist, dass dem 1890 geborenen Wilhelm Bähr am 9. März 1915 in Saarbrücken diverse Bekleidungsstücke "verabreicht" wurden, wie es im wilhelminischen Militärdeutsch hieß.

    Von unserem Redakteur Armin Schuck

    Außer der Uniform nebst Unterwäsche, Brotbeutel, Patronentasche sowie einem Feldgesangbuch und einigem mehr gehörten auch Sporen zur Ausrüstung des jungen Westfalen, der aber gar kein Westfale war, sondern eigentlich aus Langenlonsheim stammte. Seine Familie hatte 1910 den Hof an der Nahe kurzerhand verkauft und war mit Kind und Kegel nach Westfalen gezogen. Dort bewirtschafteten die Bährs den Hof Finkenberg bei Breckerfeld im Kreis Hagen.

    Das Soldbuch ist nur eines von vielen Erinnerungsstücken, die nach dem Aufruf des Oeffentlichen Anzeigers auf dem Tisch der Bad Kreuznacher Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann gelandet sind. Darunter befinden sich zahllose Fotos und Postkarten, aber auch persönliche Dinge wie Orden, Pässe oder jenes Soldbuch, das inzwischen zwar vergilbt ist, aber, sorgfältig in Papier eingeschlagen, die 100 Jahre unversehrt überstanden hat. Der junge Wilhelm Bähr dürfte in der damaligen Zeit aufgefallen sein, war er mit 1,84 Meter doch überdurchschnittlich groß. Wie dem Soldbuch noch zu entnehmen ist, hatte er schwarzes Haar und war von schlanker Gestalt. Außerdem bescheinigt es ihm ein Anrecht darauf, zunächst 11,40 Mark, später 21 Mark Sold zu empfangen.

    Von Kindesbeinen an war Wilhelm mit Pferden vertraut, die als Arbeitstiere auf dem elterlichen Hof eingesetzt wurden. Das brachte ihn zu den Ulanen. Das preußische Kavallerieregiment "Großherzog Friedrich von Baden" (Rheinisches) Nr. 7 hatte neben Bonn und Saarlouis auch in Saarbrücken eine Garnison, wo Wilhelm zunächst ab 1912 seinen Dienst versah. Offenbar hatte er 1915 ein neues Soldbuch erhalten.

    "Mein Vater hat im Krieg meines Wissens nach nichts abgekriegt. Vielleicht, weil er Bursche war, ich glaube eines Rittmeisters." Friedhelm Bähr sitzt in der Küche des Langenlonsheimer Weinguts Bähr. Der 80-Jährige ist mindestens ebenso groß und schlank wie sein Vater. Zwar ist Friedhelm Bähr nicht mehr gut zu Fuß, aber zu dem Tor, vor dem vor fast genau 100 Jahren sein Großvater Konrad Lorenz mit Ehefrau Maria und Tochter Elise abgelichtet wurden, macht er sich gern auf: Es sind schließlich nur ein paar Meter in den Hof.

    Rückkehr an die Nahe

    Die hübsche Elise Lorenz sollte Jahre, nachdem die Aufnahme in dieser Hofeinfahrt gegenüber dem Langenlonsheimer Bahnhof entstand, jenen Wilhelm Bähr heiraten, den es 1912 als Ulan nach Saarbrücken verschlagen hatte. Seine Familie war im Jahr 1926 wieder aus Westfalen an die Nahe zurückgekehrt, und mit ihr Wilhelm, der in der alten Heimat wieder Fuß fasste. Kuriosum am Rande: Eine Schwester Wilhelms heiratete in jene Familie, die 1910 den Hof der Bährs gekauft hatte. Die Heimat hatte sie wieder.

    Friedhelm Bähr und sein Cousin Helmut haben noch etliche Dokumente aus jener Zeit. Der Stammbaum der Bährs reicht bis zu einem gewissen Heinrich Bähr im Jahr 1677 zurück. Es gibt noch ältere Hinweise, aber die sind leider nur vage, bedauert Helmut Bähr. Sein Vater Jakob war der jüngere Bruder Wilhelms, 1907 geboren und für den Ersten Weltkrieg zu jung. Er musste allerdings im Zweiten Weltkrieg einrücken und gilt bis heute als vermisst.

    Den Krieg überlebt

    Wilhelm Bähr überstand dagegen auch den Zweiten Weltkrieg. Sein Sohn Friedhelm kann sich an den Tag erinnern, als die ersten Amerikaner nach Langenlonsheim kamen, das Haus durchsuchten und alles mitnahmen, was von irgendwelchem Wert war. Dabei übersahen sie in einem Kleiderschrank ein Gewehr, das Wilhelm Bähr gehörte.

    "Zum Glück haben sie es übersehen, sonst hätten sie sofort geschossen", ist Friedhelm Bähr heute noch überzeugt. Seine Mutter Elise Bähr, geborene Lorenz, starb im Januar 1953, Vater Wilhelm im Alter von 74 Jahren im März 1965.

    Rhein-Zeitung, 19. April 2014

    Feldpostkarten: Viele Grüße an das Fräulein Else aus Sponheim Wilhelm Bähr: Ulan aus Langenlonsheim
    Der Erste Weltkrieg
    Meistgelesene Artikel