Die Ahrtalbahn fährt wieder
Wenn eine ganze Region auf den Zug wartet
Am 12. Dezember wurde der hintere Teil der Ahrstrecke zwischen Walporzheim und Ahrbrück freigegeben. An den Bahnhöfen (wie hier
Am 12. Dezember wurde der hintere Teil der Ahrstrecke zwischen Walporzheim und Ahrbrück freigegeben. An den Bahnhöfen (wie hier in Altenahr) herrschte großer Trubel.
Martin Gausmann

Seit Dezember rollen die Züge durchs Ahrtal wieder bis nach Ahrbrück. Der vollständige Wiederaufbau der Bahntrasse gilt als Etappenerfolg auf dem Weg zurück zur Normalität. Bei den ersten Besucherfahrten wollten besonders viele dabei sein.

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Bahnfahren ist etwas sehr Zweckmäßiges. Klar, je nach Streckenverlauf lohnt schon mal der Blick durchs Fenster in die grüne Natur oder auf bekannte Sehenswürdigkeiten. Von manchen wird auch der Reisekomfort gepriesen. Doch in erster Linie geht es schlicht darum, von A nach B zu gelangen. Wer Mitte Dezember des vergangenen Jahres in einem der ersten Züge zwischen Walporzheim und Ahrbrück saß, dem wurde offenbar: Neben ihrem praktischen Nutzen kann so eine Bahnfahrt auch ideelle, ja emotionale Bedeutung haben.

Der hintere Teil der Ahrtalstrecke ist erst seit Ende des vergangenen Jahres wieder regulär befahrbar, nachdem die so leidvolle Flutwelle die Gleise im Juli 2021 einfach weggespült hatte. Die starke Einschränkung bei der Anbindung ans Nahverkehrsnetz wirkte ebenso wie die vielen Ruinen wie ein Mahnmal an jenen Tag, der das Ahrtal nicht nur optisch stark veränderte. Umso beeindruckender war die Stimmung, als die ersten Lokomotiven wieder bis an den Zielbahnhof in Ahrbrück rollten. Die Freigabe von 14 Kilometern Gleisen markierte einen Meilenstein beim Wiederaufbau.

Volontär Johannes Kirsch
Volontär Johannes Kirsch
Kevin Rühle

Als ich im Oktober mein Volontariat in der Lokalredaktion Ahrweiler begonnen habe, war mir schnell klar, welche Bedeutung der 12. Dezember für die Region hatte: Jener Freitag, für den die ersten Besucherfahrten vorgesehen waren, wirkte im Vorfeld wie ein Fixstern, an dem sich neben der Deutschen Bahn und den vielen Bauarbeitern auch die Arbeit in der Redaktion orientierte. Sei es die Wiederherstellung der Trasse, ein Brückeneinhub, die Elektrifizierung der Strecke oder die Umgestaltung der Bahnhöfe: Sehr vieles, was sich in der Region bewegte, und auch unsere Berichterstattung waren eng mit dem Wiederaufbau der Ahrtalbahn verbunden.

Gerade noch so einen Platz ergattert

Als schließlich der 12. Dezember gekommen war, begab ich mich nach Dernau, um von dort als Reporter mit dem ersten für die Öffentlichkeit zugänglichen Sonderzug nach Altenahr zu gelangen. Glückselig, irgendwo im Zug noch Platz – einen Stehplatz wohlgemerkt – gefunden zu haben, stand ich dicht gedrängt mit den anderen Fahrgästen im Zug und fühlte mich wie eine Sardine in der Büchse. Trotz der räumlich beengten Situation hat sich die Fahrt gelohnt. Allein die Vielzahl an Schaulustigen, die sich nicht nur am Haltepunkt in Dernau, sondern etwa auch in Rech, Mayschoß und ganz besonders in Altenahr versammelt hatten, war bemerkenswert. Das ganze Ahrtal wartete auf den Zug, so mein Eindruck.

Auf jener ersten Besucherfahrt konnten längst nicht alle mitfahren, die dies beabsichtigten. Der Platz reichte schlicht nicht aus. Die Menschen kamen in Scharen. Ein Remagener erzählte mir: „Ich fahre eigentlich sehr selten mit der Bahn. Aber die heutige Sonderfahrt wollte ich mir nicht entgehen lassen.“ Für die Menschen an der Ahr war es ein besonderer Moment. Ihre Ahrtalbahn ist wieder zurück. Und dank Elektrifizierung und barrierefreier Bahnhöfe moderner als zuvor.

Der Autor

Johannes Kirsch, 27 Jahre alt, begann im Herbst 2025 sein Volontariat bei der Rhein-Zeitung. Zunächst arbeitete er in der Lokalredaktion Ahrweiler, seit April dieses Jahres gehört er der Lokalredaktion Rhein-Hunsrück an. Vor seinem Volontariat studierte er in Trier Politikwissenschaft und Katholische Theologie (Bachelor) sowie „Demokratische Politik und Kommunikation“ (Master). Während seines Studiums sammelte er zwei Jahre lang als freier Mitarbeiter Erfahrungen im Lokaljournalismus. Zur Arbeit eines Journalisten sagt er: „Voneinander lernen und mehr übereinander erfahren – das macht für mich menschliches Zusammenleben aus. Ich will es mir in meinem Beruf zur Aufgabe machen, stets ein offenes Auge für die kleinen Besonderheiten des Alltags zu haben – und gleichzeitig kritisch zu hinterfragen, was mir andere als Wahrheit verkaufen.“

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