Archivierter Artikel vom 17.11.2011, 14:31 Uhr

Streng geheim: Heather Nova singt für Patienten

Mainz – Die weltbekannte Sängerin Heather Nova trat kostenlos in der Mainzer Psychiatrie auf – und begeisterte ihre Zuhörer. Die Aufregung war greifbar im Keller der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Denn ohne Eintrittskarte kann man Stars wie Heather Nova normalerweise nicht singen hören.

Ihren Tourneebesuch in Mainz nutzte die Sängerin Heather Nova, um ein spontanes Konzert in der Psychiatrie zu geben. 
Foto: Harry Braun
Ihren Tourneebesuch in Mainz nutzte die Sängerin Heather Nova, um ein spontanes Konzert in der Psychiatrie zu geben.
Foto: Harry Braun

Mainz – Die Aufregung ist greifbar im Keller der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Denn ohne Eintrittskarte kann man Sängerinnen wie Heather Nova normalerweise nicht singen hören.

„Heute ist ein toller Tag“, sagt denn auch eine jüngere Patientin, nach dem sie sich einen Stuhl gesucht hat. „Ist mein allererstes Live-Konzert.“ Eine andere weiß noch nicht Bescheid und fragt müde: „Wieso? Was spielen die denn? Klassik?“ „Psst, sie kommt!“, flüstert jemand von hinten. Und dann steht die weltbekannte Heather Nova plötzlich auf dem Podest vor der weißen Projektionswand, greift sich ihre Gitarre, nickt ihrem musikalischen Begleiter Arnulf Lindner zu und beginnt zu singen.

Für den alten Mann im Rollstuhl, der nur traurig nach unten schaut, aber nach jedem Lied klatscht, für den schwarz gekleideten Jugendlichen, der lange braucht, bis er für sich den richtigen Platz gefunden hat, für die ältere Dame im Jogging-Anzug, die von einer fürsorglichen Pflegerin begleitet wird, und die beiden jungen Frauen, die erst eine Weile zaghaft an der Tür stehen und sich dann zögernd einen Platz in der Nähe der Tür suchen. „Welcome Heather Nova“, ruft jemand, als die Sängerin zu spielen beginnt.

Mit ihrer klaren, eindringlichen Stimme füllt sie schnell den Klinikhörsaal, ihre eingängigen, gefühlvollen Balladen verschafften den Zuhörern eine eindrucksvolle Pause im Klinikalltag. Dass Musik und Kunst als unmittelbares Erlebnis heilende Kräfte weckt und damit für Menschen in Notlagen hilfreich sein kann, davon ist Heather Nova überzeugt. Deshalb will sie Kunst zu den Menschen bringen, die aktuell nicht in der Lage sind, zur Kunst zu kommen.

Wie sie auf die Idee gekommen ist? „Bei einem Auftritt kam ein Fan zu mir und sagte, er habe unser Konzert aufgenommen für einen Freund, der im Krankenhaus lag und nicht kommen konnte“, erzählt die 44-jährige.

Vier bis fünf kostenlose Auftritte in Kliniken und anderen sozialen Einrichtungen plant die schmale Frau mit den blonden Haaren immer ein, wenn sie wie zurzeit auf Vier-Wochen-Tournee ist. „Geheimkonzerte“ werden sie genannt und vorher nur einem eingeweihten Kreis bekannt gemacht. Gestern Abend dann trat Heather Nova dann ganz offiziell mit ihrer Band im Frankfurter Hof auf (Konzertkritik folgt).

Organisiert werden die „Geheimkonzerte“ von der Agentur sozialer Künstler, die von Thomas Hahn und etwa 30 Künstlern ehrenamtlich betrieben wird. Prof. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin, nahm das Angebot gerne an.

Und der Erfolg gibt ihm recht. Als sich die Sängerin nach rund 45 Minuten und einer Zugabe freundlich von den rund 90 Zuhörern verabschiedet, ist der Beifall laut, es gibt „Bravorufe“, und jemand ruft: „Das war ganz wunderbar. Vielen, vielen Dank.“

Irmela Hess