Die Geschichte von Dennis Dohm ist eine Geschichte von Lebensenergie, von Freundschaft und Familie, von Hoffnung und dem Zurückkommen nach Rückschlägen. Und es ist eine Geschichte, die leider kein Happy End hat. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, bei dem 2016 zufällig ein gutartiger Hirntumor während eines MRT nach einem Unfall beim Fußballspielen festgestellt worden war. Kein Grund zur Sorge also. Bis zum Jahr 2022, als der damals 27-Jährige immer wieder unter Krampfanfällen litt. Eine Biopsie brachte dann die Gewissheit: In dem gutartigen Tumor hatten sich zwei bösartige gebildet. Astrozytom Grad 4 im Fachjargon. Die Lebenserwartung liegt bei unter fünf Jahren.
Das alles wusste ich zum Zeitpunkt, als ich zu unserem Gesprächstermin nach Riesweiler fuhr, noch nicht. Der Anruf war in der Redaktion eingegangen, da hieß es lediglich, dass ein junger Mann eine seltene Erkrankung bekämpft hat und dass das sicher eine Geschichte wert ist. Menschelnde Themen waren schon immer meine Themen, deswegen war schnell klar: Sina macht den Termin.

Ein Termin, der unter die Haut geht
Ein Termin, an dessen Ende ich erst einmal im Auto saß und mehrfach ganz tief durchatmen musste. Zwei Stunden hatte ich mit Dennis und seiner Familie zusammengesessen, hatte von der Tortur erfahren, die der Berufssoldat in den vergangenen Wochen und Monaten durchgemacht hatte. Bestrahlung und Chemotherapie. Die gute Nachricht, dass der Tumor durch die Behandlung kleiner geworden war, dann der Rückschlag, als nach vermehrten Krampfanfällen festgestellt wurde, dass das Karzinom im Kopf auf 4 mal 5 Zentimeter angewachsen war. „Feind ist 4 mal 5 Zentimeter groß“ lautete die Überschrift damals.
Gerade erst wurden Dennis Dohm aus Riesweiler im Krankenhaus der Bundeswehr in Koblenz zwei bösartige Hirntumore entfernt: Der 28 Jahre alte Soldat erzählt nun von der risikoreichen Operation und sagt, welche Lebenswünsche er sich jetzt gleich erfüllen wird.
Soldat aus Hunsrück bekämpft Hirntumor: Feind ist 4 mal 5 Zentimeter groß
Und der Artikel war einer, der Hoffnung machen sollte. Denn nach einer Operation, von der nicht klar war, ob er sie überhaupt überleben, ob er sie ohne bleibende Schäden überleben würde, lautete die frohe Botschaft erst einmal: Der Tumor ist weg. Dennis machte Pläne für seine Zukunft, wollte nach Island, überlegte sich, wann er wieder würde Auto fahren und arbeiten dürfen – bis zum nächsten Rückschlag.
„Und denkt daran, dass immer jemand da sein wird, der auch in ganz schlechten Zeiten mal einen schlechten Tag hat. Morgen ist ein neuer Tag, nutzt ihn und seid am Ende des Tages froh, dass ihr alles so hinbekommen habt, wie ihr es wolltet.“
Dennis Dohm in seinem letzten Social-Media-Post
Denn nur wenige Tage, nachdem der Artikel veröffentlicht wurde, war da doch wieder etwas in seinem Kopf. Wieder Chemo, wieder der Kampf ums Weiterleben. Dennis ließ in dieser Zeit seinen Traum wahr werden, reiste nach Island, unternahm Dinge mit den Menschen, die ihm wichtig waren, kämpfte weiter gegen das an, was nicht zu bekämpfen war. Und er nahm auf seinen Social-Media-Kanälen viele Menschen mit bei dieser Reise, ließ sie teilhaben an den schönen Momenten, an seinen Gedanken.
Am 9. November 2024, gut zwei Jahre nach seiner Diagnose, erstellte er seinen letzten Post und gab seinen Followern mit auf den Weg: „Und denkt daran, dass immer jemand da sein wird, der auch in ganz schlechten Zeiten mal einen schlechten Tag hat. Morgen ist ein neuer Tag, nutzt ihn und seid am Ende des Tages froh, dass ihr alles so hinbekommen habt, wie ihr es wolltet.“ Am 10. November ging Dennis – nicht aber aus meinen Erinnerungen.
Die Autorin
Sina Ternis, Jahrgang 1981, arbeitet derzeit in der Sportredaktion der Rhein-Zeitung, betreut hier zusammen mit einem Kollegen die Oberliga- und Rheinlandligavereine aus dem Einzugsgebiet der RZ und kümmert sich um die A-Ligisten im Fußballkreis Hunsrück/Mosel. Bereits vor mehr als 20 Jahren, zu Beginn parallel zu ihrem Studium der Publizistik, Politikwissenschaft und Kulturanthropologie, begann sie als freie Mitarbeiterin in der Sportredaktion, legte nur während ihres Volontariats beim WochenSpiegel-Verlag eine anderthalbjährige Pause ein. Seit August 2022 ist sie als Redakteurin tätig, war zunächst in der Lokalredaktion der Rhein-Hunsrück-Zeitung und parallel im Lokalsport eingesetzt, ehe sie komplett in den Sport wechselte. Sie schätzt die Vielfalt ihres Berufs und dass sie so viele Menschen kennenlernt, die bewegende, spannende und interessante Geschichten zu erzählen haben.


