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    Rheinland-Pfalz

    Serie Windenergie, Teil 3: Jedes vierte Windrad soll in den Hunsrück

    Die Windkraft im Land boomt. Kein anderer Wirtschaftszweig erlebt einen annähernd vergleichbaren Aufschwung. Im Land waren Ende August 1125 Anlagen am Netz, fast täglich werden es mehr.

    Sonnenuntergang mit Sichtfeldstörung: Dieses in der Nähe von Pfalzfeld aufgenommene Bild zeigt eine typische Abendstimmung im Hunsrück. Die Idylle wird getrübt von zahlreichen Windrädern, die in immer schnellerem Tempo in die Landschaft hineinwachsen.
    Sonnenuntergang mit Sichtfeldstörung: Dieses in der Nähe von Pfalzfeld aufgenommene Bild zeigt eine typische Abendstimmung im Hunsrück. Die Idylle wird getrübt von zahlreichen Windrädern, die in immer schnellerem Tempo in die Landschaft hineinwachsen.

    Rheinland-Pfalz - Die Windkraft im Land boomt. Kein anderer Wirtschaftszweig erlebt einen annähernd vergleichbaren Aufschwung. Im Land waren Ende August 1125 Anlagen am Netz, fast täglich werden es mehr.

    Die letzte, umfassende statistische Erhebung, die das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung in Mainz vorlegen kann, trägt das Datum 31. Oktober 2010. Die Statistik belegt, wie rasant der Ausbau der Windkraft vonstatten geht: Damals waren landesweit 1059 Anlagen im Betrieb, seitdem sind binnen wenigen Monaten mehr als fünf Dutzend neue Windräder in Betrieb genommen worden, die meisten davon im Rhein-Hunsrück-Kreis.

    Anhand der vielen Baustellen auf dem Land lässt sich erkennen, wie sich politischer Wille, kommunales Interesse am Geldverdienen und eine ungenaue Regionalplanung zu einer impulsiven Windkraftbewegung verbinden. Häufig wird von der Goldgräberstimmung gesprochen. Wer durch den Rhein-Hunsrück-Kreis fährt, kann diese Aufbruchstimmung sehen: Von den 1125 Anlagen, die es im Land gibt, steht bereits heute fast jede zehnte im Hunsrück. Mehr noch: Gut 40 Prozent aller im Land beantragten Anlagen sollen in dieser Region gebaut werden.

    Ende August 2011 verteilten sich zwar nur 109 Windkraftanlagen auf den Rhein-Hunsrück-Kreis, aber 59 weitere waren bereits im Bau und 161 Anlagen beantragt. In Verwaltungskreisen heißt es, dass die Genehmigungsquote bei Windradanträgen derzeit knapp unter der 100-Prozent-Marke liegt. Falls im Rhein-Hunsrück-Kreis alle beantragten Anlagen ans Netz gehen sollten, werden es in einigen Monaten bis zu 329 Anlagen sein, die auf engem Raum existieren und dann entscheidend die Landschaft prägen. Allein in der kleinen Verbandsgemeinde Simmern sind 31 Anlagen am Netz, 25 im Bau oder genehmigt und 52 beantragt – im landesweiten Vergleich hat die Verbandsgemeinde damit eine weithin sichtbare Vorreiterrolle inne.

    Es sind sanfte weiße Riesen, die über der welligen Hunsrücklandschaft thronen. Bereits heute ist die Verspargelung erkennbar, die seitens der Politik stets verneint wird. Die am Rande des als schützenswert geltenden Soonwalds gelegene Gemeinde Ellern plant gerade den Bau von fünf Anlagen mit je 7,5 Megawatt Leistung. Größere Anlagen gibt es auf dem Markt nicht; die Windräder dieser Leistungsklasse werden 198 Meter hoch. Pro Anlage wird in der kleinen Gemeinde mit einer Pachteinnahme von 110 000 Euro pro Jahr gerechnet. Ein Solidarpakt mit Nachbarorten soll dafür sorgen, dass potenzieller Neid abgeschwächt wird. Genauso für die Gemeinde Ellern wie für den gesamten Rhein-Hunsrück-Kreis gilt in wenigen Jahren: Hier wird deutlich mehr Strom erzeugt, als verbraucht wird.

    Zu den Strom-Großproduzenten durch Windkraft gehört auch die Region Trier. Mit 431 Anlagen stehen in dem großen Flächengebiet zwischen Saarburg und Gerolstein sowie Morbach und Prüm die meisten im Land. In den kommenden Jahren dürften weitere Anlagen hinzukommen: Allein im Vulkaneifelkreis haben 50 Kommunen Interesse bekundet, eine Windkraftanlage aufstellen zu wollen. Doch der Boom scheint sich hier allmählich abzuschwächen, da es bereits viele Anlagen gibt. Auch im Kreis Cochem-Zell sind einige Anlagen am Netz (60).

    In der Region Westerwald hat die Windkraft eine unterschiedlich große Bedeutung. Im Westerwaldkreis stehen 96 Anlagen, im Kreis Altenkirchen sind dagegen nur sieben Windräder in Betrieb, sie stehen ausschließlich in der Verbandsgemeinde Gebhardshain. Auch im Westerwaldkreis sind die Unterschiede groß: In der Verbandsgemeinde Rennerod speisen derzeit 37 Windkraftanlagen Strom ins Netz ein, in der Verbandsgemeinde Bad Marienberg sind es 30, in der Verbandsgemeinde Hachenburg 22. In anderen Verbandsgemeinden wie Höhr-Grenzhausen, Montabaur oder Ransbach-Baumbach gibt es gar keine Anlagen. Im Kreis Neuwied gibt es bislang kein Windrad, niedrig sind auch die Zahlen aus dem Kreis Mayen-Koblenz (12), dem Rhein-Lahn-Kreis (15) und dem Kreis Ahrweiler (11).

    Unterschiede in der Bewertung des Themas Windenergie gibt es auch in der Region Rheinhessen-Nahe. Hier sind insgesamt zwar rund 160 Windkraftanlagen in Betrieb, aber gut die Hälfte aller Anlagen steht im Gebiet Alzey-Worms. Rund um Mainz drehen sich nur wenige Räder: sechs in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm, sieben in der Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim und sechs im Stadtgebiet Mainz. Im Kreis Bad Kreuznach gibt es 20 Anlagen, etwas stärker ist das Gewicht der Windkraft im Kreis Birkenfeld – mit derzeit 34 Anlagen.

    Die Landesregierung hat dem Ausbau der Energiegewinnung durch Windkraft im Koalitionsvertrag weit die Tür geöffnet. Mainz setzt auf einen schnellen Ausbau – doch im Land sind die Folgen davon unterschiedlich: Manche Regionen setzen extrem auf die Windkraft, andere (noch) gar nicht.

    Von unserem Redakteur Volker Boch

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