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Radsport

MTB-Weltmeisterschaft: Im dritten Anlauf soll der Titel her

Kim Tofaute und Benjamin Brochhagen wollen an diesem Wochenende als Zweierteam den Weltmeistertitel beim 24-Stunden-Rennen für Mountainbiker im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg holen. Nach zwei zweiten Plätzen in den Vorjahren ist die Zeit für den Sieg nun reif.

Vier der fünf Fahrer des Koblenzer "Ergon 24 H Racing Teams" treten bei der Weltmeisterschaft an. Kim Tofaute (oben rechts) und Benjamin Brochhagen (unten links) waren bereits zweimal Zweite. Erstmals am Start sind Trevor Allen (oben Mitte) und Nadine Rieder (unten rechts).
Foto: Tino Pohlmann
Vier der fünf Fahrer des Koblenzer "Ergon 24 H Racing Teams" treten bei der Weltmeisterschaft an. Kim Tofaute (oben rechts) und Benjamin Brochhagen (unten links) waren bereits zweimal Zweite. Erstmals am Start sind Trevor Allen (oben Mitte) und Nadine Rieder (unten rechts).
Foto: Tino Pohlmann

Radsport – Kim Tofaute und Benjamin Brochhagen wollen an diesem Wochenende als Zweierteam den Weltmeistertitel beim 24-Stunden-Rennen für Mountainbiker im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg holen. Nach zwei zweiten Plätzen in den Vorjahren ist die Zeit für den Sieg nun reif.

"Wir haben uns optimal vorbereitet", ist sich der in Lahnstein wohnende Sportwissenschaftler Tofaute sicher. Doch er weiß: "24 Stunden sind lang. Da kann viel passieren." Man fahre über lange Zeit so hart an der Ermüdungsgrenze, dass eine Unachtsamkeit schnell zum Sturz führen kann.

Tofaute und der in Berg bei Altenahr lebende Brochhagen sind für das vor zwei Jahren gegründete "Ergon 24 H Racing Team" am Start, das von einem Koblenzer Vertreiber von Radsportzubehör gesponsert wird. Tofaute entwickelt bei Ergon seit sieben Jahren ergonomisch optimierte Lenkergriffe, Rucksäcke und Sättel, Brochhagen kümmerte sich bei der Firma bis vor kurzem um die PR-Arbeit und wechselte Anfang August zum Radversender Canyon. Als Rennfahrerduo sind sie ein eingespieltes Team, das – so oft es möglich ist – gemeinsam im Koblenzer Stadtwald trainiert. Mit fünf bis sechs Stunden langen Einheiten bereiten sich Tofaute, der im März seinen 40. Geburtstag feierte, und der elf Jahre jüngere Brochhagen auf den Saisonhöhepunkt vor.Vom TRainingslager auf Mallorca gibt es bei YouTube ein Video:

Dazu gehört auch eine Tour spätabends, um die batteriebetriebene Beleuchtung zu testen und einzustellen. Vorbereitung, Auftritt und Material sind professionell, aber ihren Lebensunterhalt verdienen beide im Büro. "Mit dem Training kommen da schnell 70 bis 80 Stunden in der Woche zusammen", sagt Brochhagen. Die Entbehrungen gipfeln schließlich am Wettkampftag. Rund um die Uhr wechseln sich Tofaute und Brochhagen nach jeder der 7,1 Kilometer langen Runden ab. Das Tempo bleibt konstant hoch. Je 40 volle Runden, also mehr als 280 Kilometer, hat jeder von ihnen im vergangenen Jahr absolviert. Zum Sieg hätte es je eine Runde mehr sein müssen. Geschlafen wird nicht. Der kurze Wechselrhythmus hält den Adrenalinspiegel hoch. "Das hält uns wach", erklärt Tofaute. Während des Rennens sehen sich die beiden nur beim Wechsel. Verständigen können sich die Rennfahrer nur über ihr Begleitteam, Tofautes Freundin und Brochhagens Ehefrau. "Die wissen genau, wie es uns geht, was sie uns sagen müssen und was sie besser nicht sagen", sagt Brochhagen.

Nicht immer geht es den Athleten richtig gut. Sportwissenschaftler Tofaute weiß, dass der Kopf das Entscheidende ist. Tiefs gehören zum Rennen. "Das kann man nicht abstellen. Solche Phasen kommen völlig unberechenbar", sagt er, und sein Partner Brochhagen ergänzt: "Man darf nicht daran denken, was noch vor einem liegt." Schon die Aufnahme von rund 500 Kalorien pro Rennstunde über Herzhaftes, Riegel und Getränke sei eine Herausforderung. "Das Essen ist eine eigene Disziplin", sagt Tofaute. "Wenn man dabei etwas falsch macht, bricht man ein oder ist raus."

Die körperliche Belastung der 24-Stunden-Disziplin ist so hoch, dass die Ergon-Fahrer bei nur drei Rennen als Duo an den Start gehen. Die übrigen Rund-um-die-Uhr-Rennen bestreiten sie im Quartett, sodass die Erholungsphasen spürbar länger sind. Ob Titel oder nicht: Viel Zeit zum Feiern und Regenerieren haben die in der Radbranche tätigen Athleten nicht: Am Montag ist zwar frei, doch am Dienstag ruft das Büro – und am folgenden Wochenende steht die weltgrößte Fahrradmesse, die Eurobike in Friedrichshafen, auf dem Programm. Ein Pflichttermin – auch und gerade für Weltmeister.

Zweites Eisen im Feuer

Selbe Disziplin, andere Wertung: Mit Nadine Rieder und Trevor Allen hat "Ergon 24" bei der WM in der Oberpfalz ein zweites Eisen im Feuer. Beide sind Anfang 20 und bringen für das Rennen Rund um die Uhr höchst unterschiedliche Voraussetzungen mit. Der Brite Allen, der nach Abschluss seines Ingenieurstudiums derzeit ein Praktikum beim Koblenzer Radversender Canyon macht, hat schon mehrere 24-Stunden-Rennen als Solist bestritten. Im vergangenen Jahr befand er sich bei der WM auf Medaillenkurs. Erst ein Sturz machte nach 13 Stunden alles zunichte. Bedingt durch die Prüfungen für sein Studium war die Vorbereitung in diesem Jahr nicht optimal, manches Training begann erst um 23 Uhr. "Wenn man etwas erreichen will, dann findet man auch Zeit", sagt Allen. Nadine Rieder aus dem schwäbischen Sonthofen ist neu in der Ergon-Mannschaft und soll bei der WM "auf Trevor aufpassen", wie Teamchef Kim Tofaute angesichts des Sturzes im Vorjahr frotzelt. Rieder fuhr bislang im "Young-stars"-Team der Fumic-Brüder und war auf Cross-Country-Wettbewerbe spezialisiert. Erst im Juni dieses Jahres fuhr sie in Großbritannien ihr erstes 24-Stunden-Rennen. Im Quartett mit Benjamin Brochhagen, Trevor Allen und dem Kelkheimer Max Friedrich belegte sie Rang fünf. "Ich war total begeistert und auch etwas erleichtert, dass ich es so gut meistern konnte", ist die junge Frau erfreut. Vor der WM hat sie dennoch Respekt, da sie mit Allen nur einen Mitstreiter haben wird. "Das bedeutet: kein Schlaf, kurze Pausen und ständig auf dem Sprung."

Von unserem Redakteur Carlo Rosenkranz

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