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Orange Tonne bis 2015: Alle buhlen um den kostbaren Müll

Wenn es nach der Bundesregierung geht, könnte die Wertstofftonne bald zurückkehren. Ein Planspiel soll offene Fragen klären – und davon gibt es einige auch in Rheinland-Pfalz.

Recyclingquote im Land soll deutlich steigen
Recyclingquote im Land soll deutlich steigen

Wenn es nach der Bundesregierung geht, könnte die Wertstofftonne bald zurückkehren. Ein Planspiel soll offene Fragen klären – und davon gibt es einige.

Rheinland-Pfalz/Berlin. Anfang der 90er-Jahre waren die Menschen im Kreis Neuwied der Zeit weit voraus: Damals, erzählt der Erste Beigeordnete des Kreises, Achim Hallerbach, gab es schon einmal eine Wertstofftonne.

Neben Papier und Verpackungen landeten Batterien und Elektrokleingeräte darin. Dann läutete der Grüne Punkt das schleichende Ende der Wertstofftonne ein. Heute müssen die Bürger wieder sauber trennen: Papier in die blaue, Verpackungen in die grüne Tonne; Wertstoffe bringen sie brav zu den drei Recyclinghöfen im Kreis.

Gesetz bereits beschlossen

Wenn es nach der Bundesregierung geht, könnte die Wertstofftonne bald zurückkehren. Das Kabinett hat den Entwurf eines Gesetzes beschlossen, das die Grundlage für die flächendeckende Einführung von Wertstofftonnen bis 2015 schaffen soll. Damit setzt die Regierung eine EU-Richtlinie um.

Doch noch sind viele Punkte offen. Daher will das Umweltbundesamt mit kommunalen und privaten Entsorgern zunächst ein Planspiel durchführen. Im Juni sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Umstritten sind vor allem zwei Punkte:

  1. Was soll in die Tonne, und soll dieser Müll in eine gesonderte orangefarbene Tonne? Wer darf den Abfall sammeln?

Hier ein Überblick:

Laut Umweltbundesamt ist eine gemeinsame Sammlung von Kunststoffen und Metall sinnvoll.

Zudem könnten im gelben Sack beziehungsweise der gelben oder grünen Tonne auch „stoffgleiche Nichtverpackungen“ wie die Playmobil-Figur oder der Kunststoffteller landen.

Skeptisch sehen Experten indes die Einbeziehung von Elektrokleingeräten wie Handys oder Radios. Das bisherige Recycling dieses Elektroschrotts sei mangelhaft, kritisiert der Naturschutzbund und schlägt stattdessen eine konsequentere Rücknahme durch den Handel vor. Für Handys wird auch ein Pfandsystem diskutiert. Wenn Bürger etwa 10 Euro Pfand für die Rückgabe eines Handys erhalten, dürften sich viele genau überlegen, ob sie es einfach in den Müll schmeißen.

Der Neuwieder Beigeordnete Hallerbach gibt überdies zu bedenken: „Viele Elektrogeräte werden bei der Erfassung und dem Transport zwangsläufig beschädigt. Dabei können Schadstoffe austreten und Störstoffe anfallen, die das Handling für die Recyclingfachkräfte erschweren, die anderen eingesammelten Wertstoffmaterialien belasten und damit das Verwertungspotenzial mindern.“

Keine weitere Tonne

Weitgehend einig sind sich Land, Bund und viele Kommunen, dass man den Bürgern nicht eine weitere Tonne zumuten kann. Seitens des Bundesumweltministeriums heißt es: „Die Wertstofftonne ist eine Weiterentwicklung der gelben Tonne. In der orangen Tonne sollen neben Verpackungen auch Plastikspielzeug oder alte Bratpfannen entsorgt werden können.“ Das Haus der Mainzer Umweltministerin Margit Conrad erklärt: „Die Getrenntsammlung soll so organisiert werden, dass sie für die Bürger möglichst komfortabel ist. Deshalb sollten die bestehenden Gelbe-Sack- und Gelbe-Tonnen-Systeme auf alle stoffgleichen Materialien und auf Elektrokleingeräte ausgeweitet werden.“ Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen setzt sich für eine kombinierte Wertstofftonne ein.

Heftig umstritten ist indes, wer die lukrativen Wertstoffe einsammeln und wiederverwerten darf. Nicht nur in Berlin tobt ein „Müllkrieg“ zwischen privaten und kommunalen Entsorgern. Während die Stadtreinigung eine orange Box zum Sammeln von Mixern, CDs und Holz aufstellen durfte, untersagte der Senat dem privaten Entsorger Alba den Modellversuch „Gelbe Tonne plus“. Die Privaten betonen, dass die Verpackungsverordnung schon jetzt vorsieht, dass mit der gelben Tonne weitere Wertstoffe wie Elektrogeräte und Textilien gesammelt werden können. Sie verweisen auf Milliardeninvestitionen in Sortier- und Recycling-Technik. Die kommunalen Spitzenverbände argumentieren indes, dass sie die Müllgebühren durch einen Verkauf der Wertstoffe stabil halten können. Die Mainzer Landesregierung hat sich bereits festgelegt. Sie will, dass auch die orange Tonne in der Hand der Kommunen ist – schließlich hätten die Bürger in ihnen einen kompetenten und ortsnahen Ansprechpartner, wenn bei der neuen Tonne etwas schiefgehen sollte.

Im Kreis Neuwied ist den Bürgern der Streit über die orange Tonne egal. Sie werfen immer noch gern Metall, Holz oder Elektrokleingeräte in die einstige Wertstofftonne, berichtet Hallerbach. Ihnen scheint die Idee bis heute gut zu gefallen.

Von unserem Redakteur Christian Kunst

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