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    We call it a Klassiker

    Von Sven Sabock Da kommen sie wieder hoch, die Erinnerungen an Tofik Bachramow, Uwe Seeler oder auch an Chris Waddle. Alle drei sind in Südafrika zwar nicht mit dabei – und doch zumindest bis zum Sonntag irgendwie allgegenwärtig. Es sind drei Namen, die ein Stück WM-Geschichte geschrieben haben. Mehr noch: Sie stehen für persönliche Dramen, Revanchegelüste – und vor allem für packende Fußballspiele.

    Sven Sabock
    Sven Sabock

    Von Sven Sabock

    Da kommen sie wieder hoch, die Erinnerungen an Tofik Bachramow, Uwe Seeler oder auch an Chris Waddle. Alle drei sind in Südafrika zwar nicht mit dabei – und doch zumindest bis zum Sonntag irgendwie allgegenwärtig. Es sind drei Namen, die ein Stück WM-Geschichte geschrieben haben. Mehr noch: Sie stehen für persönliche Dramen, Revanchegelüste – und vor allem für packende Fußballspiele.

    England gegen Deutschland, das ist mehr als ein Duell Elf gegen Elf. Spätestens am Sonntag werden wir das wieder erleben. Garantiert. Und es steht nicht zu erwarten, dass die Sache nach 90 Minuten durch ist. Gesucht werden Helden für die Ewigkeit – und natürlich auch Verlierer.

    Das ganz besondere Flair der Partie hängt natürlich in erster Linie damit zusammen, dass eben jener Bachramow für das berühmteste Tor der Fußball-Geschichte steht. Der Mann aus Aserbaidschan war Linienrichter im Finale 1966 und prägte unfreiwillig den Begriff des Wembley-Tores. Geoff Hurst schoss in der Verlängerung an die Latte, der Rest ist bekannt. Schiedsrichter Gottfried Dienst gab einen Treffer, der keiner war, wie sogar Wissenschaftler später nachgewiesen haben.

    Ein teurer Sieg für die Briten, wie sich zeigen sollte. Denn seither haben die vermeintlichen Erfinder des Fußballs ja fast schon ein Trauma entwickelt, wenn es gegen die Deutschen geht. Seelers Tor mit dem Hinterkopf zum 2:2 im denkwürdigen Viertelfinale 1970 in Mexiko war da nur der Anfang.

    Nein, vielmehr hat sich inzwischen auf der Insel ein fast schon selbstzerstörerischer Blick auf den Elfmeterpunkt entwickelt. Zum Beispiel nach dem Halbfinale 1990, als die Engländer den späteren Weltmeister in der Verlängerung am Rande einer Niederlage hatten – ehe ihnen die Nerven einen Streich spielten. Stuart Pearce scheiterte an Bodo Illgner, Chris Waddle schoss in den Nachthimmel von Turin. Dass sich die Ereignisse sechs Jahre später bei der Europameisterschaft ausgerechnet im heimischen Wembley wiederholten, war ein weiterer Stich ins Herz der „Three Lions“.

    Nicht zuletzt der Boulevard beider Länder sorgt dafür, dass die Feindschaft auf dem Rasen im Sinne der Auflage gepflegt wird. Viel charmanter ist es da schon, wie Franz Beckenbauer, einst „Kaiser“ und jetzt quasi Parodist in eigener Sache, die Besonderheit der Duelle umschreibt. Seine schlichte Definition: „It’s a classic. We call it a Klassiker.“ Ein Satz, über den wir gern schmunzeln – vor allem dann, wenn die Deutschen am Ende einen Elfmeter mehr reinschießen.

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