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Bassenheim/Ochtendung

VG Weißenthurm will den Radwegbau zwischen Bassenheim und Ochtendung selbst aufgleisen

Der Ausbau der stillgelegten Bahntrasse zwischen Bassenheim und Ochtendung zu einem überregionalen Radweg und die damit einhergehende Verlängerung des Maifeld-Radwanderwegs ist ein interkommunales Projekt mit herausragender Bedeutung.

Die VG Weißenthurm soll den 3,5 Kilometer langen Streckenabschnitt, den die Ortsgemeinde Bassenheim im Dezember 2010 von der DB Netz AG erworben hatte, der Gemeinde abkaufen.
Die VG Weißenthurm soll den 3,5 Kilometer langen Streckenabschnitt, den die Ortsgemeinde Bassenheim im Dezember 2010 von der DB Netz AG erworben hatte, der Gemeinde abkaufen.
Foto: Damian Morcinek

Von unserem Redakteur Damian Morcinek

Das wurde noch einmal bei der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderates Weißenthurm deutlich, der einstimmig weitere wegweisende Schritte in Richtung Streckenrealisierung beschlossen hat.

Projekt- und damit auch Baulastträger soll die Verbandsgemeinde (VG) Weißenthurm selbst werden. Diese, so haben es die Ratsmitglieder beschlossen, soll den 3,5 Kilometer langen Streckenabschnitt, den die Ortsgemeinde Bassenheim im Dezember 2010 von der DB Netz AG erworben hatte, wiederum der Gemeinde abkaufen. Die VG übernimmt infolgedessen den Bau sowie die Unterhaltung des Radweges auf der stillgelegten Bahntrasse zwischen Bassenheim und Ochtendung.

"Das ist ein Leuchtturmprojekt in den Bereichen Tourismus und Naherholung", betonte Bürgermeister Georg Hollmann. Zudem sie eine solche Strecke zugleich ein Standortvorteil. Das Radwegenetz der VG Weißenthurm werde dadurch auf rund 150 Kilometer erweitert, und es besteht die Möglichkeit der Anbindung an den Mosel-, Rhein-, Vulkan- und den Ahrradweg sowie an das lokale Radwegenetz der Eifelregion. Letztlich sei sogar eine Anbindung an die Stadt Koblenz über vorhandene Wirtschaftswege denkbar.

Nach Angaben des Bürgermeisters wird die Ortsgemeinde Bassenheim voraussichtlich in ihrer Gemeinderatssitzung im Dezember über die Abgabe der Baulastträgerschaft beschließen. "Ende des Jahres wird es also die Beschlussfassungen geben, und wir können in die Umsetzung gehen. Wir können das Projekt verwirklichen, und wir können es finanziell tragen", betonte Hollmann.

Nach einer ersten unverbindlichen Kostenschätzung, die eine Arbeitsgemeinschaft zweier Ingenieurbüros – je eines wurde von der VG Weißenthurm beziehungsweise VG Maifeld für die Planung innerhalb der eigenen Gemarkung beauftragt – erarbeitet hat, liegen die Investitionskosten für die 6,1 Kilometer lange Strecke Bassenheim – Ochtendung insgesamt bei rund 2 Millionen Euro. Hinzu kommen laut Honorarangebot der Ingenieurbüros Planungskosten in Höhe von rund 213 000 Euro sowie Kosten für eine artenschutzrechtliche Untersuchung in Höhe von gut 38 000 Euro. Letzte soll von Mai bis September 2015 stattfinden.

Während die Kosten für den 2,6 Kilometer langen Streckenabschnitt im Bereich der VG Maifeld damit bei gut 873 000 Euro liegen, wird die Verbandsgemeinde Weißenthurm für den 3,5 Kilometer langen Radweg gut 1,4 Millionen Euro berappen müssen. Allerdings müssen auch noch die Kosten für den Grunderwerb der Trasse berücksichtigt werden. "Diese sind aber überschaubar und bewegen sich in einem mittleren vierstelligen Bereich", sagte Georg Hollmann und betonte, dass die VG auch noch einen Erlös aus dem Verkauf der Bahngleise aus Stahl erzielen wird. Letztlich werden durch die VG bei der Realisierung des Radweges, dessen Ausbau auf einer Breite von 3,50 Meter erfolgen soll – 2,50 sollen für Radfahrer und Skater bituminös befestigt werden, und je ein halber Meter auf jeder Seite dient Fußgängern und Wanderern als Gehweg -, auch Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden müssen. "Das ist aber nichts, was uns umhauen würde", stellte der Bürgermeister klar.

Ganz aus eigener Tasche bezahlen will die Verwaltung das Projekt allerdings nicht. Das besagt auch die Formulierung des aktuellen Beschlusses im VG-Rat. Darin behält man sich nämlich vor, den Radweg nur zu bauen, wenn auch Zuschüsse Dritter gewährt werden. Was das angeht, konnte Bürgermeister Hollmann bereits die ersten guten Nachrichten überbringen. Seinen Ausführungen zufolge hat die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft am Mittelrhein (WFG) bereits zugesagt, die gesamten Planungskosten, die sich die beiden VGs Weißenthurm und Maifeld teilen, mit 50 Prozent zu bezuschussen. Eine weitere Förderung erhofft man sich unterdessen vom Land Rheinland-Pfalz. Der Antrag darauf kann laut Verwaltung aber erst gestellt werden, sobald ein Planfeststellungsverfahren vorliegt.

Historie der Bahntrasse

Die Bahnlinie von Koblenz nach Mayen-Ost ist vor 110 Jahren, am 12. November 1904, eröffnet worden. Die ursprünglich für den 1. Oktober 1904 geplante Eröffnung musste aufgrund eines Bergrutsches bei Mayen und der Entgleisung eines Bauzuges bei Polch verschoben werden. Die Entstehung der eingleisigen Verbindung mit einer Gesamtlänge von 34 Kilometern basiert auf der damaligen Forderung der Gemeinden, das Maifeld und die Vordereifel zu erschließen und den anerkannten Luftkurort Bassenheim an die für Gäste wichtige Rheinstrecke der Reichsbahn anzubinden. Letztlich ausschlaggebend für ihre Realisierung waren aber eher militärstrategische Überlegungen. Bassenheim wurde sogar eine Zeit lang zur Königlich Preußischen Bahnmeisterei.

Nach und nach verlor die Bahnlinie aber für den Personenverkehr an Bedeutung. Im 80. Jahr ihres Bestehens kam schließlich das jähe Ende: Am 9. Dezember 1983 fuhr zum letzten Mal ein Personenzug über das im Volksmund als "Hohe Brücke" bezeichnete Viadukt am Anfang des Bassenheimer Waldes. Anschließend rollten nur noch Güterzüge über die Bahnlinie, um Basaltlava aus dem Tagebau am Karmelenberg abzutransportieren. Im Jahr 2000 war dann auch mit dem Güterverkehr Schluss. Die offizielle Stilllegung erfolgte am 15. September 2003.

Noch heute erinnert die 1902 erbaute "Hohe Brücke" bei Streckenkilometer 12,408 an die Pionierzeit der Eisenbahn. In 16,50 Metern Höhe überspannt die Talbrücke mit drei Rundbögen den Waldweg und bildet damit ein eindrucksvolles Tor zur urwüchsigen Baumallee und zur barocken Marienkapelle auf dem Karmelenberg. dam

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