US Open
«Besorgniserregend»: Warum sind viele Tennisstars verletzt?
US Open
Novak Djokovic wird bei seinem Erstrundenaus am Rücken behandelt.
Frank Franklin II. DPA

Die Zahl der Verletzungen im Profitennis nimmt zu, auch Topstars sind betroffen. Was Alexander Zverev & Co. über die Gründe denken.

Lesezeit 2 Minuten

New York (dpa) – Die Tenniswelt ist alarmiert. Bei den US Open fehlt Jannik Sinner als Weltranglistenerster, Carlos Alcaraz feierte in New York gerade erst sein Comeback nach monatelanger Pause. Und auch insgesamt ist die Menge verletzter Profis aus Sicht von Brancheninsidern gravierend.

Die Spielergewerkschaft PTPA hat die Verletzungen analysiert. Das Ergebnis: Im ersten Quartal dieser Saison ist ihre Anzahl im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre deutlich angewachsen – bei Verletzungen am Oberkörper um 42 Prozent, bei Armverletzungen sogar um 112 Prozent. Auch Alcaraz wurde seit April von einer Verletzung am Handgelenk gestoppt.

«Diese Zahlen sind für die Gesundheit der Spieler inakzeptabel», bewertete Patrick Mouratoglou, langjähriger Trainer von Serena Williams, die Statistik und nannte die Entwicklung «besorgniserregend».

Was befeuert nun den Trend zu mehr Blessuren und längeren Ausfallzeiten? «Ich glaube immer noch, es hängt viel mit dem Belag und den Bällen zusammen», analysierte Alexander Zverev das Problem beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Diese Gründe gibt es für die Verletzungswelle:

Die Bälle

Für Zverev ist die Sache klar. «Die Bälle sind einfach ein bisschen toter geworden, man muss mehr auf den Ball draufhacken, damit der Ball irgendwo hingeht», sagte der 29 Jahre alte Sieger der French Open in New York. «Dadurch kommen die ganzen Handgelenks-, Ellenbogenverletzungen und Armprobleme.»

Auch aus Sicht von Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann hat das Spielgerät einen «großen Einfluss» auf die Verletzungen. Seit längerem bemängeln die Profis, dass der Trend zu Bällen gehe, die sich aufplustern. So wird das Spiel langsamer, die Ballwechsel länger sowie spektakulärer für die Zuschauer – damit aber auch anstrengender für die Profis.

In der Wahl der Ballmarke sind die Organisatoren der Turniere frei, die ständigen Wechsel von Woche zu Woche verärgern viele Spieler. Der Oberkörper muss sich dabei stets neuen Belastungen anpassen. Schon vor drei Jahren hatte Wortführer Novak Djokovic einen einheitlichen Ball gefordert. Die Männer-Profiorganisation ATP ließ eine dpa-Anfrage zu diesem Thema unbeantwortet.

Die Schläger

Auch aufgrund der unterschiedlichen Bälle bei den Turnieren variieren die Spieler mit unterschiedlichen Härten der Bespannung, erläuterte der frühere Profi Kohlmann. «Das hinzubekommen ist nicht so leicht. Das ist einer der Hauptgründe.» Für Boris Becker spielt ebenso eine wichtige Rolle, dass die Schläger im Vergleich zu seiner aktiven Karriere deutlich leichter geworden seien. «Du musst viel mehr aus dem Arm machen, um Druck zu machen.»

Der Platzbelag

Wie bei den Bällen geht auch beim Platzbelag der Trend zu einem langsameren Spiel. Die Folge: «Die Spieler verbringen deutlich mehr Zeit mit Ballwechseln von der Grundlinie aus bei sehr hoher Intensität und schlagen den Ball immer wieder extrem hart», sagte Coach Mouratoglou. «Das erzeugt eine enorme Belastung für Arm, Ellbogen und Schulter.»

Der Turnierkalender

Die Tennissaison kennt über elf Monate von Januar bis November fast keine Pausen. Dazu wächst die Zahl der verpflichtenden Turniere, die sich über mehr als eine Woche strecken. «Der Beweis ist klar: Die Saison ist zu lang, die Erholungszeit sinkt, Verletzungen passieren früher und werden schwerwiegender», prangert die Gewerkschaft PTPA an.

Doch auch die Profis kennen mit sich selbst keine Gnade. So treten hochbelastete Topspieler zu Einladungsturnieren an, die hohe Einnahmen versprechen, oder gönnen sich keine Pause und verschlimmern damit ihre Blessuren. «Ich kenne eine gute Handvoll an Spielern, die jetzt gerade ernsthaft verletzt sind», sagte der Amerikaner Mackenzie McDonald dem «Guardian». «Aber ich weiß, dass sie bei den US Open den Platz betreten, um sicherzustellen, dass sie Geld machen, weil sie Rechnungen zu bezahlen haben.»

© dpa-infocom, dpa:260901-930-613024/1

Ressort und Schlagwörter

GesundheitSport

Top-News aus der Region