Archivierter Artikel vom 05.06.2016, 18:25 Uhr
Mendig

Nach Unwetter mit mehr als 81 Verletzten bei Rock am Ring: Innenminister Lewentz schaltet ADD ein

Nach dem vorzeitigen Abbruch des Musikfestivals Rock am Ring in Mendig ist eine Diskussion über Sicherheit und Verantwortung bei Großveranstaltungen entbrannt. Innenminister Roger Lewentz will die Ereignisse vom Wochenende jetzt genau untersuchen lassen.

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Unheimliche Szenen beim Rock am Ring: Nach heftigen Unwettern wurde das Musikfestival vorzeitig abgebrochen.
Unheimliche Szenen beim Rock am Ring: Nach heftigen Unwettern wurde das Musikfestival vorzeitig abgebrochen.
Foto: Christoph Hamacher

Von Christian Lindner und Markus Kuhlen

Im Gespräch mit der Rhein-Zeitung sagte Innenminister Lewentz am Montag, dass er den neuen Präsidenten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz, beauftragt habe, die Vorfälle bei Rock am Ring mit mehr als 80 Verletzten genau untersuchen zu lassen. Die ADD war im Vorfeld von Rock am Ring bei der Erarbeitung der Rettungspläne eingebunden. Lewentz sagte weiter: „Als unabhängige Fachbehörde wird auch das Innenministerium die Erkenntnisse des Wochenendes sehr genau untersuchen, bewerten und für eine nächste Großveranstaltung in entsprechende Handlungsanleitungen umsetzen.“

Verletzte nach Blitzeinschlägen

Bereits am Freitagabend war ein Gewitter über dem Festival niedergegangen. Dabei wurden durch mehrere Blitzeinschläge 82 der rund 93 000 Fans verletzt, mindestens acht davon schwer. Ein Besucher musste reanimiert werden. Die Veranstaltung wurde für eineinhalb Stunden unterbrochen.

Am Samstag war das Festival nach intensiven Gesprächen zwischen Veranstalter Marek Lieberberg, Mendigs Bürgermeister Jörg Lempertz (CDU) und Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) aufgrund weiterer Unwetterwarnungen fürs Wochenende unterbrochen worden. Ab 21.30 Uhr traten auf allen vier Bühnen noch einmal Bands auf, bevor gegen 3 Uhr der endgültige Abbruch verkündet wurde. Die Besucher wurden gebeten, bis Sonntagmittag das Festivalgelände zu verlassen, da erneut heftige Unwetter erwartet wurden. Die Abreise der Zehntausenden verlief geordnet ab.

Nach dem Ende von Rock am Ring beginnt nun eine Diskussion über Sicherheit und Verantwortung. Denn obwohl Innenminister und Polizei dringend geraten hatten, das Festival nach den Blitzeinschlägen und weiteren Unwetterwarnungen abzubrechen, wurde am Samstag bis tief in die Nacht gefeiert. Veranstalter Marek Lieberberg ließ durchblicken, dass er schon die Unterbrechung bedauerte: „Ich hätte es vielleicht anders entschieden. Aber wir müssen uns den behördlichen Vorgaben beugen.“ Innenminister Roger Lewentz hingegen befand nach dem Abbruch: „Das war absolut die richtige Entscheidung. Letztendlich hat sich das Innenministerium durchgesetzt.“ Die letztliche Entscheidungsgewalt liegt bei der Verbandsgemeinde als genehmigende Behörde – nicht beim Land. Lewentz sagte dazu: „Die Erkenntnisse aus Rock am Ring sind: Die Entscheidungsebenen bei solchen Großveranstaltungen müssen weit genug weg sein, um in Gefahrenlagen ausschließlich an der Sicherheit orientiert entscheiden zu können. Eine Verbandsgemeinde ist für derartige Großveranstaltungen als Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde zu klein und zu nah dran.“

Aspekt der Sicherheit im Fokus

Neben der Debatte um Zuständigkeiten ist auch der Aspekt der Sicherheit bei Großveranstaltungen erneut in den Fokus gerückt. Bereits im Vorjahr hatte es nach einem Unwetter bei Rock am Ring 33 Verletzte gegeben, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Damals wie heute wurde klar, dass eine Menschenmenge dieser Größe in Extremsituationen nicht zu 100 Prozent zu schützen ist. Auch das wird ein Grund gewesen sein, das Festival am Samstag nicht sofort abzubrechen. Denn 93 000 Menschen können nicht ohne Vorbereitungszeit auf einen Schlag weggebracht werden. Zudem parkten 34 000 Autos der Besucher meist auf Wiesen und gemähten Äckern – diese waren nach den Regengüssen völlig aufgeweicht.

Auch die zunehmenden Unwetter stellen die Verantwortlichen bei Großveranstaltungen vor Probleme. So ist die Zeitspanne zwischen der Bestätigung eines Gewitters und dessen Eintreffen mitunter sehr kurz. Das Sicherheitskonzept zu Rock am Ring stellt Bürgermeister Lempertz nicht infrage. „Das Konzept wurde von Experten ausgearbeitet und einstimmig beschlossen. Es hat funktioniert.“ Der Flugplatz Mendig habe bewiesen, dass das Gelände im Notfall schnell geräumt werden kann.