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Pyeongchang

Von den Jugendspielen auf die große Bühne: In Pyeongchang schließt sich der olympische Kreis [Teil 2]

Jacqueline Lölling weiß, wie es sich anfühlt, im Zeichen der Olympischen Ringe im Rampenlicht zu stehen. Vor sechs Jahren, mit 16, gewann die Skeletonpilotin aus Brachbach bei den Olympischen Jugendspielen in Innsbruck die Goldmedaille.

Der Weg nach oben: Bei den Olympischen Jugendspielen in Innsbruck gewann Jacqueline Lölling im Jahr 2012 Gold.  Fots: dpa
Der Weg nach oben: Bei den Olympischen Jugendspielen in Innsbruck gewann Jacqueline Lölling im Jahr 2012 Gold. Fots: dpa
Foto: picture alliance

Für den Moment war das ein schöner Erfolg für eines der größten Talente des rasanten Schlittensports. Aus heutiger Sicht erscheint dieser Sieg wie der Startschuss für eine große Wintersportkarriere.

„Darüber macht sich im Nachhinein jeder ein bisschen lustig“, sagt Lölling heute, wenige Tage vor ihrem Debüt bei den „richtigen Olympischen Spielen“. Für sie war der Erfolg von Innsbruck aber ein prägendes Erlebnis. „Natürlich ist hier alles größer, aber auch die Jugendolympiade ist schon ein riesiges Event“, wirft die Pilotin einen Blick zurück, während sich um sie herum im südkoreanischen Pyeongchang alles um die Eröffnungsfeierlichkeiten und die ersten Wettkämpfe der 23. Winterspiele dreht. „Man kann sich Jugendspiele nicht vorstellen, wenn man nicht daran teilgenommen hat“, sagt Lölling. „Das bereitet einen aber gut vor auf alles andere.“

Per Zufall auf den Schlitten

Sechs Jahre nach dem Triumph von Innsbruck hat die Pilotin aus Brachbach das nächste große Ziel vor Augen. Im Vorfeld des Wettkampfs am kommenden Freitag und Samstag wird sie als Top-Favoritin gehandelt, schließlich ist Lölling amtierende Weltmeisterin und frisch gebackene Weltcup-Gesamtsiegerin. Dass die heute 23-Jährige aber überhaupt den Weg auf den Rennschlitten gefunden hat, war hingegen eher Zufall. Im Siegerland gibt es ebenso wenig eine geeignete Bahn wie im Westerwald – dafür aber in Winterberg, im Sauerland also, wo sich die Brachbacherin im Jahr 2007 zum ersten Mal in den Eiskanal stürzte. Mechthild Göbel-Heinz, die Mutter der zu dieser Zeit sehr erfolgreichen Skeletonpilotin Katharina Heinz, war Löllings Sportlehrerin. Sie bot ihren Schülern an, doch mal mit nach Winterberg zu kommen – eine Chance, die sich unter anderen die junge Jacqueline nicht entgehen ließ.

Drei Jahre später verblüffte Lölling die Konkurrenz, als sie bei der WM in Winterberg Silber holte.  Foto: dpa
Drei Jahre später verblüffte Lölling die Konkurrenz, als sie bei der WM in Winterberg Silber holte.
Foto: dpa

Einem Schnupperkurs folgte eine erste Fahrt, zwar nur über die halbe Bahn, aber für eine Anfängerin schon in einem beachtlich Tempo. „Alles war spannend – vor allen Dingen die Geschwindigkeit“, sagte Lölling mal in einem Interview über ihre Anfänge als Skeletonpilotin. Den entscheidenden Schritt in Richtung Leistungssport wagte die Brachbacherin drei Jahre nach der ersten Fahrt. 2010 wechselte sie als Zehntklässlerin auf das Sportinternat nach Winterberg – aus dem Hobby Skeleton war längst eine Berufung geworden. Und die Ergebnisse zeigten, dass es der richtige Schritt war: Platz neun bei der DM 2009 folgten in der Saison 2010/11 erste internationale Erfolge im Europacup. Im folgenden Winter vertrat die Brachbacherin den Verband im Intercontinentalcup und wurde am 30. Dezember 2011 als Nachwuchspilotin auf ihrer Heimbahn in Winterberg überraschend Deutsche Meisterin. Die Erfolgswochen gingen weiter und brachten Anfang 2012 neben besagtem Triumph von Innsbruck noch Bronze bei der Junioren-WM an gleicher Stätte.

Hermann als Dauerkonkurrentin

In Europa- und Intercontinentalcup, wo ihre heutige Teamkollegin Tina Hermann bereits zu den großen Konkurrentinnen zählte, sammelte Lölling weitere Erfolge und Erfahrungen, ehe sie Anfang 2014 – einmal mehr in Winterberg – vor der Kanadierin Elisabeth Vathje Junioren-Weltmeisterin wurde. Nach dem zweiten Sieg bei der DM gewann sie im Januar 2015 die letzten drei Europacuprennen der Saison und verteidigte in Altenberg zudem ihren WM-Titel bei den Juniorinnen, wobei sie den Bahnrekord in beiden Läufen verbesserte.

Dieser Triumph hatte Folgen, denn neben der Goldmedaille gab's für den Sieg auch einen Startplatz bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Winterberg, wo Lölling als Nachwuchshoffnung ihre Chance nutzte und überraschend hinter der amtierenden Olympiasiegerin Elizabeth Yarnold die Silbermedaille holte. Und das, ohne zuvor auch nur einmal im Weltcup im Einsatz gewesen zu sein. Spätestens an diesem 7. März 2015 hat die Wintersportnation einen neuen Namen, den sie sich merken muss.

Im Weltcup steil nach oben

Für die Weltcupsaison 2015/16 qualifizierte sich Jacqueline Lölling, wenngleich ihre Startzeiten nicht der Norm des Verbandes genügten. Dass sie trotzdem zu Recht dabei war, bewies die Debütantin dank ihrer Klasse in der Bahn: Bei den vier Rennen in Deutschland fuhr sie immer aufs Podest, hinzu kam ein dritter Rang in Whistler. Nur eine war in diesem Weltcupwinter besser: Tina Hermann.

Im Februar 2017 wurde die Skeletonpilotin aus Brachbach am Königssee erstmals Weltmeisterin.  Foto: dpa
Im Februar 2017 wurde die Skeletonpilotin aus Brachbach am Königssee erstmals Weltmeisterin.
Foto: dpa

Die Verhältnisse drehten sich in der Saison 2016/17: Lölling feierte in Altenberg ihren ersten Weltcupsieg, dem nach EM-Gold in Winterberg ein weiterer Triumph am Königssee folgte, wo die Pilotin einen Monat später zum ersten Mal auch Weltmeisterin bei den Frauen wurde. Ein wichtiger Moment mit Blick auf die Olympischen Spiele: Beim ersten Rennen auf der Bahn in Pyeongchang setzte sich Lölling durch und machte so ihren Triumph im Gesamtweltcup perfekt.

All jene, die meinten, bei diesem rasanten Aufstieg habe auch Glück eine entscheidende Rolle gespielt, wurden von Jacqueline Lölling eines Besseren belehrt. Der Olympische Winter begann mit Platz acht in Lake Placid zwar bescheiden, doch spätestens mit dem Sieg in Whistler, durch den die Pilotin aus Brachbach auch das Gelbe Trikot der Weltcup-Führenden übernahm, war klar, wohin die Reise gehen wird. Insgesamt viermal stand die amtierende Weltmeisterin in der wichtigsten Saison ihrer noch jungen Karriere ganz oben auf dem Podest, die Gesamtwertung entschied sie klar vor Tina Hermann und Elisabeth Vathje für sich. Durch all diese Triumphe weiß die 23-Jährige jetzt nicht nur, wie es ist, bei einer Jugendolympiade im Rampenlicht zu stehen, sondern auch, wie es sich anfühlt, sich als Favoritin auf ein Rennen im Zeichen der fünf Ringe vorzubereiten.

Von unserem Redakteur Marco Rosbach

Auf dem Weg zu Gold

Skeletonpilotin Jacqueline Lölling aus Brachbach gehört im südkoreanischen Pyeongchang zu den großen deutschen Goldhoffnungen. Bis zu ihrem Wettkampf stellen wir die 23-Jährige, ihren Werdegang und ihr Umfeld vor.

Teil 1: Das Abenteuer beginnt
Teil 2: Der Weg nach oben
Teil 3: Der große Rückhalt
Teil 4: Der Bundestrainer
Teil 5: Die Vertraute
Teil 6: Die Materialfrage
Teil 7: Der große Tag

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