Uralte Madonnenfigur erbeutet
International bekannter Kunstdieb schlägt an Mosel zu
Der Treis-Kardener Pastor Hermann-Josef Flöck ist froh darüber, dass eine 2017 gestohlene hölzerne Madonna wieder ihren Platz in
Der Treis-Kardener Pastor Hermann-Josef Flöck ist froh darüber, dass eine 2017 gestohlene hölzerne Madonna wieder ihren Platz in der Kardener Kirche St. Castor einnehmen wird. Ein gut 5000 Euro teures Glasgehäuse sichert den Reliquienschrein nun gegen Diebe. Ein kurioser Kriminalfall genügt.
Heinz Kugel

Von einem Holzschrein aus dem späten 15. Jahrhundert in der Kirche St. Castor in Treis-Karden verschwindet Anfang des Jahres 2017 eine kleine Muttergottesfigur spurlos. Von einem Dieb herausgebrochen. Die Geschichte ihrer Rückkehr ist bemerkenswert.

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Selbst ein stabiler Diebstahlschutz ist manchmal nicht gut genug. Für diese recht banale Erkenntnis liefert die Geschichte vom Raub der Kardener Madonna ein beredtes Beispiel. Besonders im Gedächtnis des Autors ist sie jedoch haften geblieben, weil ein Lokaljournalist selten über international agierende und gesuchte Kunstdiebe schreibt. Und weil im Laufe der Recherche schnell deutlich wurde: Diese Story ist nicht nur kriminell spannend, ihr wohnt viel Wundervolles inne – egal, ob man nun an die Existenz höherer Mächte glaubt oder nicht.

Den Anruf, den er schon längst nicht mehr für möglich hält, bekommt Hermann-Josef Flöck, Pfarrer der Kardener Pfarrei Sankt Castor und Gefährten, am 13. Februar des Jahres 2019: Am anderen Ende der Leitung ist das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden: „Wir haben Ihre Madonnenfigur“, heißt es. Die Rede ist von einer hölzernen Muttergottesstatue mit Jesuskind. Ein Dieb hatte sie gut zwei Jahre zuvor aus dem Reliquienschrein des heiligen Castor in der früheren Stiftskirche herausgebrochen. Seither war sie verschwunden.

David Ditzer
David Ditzer
Kevin Rühle

Der 13. Februar ist jedoch nicht irgendein Tag, sondern der Gedenktag des Schutzheiligen der Kirche am Moselufer, die von Einheimischen liebevoll „Kardener Dom“ genannt wird. Und an diesem Tag nimmt der Reliquienschrein, in dem sich noch Gebeine des Heiligen befinden sollen, eine besondere Rolle ein: In einer Prozession wird er durch die Reihen der Gläubigen in der Kirche getragen. Pastor Flöck nennt diese scherzhaft „Castortransport“.

Vom Tag des Anrufs bei Flöck an dauert es noch zwei Jahre, bis die gestohlene Muttergottes wieder an einem solchen „Castortransport“ teilnimmt. Grund: Bis Anfang November 2020 wird sie noch als Beweismittel benötigt – im Zusammenhang mit einem Verfahren gegen den international bekannten Kunstdieb Stéphane Breitwieser. Kartonweise hatten Fahnder diese im Februar 2019 aus Breitwiesers Wohnung im französischen Marmoutier geholt. So beschrieb es eine Kollegin der „Badischen Zeitung“.

Im Dezember des Jahres 2020 treffen sich die Koblenzer Restauratorin Katrin Etringer und der Treis-Kardener Pfarrer Hermann-Jose
Im Dezember des Jahres 2020 treffen sich die Koblenzer Restauratorin Katrin Etringer und der Treis-Kardener Pfarrer Hermann-Josef Flöck in der früheren Stiftskirche "St. Castor". Etringer beseitigt Diebstahlschäden von einer Muttergottesfigur, die der international agierende Kunstdieb Stéphane Breitwieser bereits vor dem 1. Februar 2017 entwendet hatte.
David Ditzer/Archiv

Vor Gericht gibt der Dieb an, sich jeweils in die Objekte seiner kriminellen Begierde „verliebt zu haben“. Ja, es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie Breitweiser irgendwann vor dem 1. Februar 2017 die Muttergottesfigur im Reliquienschrein der Kardener Kirche anhimmelte. Ihr Lächeln ist unnachahmlich und bezaubernd. Schwieriger dürfte es da gewesen sein, die herausgebrochene Holzfigur durch die Bögen einer schützenden Tumba aus Stahl zu fingern, die den Schrein aus dem späten 15. Jahrhundert schon zum Zeitpunkt Diebstahls umgab.

Heute wehrt zusätzlich ein Glasgehäuse kriminelle Gelüste notorischer Kleptomanen ab. Bewundernswert ist die Schönheit des Schreins und der kleinen Muttergottesfigur nach wie vor. Ist die Geschichte ihrer sicheren Rückkehr nicht wundervoll? Ebenso wie folgende Tatsache: Eine kleine Statue, vor mehr als 500 Jahren geschaffen, bedeutet Menschen immer noch viel – nicht nur wegen ihres bezaubernden Lächelns.

Der Autor

David Ditzer, Jahrgang 1978, trat schon sein Magisterstudium an der Universität Siegen (Fächer: Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft) mit dem Ziel an, Journalist zu werden. Während des Studiums (1998 bis 2003) arbeitete er als freier Mitarbeiter für die Lokalredaktion Lennestadt (Kreis Olpe) der „Westfalenpost“. Den Magisterabschluss in der Tasche, bewarb er sich im Sommer 2003 um einen Platz im Masterstudiengang Journalismus an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Im Jahr 2005 beendete er es mit einem Masterabschluss. Auf ein kurzes Intermezzo in der Öffentlichkeitsarbeit folgte im Juli 2006 die Rückkehr zur Tageszeitung. Bei der Rhein-Zeitung absolvierte er von Juli 2006 bis Juni 2008 ein Volontariat in der Lokalredaktion Cochem, wo er danach fortan als Redakteur und Reporter tätig war. Heute ist er als Chefreporter Mitglied im Leitungsteam des Redaktionsverbundes Rhein-Mosel, wobei er sich dem Kreis Cochem-Zell nach wie vor in besonderer Weise verbunden fühlt.

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