Bekommt die Westerwälder Kreisstadt die größte Jugendherberge des Landes? Eine Weile sah es so aus, als erste Planungen des Landesverbands der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland vorgestellt wurden: Mit 390 Betten sollte die City-Jugendherberge in Montabaur die größte im Verband, also sogar beider Bundesländer werden. Das jüngste Statement zu dem Großvorhaben von Jacob Geditz, Vorstandsvorsitzender des Verbands, liegt mehr als ein halbes Jahr zurück – hängt doch jetzt alles an einer ganz anderen Montabaurer Millionenbaustelle.
Denn die City-Jugendherberge soll aus dem derzeitigen Verwaltungssitz am Konrad-Adenauer-Platz inmitten der Kernstadt entstehen. Die Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung bereiten sich schon seit Jahren darauf vor, in den nahe gelegenen Rathaus-Neubau am Gerberhof umzuziehen – war doch zunächst mit einer Fertigstellung des sogenannten Verbandsgemeindehauses bereits Ende 2023 gerechnet worden. Corona, Ukraine-Krieg, Energiekrise und Probleme auf der Baustelle haben das Projekt mit 38 Millionen Euro aber nicht nur viel teurer gemacht, sondern auch um Jahre verzögert.

Bevor die Verwaltung aber den weitläufigen 80er-Jahre-Verwaltungsbau nicht geräumt hat, kann der ähnlich aufwendige Komplettumbau zur Jugendherberge nicht beginnen. Ein Kaufpreis musste in der Gesamtbaukostenschätzung von 22,5 Millionen Euro übrigens nicht einkalkuliert werden: Stadt und Verbandsgemeinde Montabaur haben beschlossen, als Investitionsanreiz auf eine Zahlung zu verzichten. Doch die politischen Entscheidungsträger sind vor allem erleichtert, mit dem Investor Jugendherbergswerk einen enormen Leerstand im Herzen der Kreisstadt verhindern zu können. Denn die wenigen anderen Interessenten waren angesichts der Größe und Kosten des Projekts abgesprungen.
„Bei unseren Jugendherbergen ist es gut, eine unterschiedliche Struktur von Angeboten zu haben. Wir wollen auch neue Gäste ansprechen.“
Jacob Geditz, Vorstandsvorsitzender des Landesverbands der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland
Das „Verschenken“ des Anwesens ist nicht der einzige Kritikpunkt von Gegnern des Projekts: Sie fürchten Lärm und Verkehr durch den großen Beherbergungsbetrieb mitten in der Stadt – und nicht zuletzt gesellschaftliche Probleme mit einer jugendlichen Klientel, die im direkten Umfeld der Herberge kaum Betätigung finde. Dagegen hatte Geditz von Beginn an argumentiert: „Wäre die Jugendherberge im Grünen und hätte kein Außengelände, wäre das natürlich ein Manko. Wenn Sie aber einen Workshop in der künftigen Jugendherberge in Montabaur besucht haben, sind Sie froh, wenn Sie abends in die Fußgängerzone gehen und am Stadtleben teilhaben können. Bei unseren Jugendherbergen ist es gut, eine unterschiedliche Struktur von Angeboten zu haben. Wir wollen auch neue Gäste ansprechen.“
Zurück zur Eingangsfrage: Wird die geplante City-Jugendherberge in Montabaur die größte im Land? „Im Raumkonzept hat sich etwas bei den Veranstaltungsräumen und der Bettenzahl verschoben. Es werden 343 Betten sein. Das wäre dann die zweitgrößte Jugendherberge in Rheinland-Pfalz“, antwortet Jacob Geditz. Dann kann es immerhin die größte City-Jugendherberge werden – wenn die Verwaltung endlich umgezogen ist.
Im Frühjahr sorgte die Meldung, dass im Montabaurer Stadtzentrum eine City-Jugendherberge entstehen soll, für Schlagzeilen. Nun ist klar, dass der damals vorgestellte Zeitplan nicht einzuhalten ist. Grund hierfür ist ein anderes Bauprojekt.
Zeitplan für City-Jugendherberge ist nicht zu halten
Die Autorin
Katrin Maue-Klaeser hat in Bingen Umweltschutz studiert, ehe sie 1993 als freie Mitarbeiterin der Rhein-Zeitung erste journalistische Erfahrungen in den Lokalredaktionen Bad Ems und Diez sammelte. Seither hat sie bei der Rhein-Zeitung volontiert und an mehreren Stationen im Haus verschiedene Aufgaben vor allem für Rhein-Lahn- und Westerwälder Zeitung übernommen, bis sie 2022 stellvertretende Redaktionsleiterin der Westerwälder Zeitung und 2023 Chefreporterin des Redaktionsverbundes Westerwald wurde. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert lebt sie in Montabaur und verfolgt die rasante Entwicklung der Kreisstadt mit großem Interesse, wenngleich mit dem gewissen Abstand der „Zugereisten“.



