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Heddesdorf

Pfingstreiter brachten gute Wünsche aus

Ganz ohne „Schießeisen“, wie es noch in den 20er-Jahren im Westerwald üblich war, dafür aber mit reichlich Ausdauer, guten Wünschen auf den Lippen und alten Stalllaternen in den Händen: So zogen die Heddesdorfer Pfingstreiter über viele Jahrzehnte in den ersten Stunden des neuen Jahres durch den Stadtteil und den alten Dorfkern. Erst kurz vor der Jahrtausendwende endete die Tradition des Neujahrsansagens in Heddesdorf. „Viele alte Heddesdorfer waren gestorben, und viele Zugezogene haben die Tradition verstanden. Manche haben uns beschimpft, wenn wir geklingelt haben oder gleich die Polizei gerufen“, erklärt Volker Runkel, früheres Vorstandsmitglied der Burschengesellschaft das Aus des alten Neujahrsbrauchs.

Foto: K.-U. Häßler -

Von den Alteingesessenen wurden die Burschen aber bis zuletzt herzlich begrüßt, wenn sie mit Parka, Pudelmütze und Schal bekleidet, die Petroleumlampe in der Hand, an die Türen kamen und ihren Neujahrsspruch aufsagten, erzählt Runkel. „Wir wurden sogar sehnsüchtig erwartet und meistens hineingebeten. Da standen wir dann teilweise mit wildfremden Leuten und haben ein Bier oder auch mal ein Schnäpschen getrunken“, fügt der Heddesdorfer hinzu, dem es in jungen Jahren nichts ausmachte, sich die Silvesternacht für den Brauch um die Ohren zu schlagen. Gemütliches Versumpfen an einer der Stationen war dabei aber nicht erlaubt. „Wir hatten ja noch einen weiten Weg vor uns“, betont Runkel. Praktisch alle Haushalte vom Neuwieder Bahnhof bis zu den letzten Häusern von Alt-Heddesdorf wurden mit den Segenswünschen bedacht. Nur der Heddesdorfer Berg und der Raiffeisenring blieben außen vor. „Sonst wäre es nicht zu schaffen gewesen“, stellt Runkel klar.

Spät am Silvesterabend trafen sich die Pfingstreiter sich im Dorf und gingen gemeinsam zum Bahnhof, von wo sich ihr Tross unter Singen des Chorals „Nun danket alle Gott“ in Bewegung setzte. Diesem Startpunkt misst der Heddesdorfer Lokalhistoriker Helmut Krämer symbolischen Wert zu: „Die Heddesdorfer legen ja Wert auf die Feststellung, dass der Bahnhof auf ehemaligem Heddesdorfer Gebiet liegt.“ Zwischen 3 und 4 Uhr am Neujahrsmorgen stärkten die Burschen sich in einer Heddesdorfer Gastwirtschaft mit einer kräftigen Suppe. Die letzten Häuser wurden erst gegen 7 Uhr erreicht. Danach endete der Einsatz mit einem gemeinsamen Frühstück, erinnert sich Volker Runkel.

Lange Zeit begleitete noch eine Musikkapelle die Pfingstreiter. Krämer vermutet, dass die stark geschrumpfte Zahl der Burschen die Kosten dafür irgendwann nicht mehr aufbringen konnte. Akkordeon und Gitarren nahmen sie aber auch in späteren Jahren noch mit, um für ihre Mitbürger zum Rheinländer aufzuspielen. mif

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