Magie des Lokaljournalismus
Höhner-Sänger, „November Rain“ und die Ukulele
Höhner-Frontmann Patrick Lück (links) übt im Podcaststudio der Rhein-Zeitung mit "RZähl mal!"-Host Christian Mack "November Rain
Höhner-Frontmann Patrick Lück (links) übt im Podcaststudio der Rhein-Zeitung mit "RZähl mal!"-Host Christian Mack "November Rain" von Guns 'N Roses mit Ukulelenbegleitung ein.
Kevin Rühle. Kevin Ruehle

Wie es dazu kam, dass Höhner-Frontmann Patrick Lück sich auf ein zweifelhaftes musikalisches Crossover eingelassen hat, wie man alte Freunde wiederfindet und was das Ganze mit der Urkraft des Lokaljournalismus zu tun hat.

Lesezeit 3 Minuten

Auf den ersten Blick mag die Anekdote, die ich erzählen will, nicht hier her passen: Zum einen, weil ich erst seit ein paar Monaten Teil der Rhein-Zeitung bin und daher nicht wie andere Kolleginnen und Kollegen auf eine Fülle an Recherchen und Storys aus jahrzehntelanger Mitarbeit zurückblicken kann. Zum anderen, weil meine Aufgabe bei der Rhein-Zeitung nicht primär darin besteht, Geschichten aufzu schreiben.

Auf der anderen Seite eignet sich die Begegnung, über die ich schreiben will prima, um deutlich zu machen, was Lokaljournalismus im besten Fall leisten kann und will: nämlich Menschen zusammenbringen und Identität stiften. Dass genau das nicht nur durch das Aufschreiben von Storys möglich ist, sondern auch mit einem Podcast, ist ein schöner Nebeneffekt, der auf die Zukunftsfähigkeit der Rhein-Zeitung verweist.

Aber genug der Vorrede! Wir befinden uns im Podcaststudio der Rhein-Zeitung, der Aufnahmeknopf am Mischpult leuchtet rot, die Schallvorhänge sind zugezogen. Auf der anderen Seite des Mischpultes steht Patrick Lück, gebürtiger Westerwälder und Frontmann einer der traditionsreichsten Rockgruppen des Kölner Karnevals. Er singt mit halb geschlossenen Augen und der für ihn typischen Hingabe „November Rain“ von Guns ’N Roses, während ich mit einem leichten Schweißperlenfilm auf der Stirn versuche, ihn an der Ukulele zu begleiten.

Christian Mack
Christian Mack
Kevin Rühle

„Was für eine Schnapsidee hattest Du da?“, denke ich noch, während Patrick den Takt klopft und singt. Sich mit einem Profimusiker in ein Aufnahmestudio zu stellen und auf dieser Minigitarre mit eingebautem Hawaii-Feeling eine große Rockballade runterzuschrummeln. Aber die Aufnahme läuft bereits und uns gelingt tatsächlich ein sauberer Take dieses zweifelhaften musikalischen Crossovers. Warum Patrick Lück sich auf diese spontane Jamsession eingelassen hat? „November Rain“ war der erste Song, den der heutige Höhner-Sänger auf einer Bühne singen durfte – damals bei seiner Schulabschlussfeier in Wissen.

Das so entstandene Video dient wenig später als Bewerbung unseres Talk-Podcasts „RZähl mal!“ auf Instagram. Und jetzt kommt die eigentliche Pointe: Wenig später meldet sich bei mir eine alte Freundin, die ich seit vielleicht 10 Jahren nicht mehr gesprochen habe. Kennengelernt hatten wir uns vor 20 Jahren in einem Altenheim in Bonn. Sie machte damals dort ein FSJ, ich meinen Zivi. Über Wegzug, Familiengründung und Alltagsstress hatten wir uns aus den Augen verloren. Und jetzt schreibt sie mir, weil sie das Video gesehen hat, mittlerweile in den Heimatort von Patrick Lück gezogen ist und dort verrückter Weise die Nachbarin des Höhner-Sängers ist!

„Klein ist die Welt!“ und „Was Lokaljournalismus alles vermag!“, denke ich. Nicht nur, dass ich als RZ-Podcastredakteur die Gelegenheit habe, mit einem regionalen Promi über Identität und Heimat zu sprechen (und einen drolligen Musiclip aufzunehmen). Nein, man stellt auch immer wieder fest, dass irgendwie alle und alles im Großen wie im Kleinen miteinander zusammenhängt!

Der Autor

Christian Mack, 1984 geboren und aufgewachsen zwischen Köln und Bonn. Wollte von klein auf Journalist werden, ursprüngliches Berufsziel: Zeitung. Durchs Studium in Bonn mit dem „Campusradiovirus“ infiziert hat er zunächst einige Jahre für verschiedene Hörfunksender Radio gemacht. Nach dem Volontariat bei Radio Bonn/Rhein-Sieg dann freiberuflicher Videograf. Zur Zeitung ging es schließlich doch noch – und zwar ab 2021 als Head of Audio/Video beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Seit 2025 als Podcast-Redakteur Teil der Rhein-Zeitung kümmert er sich heute um alles, was mit Mischpulten, Mikros und Hörerlebnissen zu tun hat. Seine Freizeit verbringt er gerne mit Frau, Kindern und Hund oder beim Basketbälle-durch-Körbe -Werfen. Darum ist er Journalist geworden: „Hier hat man die Chance, in die Lebenswirklichkeit anderer Menschen einzutauchen, andere Meinungen und Stimmen zu hören und so auch einen Beitrag zum Meinungsbildungsprozess zu leisten. Außerdem bin ich neugierig und mag gute Storys!“

Ressort und Schlagwörter

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