Archivierter Artikel vom 08.06.2016, 19:04 Uhr
Mendig/Mayen

Nach Rock am Ring: Bisher 21 Besucher fordern Schadensersatz von Lieberberg

Nach dem verfrühten Ende von Rock am Ring haben jetzt die ersten Festivalbesucher einen Anwalt eingeschaltet, um gegenüber dem Veranstalter, der Marek Lieberberg Konzertagentur (MLK), ihre Interessen vertreten zu lassen.

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De Fans sind weg – jede Menge Müll ist aber noch da.
De Fans sind weg – jede Menge Müll ist aber noch da.
Foto: Andreas Jöckel

Von unseren Redakteuren Anke Mersmann und Hilko Röttgers

21 Ringrocker aus der Region beauftragten die Mayener Kanzlei Dittmann und Hartmann, sie dabei zu unterstützen, einen Teil des Eintrittspreises zurückerstattet zu bekommen. Ein reguläres Drei-Tage-Festival-Ticket kostete 185 Euro, inklusive Campen, Vorverkaufsgebühren und 10 Euro rückzahlbares Müllpfand.

Über Verhalten empört

Vertreten werden die 21 Festivalgänger von dem Rechtsanwalt Andreas J. Tryba. Er erklärt gegenüber unserer Zeitung, dass seine Mandanten vor allem über die Informationspolitik und die Vorgehensweise des Veranstalters empört sind. „Sie sind der Meinung, dass zu lange versucht wurde, die Lage schönzureden und die Besucher im Unklaren darüber gelassen wurden, was das Unwetter, das Aussetzen des Programms und die letztliche Absage samt der verfrühten Räumung der Campingplätze anging. Das hat zu chaotischen Zuständen geführt.“ In der Folge hätten seine Mandanten nicht nur Zelte, sondern auch persönliche Gegenstände zurücklassen müssen.

Die Chancen, für diese Verluste entschädigt zu werden, hält der Jurist für sehr gering. Allerdings erachtet er eine anteilige Erstattung des Ticketpreises für realistisch – eine Einschätzung, die unter anderem auch die Verbraucherschutzzentrale Rheinland-Pfalz teilt. Sie hält ein Drittel des Geldes für möglich, Rechtsanwalt Tryba denkt sogar, dass der Eintritt bis zur Hälfte erstattet wird. Unter anderem sei nicht nur ein Festivaltag ausgefallen, sondern mit Black Sabbath auch einer der Hauptacts nicht aufgetreten.

Gleichwohl betont der Jurist, wollen seine Mandanten keine überzogenen Forderungen an MLK stellen. Sie wollen berechtigte Ansprüche geltend machen, weil eine bezahlte Leistung nicht vollständig erbracht wurde. Zeitnah will Tryba daher ein Anspruchsschreiben an die Veranstalter schicken. „Darüber kommt man hoffentlich in Gespräche. Meine Mandanten streben keine rechtliche Auseinandersetzung an – sollten alle Stricke reißen, gehen sie aber den Klageweg“, erklärt der Jurist. Bislang habe sich der Veranstalter in puncto Entschädigung sehr bedeckt gehalten und lediglich auf seiner Internetseite geschrieben, nach einer fairen Lösung suchen zu wollen.

Bis zu 900 Tonnen Schrott

Derweil laufen auf dem Flugplatz Mendig die Aufräumarbeiten nach Rock am Ring auf Hochtouren und gehen nach Einschätzung des Veranstalters gut voran. Das teilte Katharina Wenisch, Sprecherin des Veranstalters, auf Anfrage mit. Die wesentlichen Aufräumarbeiten sollen bereits am morgigen Freitag weitgehend abgeschlossen sein – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Neben dem üblichen Festivalmüll waren dieses Mal auch besonders viele Zelte und Campinggegenstände auf dem verschlammten Gelände zurückgeblieben.

Den Hinterlassenschaften der Ringrocker rücken die Aufräumtrupps bereits seit Montag zu Leibe. Zeitweise sind nach Angaben des Veranstalters bis zu 120 Helfer mit den Arbeiten beschäftigt. Es kommen zudem zehn Spezialmaschinen zum Einsatz. So soll eine Müllmenge von 700 bis 900 Tonnen beseitigt werden, wie erste Schätzungen ergeben haben. Was die Aufräumarbeiten kosten werden, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Es steht aber fest, dass die Kosten erheblich höher sein werden als im Vorjahr.