Interview 1999 in Hachenburg
Wolfgang Niedecken saß da im Bademantel
Wolfgang Niedecken bei einem Konzert in Hachenburg. So wie schon 1999 war der Kölschrocker mit seiner Band BAP auch 2002 in der
Wolfgang Niedecken bei einem Konzert in Hachenburg. So wie schon 1999 war der Kölschrocker mit seiner Band BAP auch 2002 in der Rundsporthalle zu Gast.
Bettina Röder-Moldenhauer. römo

Wolfgang Niedecken zu begegnen, ist ein Erlebnis. Seit 50 Jahren ist der Kölschrocker das Gesicht von BAP. Schon 1999 war er einer der ganz Großen – und völlig ohne Starallüren, wie Maja Wagener als junge Journalistin in Hachenburg erfahren durfte.

Lesezeit 3 Minuten

Es war am 28. März 1999 in der Rundsporthalle in Hachenburg. Nach einem dreistündigen, von 2000 begeisterten Fans gefeierten Konzert der Band BAP alias „Huckepack“ standen zwei Journalisten vor der inzwischen verwaisten Bühne und drückten sich selbst die Daumen. Es half: Wolfgang Niedecken war nach diesem zweiten Konzert auf der Vor-Tour zum Album „Comics & Pin-ups“ tatsächlich noch zu einem Interview bereit.

Dabei hatte der BAP-Frontmann in den Stunden vorher alles gegeben. Zusammen mit Gitarrist „Major“ Klaus Heuser, der in diesem Jahr zum letzten Mal mit BAP auf Tour war, ebenso wie Keyboarder Axel Büchel, mit Multi-Instrumentalist Jens Streifling, Bassist Werner Kopal, Schlagzeuger Jürgen Zöller und Percussionistin Sheryl Hackett brachte Niedecken den Saal zum Kochen. Besonders bei Klassikern aus den bis dahin immerhin mehr als 20 Jahren Bandgeschichte, etwa „Do kanns zaubere“ oder „Verdamp lang her“, tanzte und sang das Publikum aus vollem Herzen mit.

Maja Wagener
Maja Wagener
Jens Weber. MRV

Die Westerwälder hatten einige Erfahrung als, wie Niedecken sie nannte, „Versuchskaninchen“ für die Setlist. Denn Hachenburg stand da schon zum dritten Mal auf der Vor-Tour-Liste der Kölner Band. Die Fans hatten genau gewusst, wer sich hinter „Huckepack“ verbarg.

Und nach diesem Abend voller Musik, Schweiß, Euphorie und Emotionen also ein Interview. Ein Kollege von einem anderen Medium und ich wurden in einen kleinen Nebenraum geführt. Dort saß, lässig und im Bademantel, Wolfgang Niedecken. Er begrüßte uns freundlich und stieg sofort ins Gespräch ein. Sehr entspannt antwortete er auf unsere Fragen. „Total happy“ sei er mit dem Verlauf des Konzerts. „Wir sind so weit wie noch nie nach einem zweiten Konzert auf einer Warm-up-Tour“, stellte Niedecken fest.

„Eine Tour mit Kloß im Hals und Tränendrüse ist scheiße.“
Wolfgang Niedecken 1999 zur Trennung von Leadgitarrist und Weggefährtem „Major“ Klaus Heuser

1999 stand die Trennung von „Major“ Klaus Heuser kurz bevor, der seit 1980 Teil der Band und ein wichtiger Impulsgeber war. In einem aktuellen Interview mit meinem Kollegen Stefan Schalles sagt Niedecken heute, die Trennung von dem Lead-Gitarristen sei die „erste große Wegmarke“ für BAP gewesen.

Damals stellte ich die Frage, ob sich ihr Verhältnis zueinander geändert habe angesichts der anstehenden Trennung. „Unter uns hat sich nichts geändert. Das hat ganz einfach was mit Respekt zu tun. Wir arbeiten so lange zusammen und mögen einander so, dass man die Entscheidungen des anderen akzeptiert“, machte Niedecken deutlich. Empfand er etwas Schwermut? „Sicher. Aber die darf man einfach nicht aufkommen lassen. Eine Tour mit Kloß im Hals und Tränendrüse ist scheiße“, antwortete der Sänger beeindruckend ehrlich.

Für mich war es eine schöne Erfahrung

2026 ist Wolfgang Niedecken wieder mit BAP unterwegs, zur Jubiläumstour, denn die Kölschrockband wird 50 Jahre alt. Das weckt Erinnerungen. Für mich war der Musiker und Künstler der erste Prominente, dem ich – nach nur wenigen Monaten bei der Rhein-Zeitung – in meinem Job begegnete. Dank seiner freundlichen Art und des selbstverständlichen Respekts, den er mir, einer jungen Journalistin, entgegenbrachte, war es eine sehr schöne Erfahrung.

Die Autorin

Maja Wagener hat Deutsche Literaturwissenschaft, Mediävistik und Philosophie in Eichstätt und Freiburg studiert. Zum Journalismus kam sie 1995 durch eine freie Mitarbeit beim „Donaukurier“ in Ingolstadt, zur Rhein-Zeitung 1998. Hier berichtete sie als feste Mitarbeiterin bis 2004 aus den Verbandsgemeinden Hachenburg und Bad Marienberg, bevor sie PR studierte, eine eigene Agentur gründete und später als Unternehmenssprecherin arbeitete. 2021 kehrte Maja Wagener als Redakteurin in den Journalismus zurück. Ab 2023 war sie festes Redaktionsmitglied der Westerwälder Zeitung und berichtete mit viel Herzblut über Themen aus dem Unterwesterwald. Seit November 2024 ist sie als Chefreporterin in den Landkreisen Neuwied und Ahrweiler unterwegs. Ihr Fokus liegt auch hier vor allem auf Menschen und ihren Geschichten. Darum ist sie Journalistin geworden: „Weil es für mich der schönste Beruf von allen ist und ich als Journalistin im lokalen Bereich mit meiner Berichterstattung etwas bewegen kann.“

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