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Nassau

General Alexander von Falkenhausen: Chinesen auf Spurensuche in Nassau

48 Jahre nachdem der ehemalige General Alexander von Falkenhausen in Nassau starb, hat die Stadt seinetwegen außergewöhnlichen Besuch aus China bekommen. Auf Bitte und Vermittlung der chinesischen Botschaft in Berlin empfing Stadtbürgermeister Armin Wenzel gemeinsam mit den ehemaligen Stadtbürgermeistern Erich Bruchhäuser und Karl-Heinz Schönrock Yawen Zhang, Vizepräsidentin und Direktorin verschiedener Schriftstellervereinigungen in China, die an einer Biografie und einem Dokumentarfilm über das Leben und Wirken des deutschen Generals arbeitet.

Alexander von Falkenhausen, aufgenommen 1939. Foto: Bundesarchiv
Alexander von Falkenhausen, aufgenommen 1939.
Foto: Bundesarchiv

Begleitet wurde sie vom Konsul Den Weixing vom Generalkonsulat der Volksrepublik China in Frankfurt am Main. Dem Treffen wohnte auch Manfred Riege bei, der mit seiner Frau Gisela seit vielen Jahren in dem Haus lebt, in dem von Falkenhausen die letzten Jahre bis zu seinem Tod 1966 verbrachte.

Der 1878 in Schlesien geborene von Falkenhausen schlug bereits als Zwölfjähriger mit dem Eintritt in eine Kadettenanstalt die militärische Laufbahn ein, die für ihn erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges endete. Vom 19-jährigen Leutnant unter Hindenburg im Jahr 1897 über den Generalstabsoffizier im Ersten Weltkrieg vollzog sich diese Laufbahn bis zum Militärbefehlshaber von Belgien und Nordfrankreich von 1940 bis 1944. Dazwischen liegen zahlreiche wichtige Stationen und Aufgaben.

Gegen Boxeraufstand aktiv

Seine erste Begegnung mit China hatte der junge Leutnant des deutschen Ostasienkorps durch die Beteiligung an der Niederschlagung des dortigen Boxeraufstandes. Noch vor dem Ersten Weltkrieg war von Falkenhausen Offizier im Großen Generalstab und Militärattaché in Japan und während dieses Krieges Chef in unterschiedlichen Generalstäben ab 1916 – auch in der türkischen 7. Armee, wofür er den Orden "Pour le mérite" erhielt. Anfang 1930 wurde von Falkenhausen aus dem aktiven Militärdienst verabschiedet. Im April 1934 wurde er mit Einverständnis des Reichswehrministeriums zum Generalberater der Nationalregierung unter Marschall Chiang Kai-Shek in China. Vier Jahre verbrachte er dort aufgrund dieser Tätigkeit.

Yawen Zhang besucht auf ihrer Spurensuche in Nassau das Grab des Generals Alexander von Falkenhausen. Foto: Manfred Riege
Yawen Zhang besucht auf ihrer Spurensuche in Nassau das Grab des Generals Alexander von Falkenhausen.
Foto: Manfred Riege

"In seiner Jugend wollte Falkenhausen zunächst Entdeckungsreisender werden", heißt es im Internetlexikon Wikipedia über von Falkenhausen. Historiker Schönrock, der einige Jahre in Nassau von Falkenhausens Nachbar in der Emser Straße war, sagt, dass der General das Chinesische und das Land liebte. Er habe sogar in frühen Jahren Sinologie, also Chinawissenschaften studiert. Außerdem habe sich von Falkenhausen in Asien relativ frei vom unmittelbaren Einfluss Hitlers und der Nationalsozialisten gefühlt, denen er sehr kritisch gegenüberstand. Eigentlich, so schildert von Falkenhausen in seiner Biografie, wollte er für einige Zeit nach England, doch die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Deutschen vereitelte sein Vorhaben. Gegen seinen Willen wurde er 1939 aus dem Ruhestand zurückberufen und zum Stellvertretenden General des IV. Armeekorps in Dresden ernannt. "Ich habe mich nicht zur Verfügung gestellt. Da ich fast seit zehn Jahren außer Dienst gewesen und die längste Zeit des Hitler-Regimes im Ausland verbracht hatte, zudem auch nicht als Persona grata galt, rechnete ich im Kriegsfall gar nicht mit meiner Verwendung", schildert der General.

Mit Hitler-Attentätern in Kontakt

Aufgrund seiner Verbindungen zu den Hitler-Attentätern des 20. Juli 1944 wurde von Falkenhausen von der Gestapo verhaftet und in Konzentrationslager und Gefängnisse gebracht. Im Mai 1945 wurden er und andere deutsche Widerstandskämpfer aus der Inhaftierung befreit. Er kam in alliierte Gefangenschaft. Erst nach sechs weiteren Leidensjahren in mehr als 50 Gefängnissen und Konzentrationslagern verschiedener Länder und gerichtlichen Vernehmungen, unter anderem als Zeuge bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, kam von Falkenhausen im März 1951 frei. Noch 1950 stand er in Belgien vor Gericht, wo er zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, aber schließlich nach Deutschland abgeschoben wurde.

Am 4. März 1950 war von Falkenhausens erste Frau Paula gestorben. Damals noch in Haft, durfte er nicht an ihrer Beerdigung teilnehmen. Von Falkenhausen lebte nach seiner Freilassung unter anderem bei seinem Freund Franz von Papen, dem ehemaligen Reichskanzler. Schließlich mietete sich von Falkenhausen 1954 ein kleines Haus in Nassau. Er heiratete 1960 als 82-Jähriger die 54 Jahre alte Belgierin Cécile Vent, die er im Gefängnis St. Léonhard in Lüttich kennengelernt hatte. Von Falkenhausen starb am 31. Juli 1966 in Nassau und wurde auf dem dortigen Friedhof mit militärischen Ehren beigesetzt.

Den nun nach Nassau gereisten chinesischen Besuchern war die allgemeine Biografie Alexanders von Falkenhausen weitgehend bekannt. Sie waren nach Nassau gekommen, um über den Menschen, der in Nassau mit seiner zweiten Frau seinen Lebensabend verbrachte, Privates zu erfahren. Dazu konnten Bruchhäuser und Schönrock Erinnerungen beitragen. "Von Falkenhausen war ein sehr gebildeter Mensch", sagt Schönrock, der sich für von Falkenhausens Biografie auch aufgrund der gemeinsamen schlesischen Wurzeln interessiert.

Interesse aus Fernost

Die nassauischen Gastgeber begleiteten die chinesischen Gäste zur Grabstätte des Generals und seiner Frau Cécile und besuchten anschließend deren ehemaliges Wohnhaus in der Emser Straße. "Für die Chinesen ist von Falkenhausen ein ganz wichtiger Mann", erklärt Schönrock das auch heute noch große Interesse an dem General in Fernost.

Rhein-Zeitung, 22. August 2014

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