Archivierter Artikel vom 19.01.2012, 20:00 Uhr
Mainz

Stefan Bell kehrt an den Bruchweg zurück

Der im Sommer an die Frankfurter Eintracht ausgeliehene Stopper Stefan Bell kehrt zu Mainz 05 zurück. Er kompensiert beim Fußball-Bundesligisten ab sofort den Ausfall von Bo Svensson.

Der ausgeliehene Stefan Bell (rechts) kehrt mit sofortiger Wirkung von der Frankfurter Eintracht zum FSV Mainz 05 zurück. Der talentierte Innenverteidiger, 2009 am Bruchweg Deutscher Meister mit den A-Junioren, soll den langfristigen Ausfall von Routinier Bo Svensson kompensieren.
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Der ausgeliehene Stefan Bell (rechts) kehrt mit sofortiger Wirkung von der Frankfurter Eintracht zum FSV Mainz 05 zurück. Der talentierte Innenverteidiger, 2009 am Bruchweg Deutscher Meister mit den A-Junioren, soll den langfristigen Ausfall von Routinier Bo Svensson kompensieren.
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Mainz – Der FSV Mainz 05 hat auf die aktuelle Personalmisere reagiert und gestern die erste Kaderlücke geschlossen. Der Fußball-Bundesligist hat von der Frankfurter Eintracht den zu Saisonbeginn an den Main ausgeliehenen Innenverteidiger Stefan Bell zurückgeholt. Der 20-Jährige soll in der Rückrunde den längerfristigen Ausfall von Stopperroutinier Bo Svensson kompensieren.

2009 A-Junioren-Meister

„Stefan war von Anfang an unser Wunschkandidat für diese Position“, erklärte 05-Manager Christian Heidel gestern Abend. „Er kennt unseren Trainer und umgekehrt. Und am 1. Juli wäre er sowieso wieder zu uns zurückgekehrt.“ Bell war 2009 unter Thomas Tuchel mit den 05-A-Junioren Deutscher Meister geworden. In der vergangenen Spielzeit absolvierte das Talent als Leihspieler beim Zweitligisten TSV 1860 München 24 Ligaspiele. Bevor Stefan Bell dann im Sommer 2011 nach Frankfurt ausgeliehen wurde, hatte er am Bruchweg noch einen Vertrag bis 2014 unterschrieben.

Vor etwa zwei Wochen hatte Heidel diese Rückholidee bei Eintracht-Manager Bruno Hübner vorgetragen. „Damals hat Bruno abgelehnt“, so der 05-Manager. Der Spieler wollte vereinsintern keinen Druck ausüben. Weil die Eintracht nun aber den sündhaft teuren Wolfsburger Torjäger Patrick Helmes umgarnt, muss auf der Frankfurter Gehaltsliste offenbar Platz geschaffen werden. Plötzlich war Bells Rückkehr an den Bruchweg binnen zwei Tagen perfekt.

Gespräch mit Thomas Tuchel

Am vergangenen Freitag, nach dem 05-Testspiel bei den Offenbacher Kickers, hatten sich Tuchel und Bell noch einmal getroffen. Die Aussicht, bei einem Bundesligisten Innenverteidiger Nummer drei oder vier zu sein, empfand der junge Mann verlockender, als bei einem Zweitligisten Woche für Woche um einen Platz im Spielkader bangen zu müssen. Zumal die Eintracht zuletzt noch den erfahrenen Abwehrspieler Heiko Butscher vom SC Freiburg verpflichtet hat. Dennoch musste Bell zunächst noch mit der Eintracht ins Wintertrainingslager in Doha/Katar fliegen. Heute wird Bell in Mainz erwartet.

Aktuell standen Tuchel mit Kapitän Nikolce Noveski und Niko Bungert nur noch zwei gelernte und gesunde Innenverteidiger zur Verfügung. Weil auch Jan Kirchhoff, der bei den A-Junioren mit Bell am Bruchweg ein Innenverteidigergespann bildete, bis gestern nicht fit war. Der 21-Jährige, den der 05-Coach sowieso lieber als Mittelfeldsechser einsetzt, wird sich nach seiner Kniereizung heute einem erneuten Belastungstest unterziehen. Geht das schief, dann wird Kirchhoff für den Rückrundenstart der 05er am Sonntag (17.30 Uhr) bei Bayer 04 Leverkusen wohl ausfallen. In diesem Fall würde Stefan Bell in der BayArena eventuell direkt auf der Bank sitzen.

Auch ein Stürmer soll kommen

Dass sich die 05er auch noch nach einem Offensivspieler umschauen, der sowohl als Sturmspitze als auch im vorderen Mittelfeld Wirkung erzielen kann, ist bekannt. „Da werden wir definitiv keinen Entwicklungsspieler holen, denn von diesen sehr talentierten Spielern, die noch etwas Zeit brauchen, haben wir ja einige im Kader“, erklärt Heidel. Da geht es also um einen gestandenen Stürmer, der keine lange sportliche Eingewöhnungszeit benötigt.

„Auch da haben wir Ideen“, so Heidel. „Aber das hängt von vielen Faktoren ab.“ Einen geeigneten Stürmer auf dem europäischen Markt etwa beobachten die 05er seit September. Aber da geht es um die Forderungen des abgebenden Vereins. Und es gibt Konkurrenten aus der Bundesliga, die ebenfalls einen torgefährlichen Angreifer suchen. Heidel: „Da ist die Frage, ob wir uns mit einem Angebot durchsetzen können.“ Diese Verpflichtung könne sich bis zum 31. Januar hinziehen; bekanntlich fallen kurz vor Toresschluss in vielen Fällen noch die Preise.

Gestandene Bundesligastürmer wie etwa der Wolfsburger Ex-Torjäger Patrick Helmes sind für die 05er nicht finanzierbar. Unabhängig davon, dass der nicht überragend lauffreudige einstige Nationalstürmer gegen den Ball nahezu überhaupt nicht arbeitet und von daher in Tuchels Beuteschema wahrscheinlich gar nicht passen würde, sind die Konditionen, die gerade bei Eintracht diskutiert werden, utopisch. Da geht es bei Ausleihgebühr plus Gehalt für 17 Spiele um ein Gesamtpaket von 1,5 bis 2 Millionen Euro.

Und sollte der Zweitligist vom Main den Stürmer im kommenden Sommer kaufen wollen, würden noch mal rund drei bis vier Millionen Euro Ablöse fällig. Dimensionen, die man fast schon als wirtschaftliches Harakiri bezeichnen muss. Bezeichnend, dass sich Eintracht-Vorstandboss Heribert Bruchhagen Verhandlungen in dieser Größenordnung vom Aufsichtsrat hat absegnen lassen.

Deniz Yilmaz: Schmerzen im Fuß

Eine neue Alternative im Angriff hat Thomas Tuchel zunächst einmal beim Testspiel am Mittwochabend gegen den VfL Bochum gefunden. Beim 5:0 (4:0)-Sieg gegen den Zweitligisten schob sich Deniz Yilmaz als flexibler, ballsicherer Arbeitsmittelstürmer in den Vordergrund. Der im Sommer vom FC Bayern München II verpflichtete Offensivspieler war an allen fünf Toren beteiligt. Ob der 05-Coach allerdings an dem 23-Jährigen nachhaltig Spaß haben wird, steht schon wieder in Frage.

Yilmaz plagten nach der Bochum-Partie Schmerzen im vor gut einem Jahr nach einem Bruch operierten Fuß. Was immer mal wieder auftritt. Im Fuß stecken noch Schrauben, die Reizungen auslösen. Manchmal seien die damit verbundenen Schwellungen am nächsten Tag wieder abgeklungen, berichtet 05-Teammanager Axel Schuster. Wie sich das diesmal darstellt, wird man heute sehen.

Reinhard Rehberg