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Rheinland-Pfalz

Wenn die Krise bei Senioren in der Sucht endet

In Deutschland sollte es nach Expertenansicht eine bessere Suchtberatung für Senioren geben. "Es gibt eine Reihe alter Menschen, die medikamentenabhängig sind", sagte der Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz, Jupp Arldt (63), im Interview.

Zuwenig Honorar, zuwenig Nachwuchs – die Apotheker im Land schlagen Alarm.
Zuwenig Honorar, zuwenig Nachwuchs – die Apotheker im Land schlagen Alarm.
Foto: dpa

In Budenheim bei Mainz trafen sich 300 Fachkräfte, um bei der Landesdrogenkonferenz über die Themen Sucht und Selbsthilfe zu sprechen. Das Interview im Wortlaut:

Warum werden ältere Menschen süchtig?

Der Übergang zwischen Arbeit und Ruhestand stellt bei vielen eine große Herausforderung dar. Einige fallen dann in ein Loch. Ältere Menschen machen auch mehr Erfahrungen mit den Themen Tod, Trauer und dem Verlust enger sozialer Kontakte. Einsamkeit ist oft die Folge davon. Es ist auch eine persönliche Herausforderung zu spüren, dass die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bisweilen nachlässt.

Viele ältere Menschen nehmen ja auch eine Menge Medikamente ein.

Ja, und einige von ihnen machen süchtig. Die Kombination von verschiedenen Medikamenten birgt dabei oft ein großes Risiko. Leider gibt es keine genauen Zahlen, die zeigen, wie viele Betroffene es tatsächlich gibt. Statistiken gibt es bisher nur zu den 12- bis 64-Jährigen. Alles andere sind bisher nur Schätzungen. Diese Einschränkung muss man ändern.

Greifen ältere Menschen denn zu anderen Drogen als jüngere?

Die Vorstellung, dass Opa auch noch heimlich einen durchzieht, die gilt sicherlich nicht allgemein. Die Vorstellung, dass Senioren mit dem 64. Lebensjahr mit dem Drogenkonsum aufhören, ist genauso falsch.

Übernimmt man die Gewohnheiten aus der Jugend ins Alter?

Ich persönlich kenne niemanden, der erst im Alter angefangen hat, Joints zu rauchen. Ich denke, dass ein Teil derjenigen, die in ihrer Jugend Cannabis geraucht haben, dies auch im Alter fortsetzt.

Worin besteht das größte Problem?

Es gibt eine Reihe alter Menschen, die medikamentenabhängig sind. Wir brauchen mehr Aufklärung über Wechsel- und Nebenwirkungen und vor allem Ärzte, die den Überblick behalten, was sie den Menschen verschreiben. Und wir brauchen auch den kritischen Blick und die Beratung der Apotheker. Sie müssen sich mehr Zeit nehmen, den Beipackzettel zu erklären.

Gibt es im Alter ein anderes Verantwortungsbewusstsein beim Konsum von Drogen?

Sucht ist keine Frage der Moral, Sucht ist eine Krankheit. Es gibt auch für ältere Menschen viele Anlaufstellen, um Hilfe zu bekommen. Insbesondere die Drogenberatungsstellen gehen auf den Beratungsbedarf älterer Menschen ein und unterstützen diese. Was wir aber zusätzlich benötigen, sind mehr Angebote in Senioreneinrichtungen.

Das Interview führte Alisa Augustin

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