Norddeutscher Grünkohl – made in Pittsburgh

Von unserem Redakteur Christian Kunst

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Von unserem Redakteur Christian Kunst
Foto: Christian Kunst

Vor drei Jahren gab es in New Orleans einen Grünkohl-Skandal. Auslöser war eine Reisegeschichte in der „New York Times“. Die Autorin zitierte darin eine niederländische Schauspielerin, die in die Südstaaten-Metropole gezogen war: „New Orleans ist nicht kosmopolitisch. Es gibt hier keinen Grünkohl.“ Der Aufschrei war groß – in Zeitungen, sozialen Medien und Restaurants gab es Hinweise, wo man sehr wohl guten Grünkohl, auf Englisch kale, essen könne. „Kale-Gate“ war geboren. Es war ein Protestruf der von New Yorkern belächelten Provinz.

Knapp drei Jahre bevor die amerikanische Provinz auch an den Wahlurnen ihre Stärke demonstrierte. Doch anders als bei Trump war es ein Aufschrei des vielfältigen Amerika. Und wie schmeckt diese Vielfalt? In einer kleinen Seitenstraße im Strip District von Pittsburgh – 1800 Kilometer nördlich von New Orleans – habe ich sie geschmeckt. Im Café der „Enrico Biscotti Bakery“ traf ich am Herd Roy Godine – aus New Orleans.

In einem Topf bereitete er Grünkohl zu. Ich probierte ihn und war platt: Er schmeckte wie in Norddeutschland. Godine erzählte, dass sie den Kohl in New Orleans mit einer Grützwurst essen – Pinkel. Und dass sie den Kohl über Nacht ziehen lassen – so macht es auch meine Mutter. Roy Godine und ich lächelten uns an, als wir Tschüss sagten. Ich dachte mir: Wir Provinzeier sind die wahren Kosmopoliten.