Mord in Weitefeld
Ein außergewöhnlicher Sonntagsdienst
Spurensicherung und Polizei arbeiten in Weitefeld im Westerwald. Drei Menschen sind in Weitefeld im Westerwald im April 2025 tot
Spurensicherung und Polizei arbeiten in Weitefeld im Westerwald. Drei Menschen sind in Weitefeld im Westerwald im April 2025 tot aufgefunden worden.
Markus Klümper. Markus Klümper/dpa

Am 6. April 2025 tötete ein 61-Jähriger eine dreiköpfige Familie in Weitefeld im Kreis Altenkirchen. Eine monatelange Suche nach dem Mörder beginnt. Unser Reporter Thomas Leurs ist vom ersten Tag an vor Ort gewesen.

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Der 6. April 2025 begann wie ein ganz normaler Sonntagsdienst. Die Printausgabe für den Montag war bereits weitgehend vorbereitet, es ging um Routinen: Texte gegenlesen, Meldungen redigieren. Um 8 Uhr morgens dann die erste Polizeimeldung: „Polizeilicher Großeinsatz in Weitefeld.“ Zunächst ohne weitere Einordnung, nüchtern formuliert. Vor der Abfahrt in Richtung Weitefeld griff ich zum Telefon und rief den Bürgermeister an. Er sprach von etwas Schrecklichem, das geschehen sei. Weitere Details könne er nicht nennen.

In der Nacht hatte ein 61-jähriger Mann eine dreiköpfige Familie ermordet. Mitten in einem beschaulichen Dorf im nördlichen Westerwald. Der Ort selbst ist an diesem Tag im absoluten Ausnahmezustand. Die Polizei hat alle Einfahrtwege gesperrt und lässt niemanden in den Ort. Auch die Pressevertreter müssen warten, bis sie im Laufe des Vormittags über die nördliche Einfahrtsstraße direkt zum Bürgerhaus geleitet werden. Lokale wie auch überregionale Medien sind vor Ort. Der Bürgermeister und der Polizeisprecher geben Interviews am Fließband.

Thomas Leurs
Thomas Leurs
Jens Weber. MRV

Mittags können die Pressevertreter zum Mordhaus. Es ist weiträumig mit Absperrband vor allzu neugierigen Blicken gesperrt. Personen in weißen Anzügen gehen in und aus dem Einfamilienhaus. Sichern Spuren und Beweise. Schon am nächsten Tag hat die Polizei den Täter ausgemacht. Er konnte in der Nacht vom Tatort fliehen, doch Blutspuren überführten den 61-Jährigen. Er wohnte in der direkten Nachbargemeinde. Auch das Haus wurde in der Woche nach dem Mord mehrfach von Ermittlern durchsucht. Der Täter hingegen blieb weiterhin auf der Flucht.

Das sorgte für Verunsicherung bei den Bewohnern von Weitefeld. Vor allem Frauen sagten unserer Zeitung damals, dass sie sich nachts nicht mehr aus dem Haus trauten. Manche öffneten selbst ihre Fenster nicht gerne. Die umliegenden Wälder wurden für Spaziergänge gemieden. Selbst ein Mann, der wegen des noch nicht gefundenen Mörders keine große Angst im Alltag verspüre, gibt zu, dass er beim Joggen durch den Wald gewisse Wege doch lieber meidet.

Suche nach dem Mörder läuft auf Hochtouren

Bei der Polizei läuft derweil die Suche nach dem Mörder auf Hochtouren. Hält er sich irgendwo in der Nähe versteckt? Oder ist der Deutsche aus Kasachstan schon längst außer Landes? In den Wochen nach dem Mord ist die Polizei zweimal mit Hundertschaften im Ort unterwegs. Sucht die umliegenden Wälder ab. Auch in Elkenroth, wo der Mörder gewohnt hat, ist die Polizei auf der Suche. So wird auch der Elkenrother Weiher mit Schlauchboot und Tauchern abgesucht. Doch von dem 61-Jährigen fehlt weiterhin jede Spur.

Mehrere Monate gehen ins Land. Der Sommer kommt, er ist sehr heiß und trocken. Und so entdeckt jemand nur wenige Hunderte Meter von Weitefeld entfernt eine Leiche in einem Bachlauf. Wieder viel Polizeiaufgebot. Wieder viel Presse vor Ort. Nach wenigen Tagen ist klar, es ist der gesuchte Mörder. Wie er gestorben ist, lässt sich aber nicht mehr feststellen. Die Weitefelder selbst aber können endlich aufatmen.

Der Autor

Thomas Leurs, Jahrgang 1986, hat in Heidelberg ein Bachelorstudium in Slawistik und Germanistik und in Köln ein Masterstudium in Slawistik abgeschlossen. Zum Journalismus kam er schon in Schulzeiten klassisch als freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung. Nach Stationen als Volontär beim „Donaukurier“ in Ingolstadt und als Redakteur beim „General-Anzeiger“ in Bonn ist er seit 2022 Redakteur im Kreis Altenkirchen bei der Rhein-Zeitung. Dort kümmert er sich um alle Themen, die den Oberkreis (VG Betzdorf-Gebhardshain, Daaden-Herdorf und Kirchen) betreffen. Darum bin ich Journalist geworden: „Kaum ein anderer Beruf ermöglicht einem eine so große Vielfalt. Jeder Tag bringt immer etwas Überraschendes.“

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