Archivierter Artikel vom 11.07.2013, 12:42 Uhr
Moskau

20 neue Exemplare für Russlands Geheimdienst: Schreibmaschine blüht wieder auf

Zum Schutz streng geheimer Informationen vor Computerspionage setzen russische Sicherheitsdienste verstärkt wieder auf die Schreibmaschine. Dabei wird offenbar deutscher Technik vertraut.

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Die Geheimniskrämer hauen wieder in die Schreibmaschinentasten. Dieses Modell allerdings steht im früpheren Bunker der rheinland-pfälzischen Landesregierung...
Die Geheimniskrämer hauen wieder in die Schreibmaschinentasten. Dieses Modell allerdings steht im früpheren Bunker der rheinland-pfälzischen Landesregierung...
Foto: dpa

Der Föderale Schutzdienst (FSO), der als einer der russischen Geheimdienste für die Sicherheit des Präsidenten und der Regierung zuständig ist, bestellte nach einem Bericht der Zeitung „Iswestija“ nun 20 Schreibmaschinen. Besonders heikle Dokumente würden demnach nur auf Papier und nicht auf elektronischen Datenträgern archiviert, um sie zu schützen.

Des russischen Geheimagents – vielleicht nicht liebstes – Arbeitsgerät. Die Triumph-Adler Twen 180 soll dort bevorzugt im Einsatz sein. In Deutschland produziert wird sie nicht mehr.
Des russischen Geheimagents – vielleicht nicht liebstes – Arbeitsgerät. Die Triumph-Adler Twen 180 soll dort bevorzugt im Einsatz sein. In Deutschland produziert wird sie nicht mehr.

Üblich sei diese Praxis in Russland nicht nur in den Geheimdiensten, sondern auch im Verteidigungs- und im Zivilschutzministerium. Der frühere Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Kowaljow, sagte der Zeitung, dass auch die handschriftliche Aufzeichnung geheimer Informationen üblich sei. Dem Bericht zufolge ist besonders das deutsche Modell Triumph-Adler Twen 180 bei den russischen Geheimdiensten beliebt. Das verfügt immerhin auch über ein Typenrad mit “@"-Zeichen und kommt auf eine Druckgeschwindigkeit von elf Zeichen in der Sekunde.

Sollte in der Fülle von Geheimdienstmitarbeitern ein neuer gigantischer Absatzmarkt schlummern, dann wird dieses Geschäft allerdings an Triumph-Adler vorbeigehen. Schreibmaschinen werden selbst nicht mehr produziert, die Sparte ist mit den Namensrechten an das in Kaarst sitzende Unternehmen Bandermann verkauft worden, nachdem die Adlerwerke seit 1898 als erstes deutsches Unternehmen fabrikmäßig Schreibmaschinen hergestellt hatten. Dort konnte am Donnerstag niemand sagen, wo die Schreibmaschinen produziert werden und in welcher Zahl.*

Wichtig sei für die Sicherheitsdienste, dass jede Schreibmaschine ihre eigene Signatur habe – anders als etwa in Serienproduktion hergestellte Drucker. So könne jedes Dokument einer bestimmten Maschine zugeordnet werden.

Der Sprecher des russischen Staatsschutzes FSO, Sergej Dewjatow, sagte der Agentur Itar-Tass, dass auch alte abhörsichere Telefonleitungen weiter genutzt würden für vertrauliche Gespräche zwischen den Staatsführungen. Die erste Leitung zwischen der Sowjetunion und den USA sei vor gut 50 Jahren am 20. Juni 1963 eingerichtet worden, sagte er.

*In einer früheren Fassung des Textes hatten wir geschrieben, Triumph-Adler habe die Sparte nach Asien verkauft. Das Unternehmen hat die Angabe inzwischen korrigiert.