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St. Sebastian

Pflanzendoktor hilft mit Rat und Tat

Mit ein paar schnellen, tastenden Griffen untersucht Andreas Thielen den schwächelnden Patienten. Man sieht diesem die Krankheit deutlich an. Keine gesunde Farbe, viele gelbe Flecken, elender Gesamteindruck. Mit einer Sackkarre war der gewichtige „Patient“ ins Behandlungszimmer gebracht worden. Bereits nach wenigen Augenblicken steht Thielens Diagnose.

In wenigen Augenblicken hat der Pflanzendoktor Andreas Thielen die Ursache für die braunen und gelben Flecken am Oleander erkannt. Der Strauch ist von der Schildlaus befallen. Nach der Behandlung darf der Oleander sich im Gewächshaus erholen.
 
In wenigen Augenblicken hat der Pflanzendoktor Andreas Thielen die Ursache für die braunen und gelben Flecken am Oleander erkannt. Der Strauch ist von der Schildlaus befallen. Nach der Behandlung darf der Oleander sich im Gewächshaus erholen.
Foto: BenjaminStöß

St. Sebastian. Mit ein paar schnellen, tastenden Griffen untersucht Andreas Thielen den schwächelnden Patienten. Man sieht diesem die Krankheit deutlich an. Keine gesunde Farbe, viele gelbe Flecken, elender Gesamteindruck. Mit einer Sackkarre war der gewichtige „Patient“ ins Behandlungszimmer gebracht worden.

Bereits nach wenigen Augenblicken steht Thielens Diagnose: Schildläuse haben den Oleanderstrauch befallen, versteckt an den Unterseiten der Blätter. Andreas Thielen, gelernter Gärtner und Landschaftsbauer aus St. Sebastian im Landkreis Mayen-Koblenz, ist zertifizierter Pflanzendoktor.

Die schnelle Diagnose geht nahtlos in die Behandlung über. Der Oleander wird mit warmem Wasser abgestrahlt und anschließend mit Rapsöl eingesprüht. Befreit von den ansteckenden Plagegeistern kommt er dann auf die Intensivstation – sprich ins Gewächshaus – und wird hier wieder gesund gepflegt.

Bei Symptomen sofort reagieren

Für viele Pflanzenliebhaber und Hobbygärtner ist der Pflanzendoktor die letzte Hoffnung, wenn das geliebte Grün kränkelt. „Rat bei uns sucht eigentlich jeder, der Pflanzen hat. Das geht von der älteren Dame bis hin zum jungen Schüler“, erläutert Thielen. In vielen Fällen kann das Problem bereits mit einem schnellen Rat am Telefon gelöst werden. Nicht alle Hilfesuchenden bringen den kranken „Patienten“ gleich mit in die Sprechstunde. In der Regel reicht ein befallenes Blatt für das sichere Urteil. Der Tipp des Fachmanns: „Wenn man Krankheitssymptome an einer Pflanze feststellt, sollte man sofort reagieren und Rat einholen. Denn: Warten macht kränker. Das ist wie beim Menschen.“

Nun gibt es wehleidige Menschen. Gibt es das bei Pflanzen auch? Haben Pflanzen Schmerzen? „Das ist Quatsch“, lautet die kurze Antwort. „Pflanzen“, so erläutert Andreas Thielen, „zeigen Symptome, wenn sie sich nicht wohlfühlen. Wenn sie etwa unter Staunässe leiden, unter Trockenheit, Nahrungsmangel oder wenn sie von Schädlingen befallen sind. Aber Pflanzen erholen sich auch in der Regel sehr schnell, sobald die Ursachen abgestellt sind.“ Natürlich gibt es in der Praxis des Pflanzendoktors auch hoffnungslose Fälle, todkranke Pflanzen, die entsorgt werden müssen. Dann können natürlich auch schon mal Tränen fließen. Etwa, wenn an einem Gewächs besondere Erinnerungen hängen.

Sehr häufig, so die Erfahrung des Pflanzendoktors, ist ein falscher Standort der Pflanze der eigentliche Grund für eine Erkrankung. Etwa der Durchzug, der von einer Zimmerpflanze nicht vertragen wird. Im Garten die „zugepflasterte Pflanze“ oder die eindeutig zu schattige Stelle für diese Gewächsart. Ein zu sehr verdichteter Boden ist oft die Ursache für einen unansehnlichen Rasen. Natürlich macht der Pflanzendoktor dann auch einen Hausbesuch, schaut sich den Schaden vor Ort an und gibt die entsprechenden Tipps, wie man das Grün wieder auf Vordermann bringen kann.

Flächendeckendes Netz

Wie wird man eigentlich Pflanzendoktor? In Rheinland-Pfalz werden diese – gelernte Gärtner und Gartenbauingenieure – in der Gartenakademie am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Neustadt an der Weinstraße ausgebildet und zertifiziert. „Etwa 60 bis 70 kommen in jedem Jahr dazu“, sagt Werner Ollig, der Leiter der Gartenakademie. „Wir haben inzwischen ein flächendeckendes Netz von Pflanzendoktoren im Land aufgebaut.“ Alle diese Pflanzendoktoren werden von der Akademie zu einer umweltschonenden Gartenbewirtschaftung verpflichtet. Das heißt: Die chemische Keule bleibt in der Regel außen vor. Außerdem müssen alle einmal im Jahr zu einer Fort- und Weiterbildung in der Akademie erscheinen.

Aber auch im Alltag ist der Draht von den in der Fläche wirkenden Pflanzendoktoren zur Akademie sehr kurz. „Nicht in jedem Fall“, so gesteht Andreas Thielen, „hat man sofort die Lösung eines speziellen Problems zur Hand.“ Wenn auch ein Nachschlagen nicht weiterhilft, so springt hier die Gartenakademie ein. „Ich kann etwa ein befallenes Blatt nach Neustadt schicken, und dort wird mir prompt geholfen.“ Im professionellen Labor analysiert Rainer Wahl den Schädlingsbefall unter dem Mikroskop und „wenige Minuten später erhalten die Leute die Antwort“, sagt Eva Morgenstern, Mitarbeiterin der Gartenakademie. „Natürlich ist das kostenlos. Ein Service des Landes Rheinland-Pfalz“, ergänzt Ollig. Ebenso kostenlos sind der telefonische Ratschlag, die schnelle Diagnose im Laden oder im Betrieb der örtlichen Pflanzendoktoren. Eine Rechnung schreiben sie aber natürlich nach einem Hausbesuch.

Von unserem Redakteur Edgar Konrath

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